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Fast-Fashion : Die Modebranche im Temporausch

  • -Aktualisiert am

Das Schaufenster lügt nicht: Vielen Kunden kann es bei der Neuanschaffung der Garderobe gar nicht schnell genug gehen – was so manchen Anbieter überfordert. Bild: AFP

Hauptsache, schnell und preiswert: Das Geschäft mit der Mode wird immer schwieriger. Die Umsätze bröckeln, und es gibt viele Verlierer. Trotzdem setzen einige auf Expansion.

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          Üppige Floralmuster in dunklen Tönen, bestickte Samtoberteile, Jacken im Kimonostil, ein bisschen Gipsy Queen, ein bisschen Geisha: So präsentiert sich die Modekette Zara derzeit in ihren Schaufenstern mit neuen Herbstideen. Nebenan bei H&M feiert der Glencheck-Mantel sein Comeback, dazu Blümchenkleider in Jeansblau. Massimo Dutti, wie Zara zur spanischen Inditex-Gruppe gehörend, mag es klassisch uni: Tomatenrot für die dick gestrickten Pullis und Röcke in neuer Midi-Länge, reines Weiß für das Kleid mit Volant.

          Die beiden Modekonzerne gelten als die größten sogenannten Fast-Fashion-Anbieter der Welt. Vertikal organisiert, kontrollieren sie die gesamte Wertschöpfungskette. Sie haben vom Design über Beschaffung, Produktion und Logistik bis hin zur Ladenkasse sämtliche Prozesse in einer Hand.

          Deutschlandgeschäft von H&M stagniert

          Das macht sie schnell, wenn es darum geht, die neuen Trends von den internationalen Laufstegen zeitnah in den Kollektionen für den Normalkonsumenten umzusetzen. Und es macht sie entsprechend flexibel, wenn es beispielsweise mit blümchenbesticktem Samt nicht so recht laufen will und rasch Alternativen her müssen. Zwar wachsen auch für diese Ketten hierzulande die Bäume nicht mehr in den Himmel.

          So hat beispielsweise das Deutschlandgeschäft des schwedischen Modekonzerns H&M zuletzt stagniert. Sie trotzen der angespannten Situation im deutschen Bekleidungshandel aber besser als beispielsweise der mit schrumpfenden Umsätzen kämpfende, traditionell auf Eigenmarken setzende Bekleidungshändler C&A, die Warenhausunternehmen mit ihren großen Bekleidungssortimenten oder die meisten der Multilabel-Händler, gleich welcher Umsatzgröße.

          Filialen müssen geschlossen werden

          In dem schwieriger gewordenen Geschäft mit der Mode, in dem die klassischen Rollenverteilungen zwischen Hersteller und Händler längst verschwommen sind, machen sie mit ihren fokussierten Konzepten auch die bessere Figur als so manche ehedem erfolgreiche Marke, der der allzu flotte Expansionsdrang im selbstbetriebenen Einzelhandel nicht gut bekommen ist. So mussten beispielsweise Unternehmen wie Gerry Weber, Tom Tailor, Esprit oder sogar Hugo Boss längst zurückrudern und Filialen schließen, um ihre Zahlen wieder in Ordnung zu bringen. Speziell der über viele Jahre hinweg erfolgreiche Damenmodeanbieter Gerry Weber galt zuletzt als überdistribuiert. Will heißen, es gab die Ware an jeder Ecke. Der Mode- und Textilhandel, im Jahr für 65 Milliarden Euro Umsatz gut, wird für viele Marktteilnehmer mehr und mehr zum Balanceakt.

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          Mit der forcierten Eröffnung vieler eigener Läden wurde zugleich der Großhandel ausgerechnet mit den Facheinzelhändlern vernachlässigt, die die Marke einst groß gemacht haben. Immerhin bietet das börsennotierte Unternehmen aus Halle seinen Handelspartnern mit der Marke Talkabout ein neues Shop-in-Shop-Konzept an, mit dem vor allem jüngere Kundinnen angesprochen werden sollen. Und mit der Einzelhandels-Tochtergesellschaft Hallhuber zielt der Konzern auf den Trend zu mehr Tempo. Neue Kollektionen im Zweiwochenrhythmus, lautet das Versprechen.

          Mode vom Discounter oder aus dem Netz

          Die Modebranche hat seit geraumer Zeit mit einem tiefgreifenden Strukturwandel zu kämpfen. Vor allem der mittelständische Fachhandel ist in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich abgeschmolzen. Einkaufsstraßen und Shoppingcenter sind heute von den immer gleichen Ketten geprägt. Auch das Einkaufsverhalten hat sich geändert.

          Die Lust, neue Garderobe zu kaufen, ist angesichts voller Kleiderschränke oder alternativer Konsumwünsche nicht mehr so groß wie vor Jahren. Besonders das junge Publikum kauft – immer stärker beeinflusst von sogenannten Influencern und Youtube-Stars – seine knappen Verfallsdaten unterliegende Mode gern bei internationalen Billigketten und Discountern. Und längst beanspruchen die großen Online-Händler und Einkaufsportale einen großen Teil des Kuchens. Bekleidung ist das stärkste Warensegment im Online-Handel, noch vor Konsumelektronik. Entsprechend klagen stationäre Händler über abnehmende Kundenfrequenzen in den Innenstädten.

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