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Skandal um Billigmodekette : Primark bezeichnet Hilferufe als Fälschungen

Primark steht immer wieder in der Kritik. Bild: Finger, Stefan

Drei Kundinnen der irischen Billigmodekette Primark wollen in Kleidungsstücken schriftliche Hilferufe gefunden haben. Nun stellt Primark klar: Zumindest zwei davon sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Fälschungen.

          Es war eine Nachricht, die Schlagzeilen machte: Drei Kundinnen der irischen Billigmodekette Primark wollen in Kleidungsstücken schriftliche Hilferufe gefunden haben, in denen sich asiatische Textilarbeiter über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Fabriken in Fernost beschweren. Doch nur einen Tag später stellte Primark am Freitag klar: Zumindest zwei der drei Botschaften seien mit hoher Wahrscheinlichkeit Fälschungen. Das Unternehmen bezeichnete die angeblichen Hilferufe als „Ente“. Der populäre Billiganbieter, der auch in Deutschland stark expandiert,  steht seit Jahren in der Kritik, weil er Arbeiter in Billiglohnländern ausbeute.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die beiden Botschaften wurden eingenäht in Primark-Kleidungsstückchen gefunden, die zwei Kundinnen in der britischen Stadt Swansea vergangenes Jahr gekauft  hatten. „Gezwungen, bis zur Erschöpfung zu arbeiten“, lautet die eine,  „Erniedrigende Arbeit in einem Ausbeuterbetrieb“ die andere Nachricht. Nun teilte Primark mit, Untersuchungen hätten klar gezeigt, dass beide Botschaften vom selben Urheber stammten. Die beiden Kleidungsstücke seien jedoch von verschiedenen Lieferanten in unterschiedlichen Ländern hergestellt worden. Das eine stamme aus Rumänien, das andere aus Indien. Es sei deshalb „fast unmöglich“, dass sie tatsächlich von Arbeitern in den Fabriken eingenäht worden seien. Primark machte keine Angaben darüber, von wem die Einnäher stattdessen stammen könnten. Doch habe vergangenes Jahr in Swansea eine Ausstellung stattgefunden, in der die Besucher aufgefordert worden seien, ähnliche Botschaften in Kleider einzunähen.

          Primark hatte bereits am Donnerstag Zweifel an der Echtheit der angeblichen Hilferufe erkennen lassen und diese als „sehr merkwürdig“ bezeichnet.  Unklar ist bisher die Herkunft der dritten Botschaft, die in Nordirland aufgetaucht ist. Dieser Fall werde derzeit noch untersucht, teilte das Unternehmen mit. Es handelt sich dabei um einen Zettel in einer Hose. Der unbekannte Autor gibt sich als Zwangsarbeiter in einem chinesischen Gefängnis aus. Er und seine Mitgefangenen müssten für Primark „arbeiten wie die Ochsen auf dem Feld“.

          Primark hat bereits am Donnerstag auch in diesem Fall auf Widersprüche hingewiesen: So hatte die Kundin aus Nordirland angegeben, die Hose im Jahr 2011 gekauft zu haben, aber die Botschaft erst jetzt entdeckt zu haben. Primark dagegen verwies darauf, solche Kleidungsstücke würden bereits seit dem Herbst 2009 in Nordirland nicht mehr verkauft.

          Der Wirbel um die angeblichen Hilferufe hat eine traurige Vorgeschichte: Vergangenes Jahr starben beim Einsturz einer baufälligen Fabrik in Bangladesch 1100 Menschen. In dem Gebäude waren im Auftrag von Primark und anderen westlichen Modeketten Kleidungsstücke gefertigt worden. Primark hat mittlerweile Entschädigungszahlungen von 12 Millionen Dollar für die Familien der Opfer angekündigt.

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