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Preisabsprache : Millionenstrafe für überteuerte Wellensteyn-Jacken

  • Aktualisiert am

Der Wellensteyn-Laden am Roßmarkt in Frankfurt zieht um. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Jackenhersteller Wellensteyn und das Bekleidungshaus Peek & Cloppenburg haben versucht, den Preis für die Jacken hoch zu halten. Nun reagieren die Kartellwächter.

          Wellensteyn International ist ein bekannter und bei vielen Kunden beliebter Jackenhersteller. Das Signet, ein stilisiertes weißes Kreuz auf rotem Grund, erinnert entfernt an die das Hochpreisland Schweiz.

          Tatsächlich haben wohl auch viele Kunden des deutschen Premiumherstellers über Jahre überhöhte Preise gezahlt. Deshalb hat das Bundeskartellamt jetzt millionenschwere Bußgelder verhängt. Neben Wellensteyn trafen sie auch den Düsseldorfer Händler Peek & Cloppenburg. Der Vorwurf lautet, sie hätten unerlaubte Absprachen getroffen.

          „Klare Verstöße“

          Konkret wirft das Kartellamt dem Hersteller vor, seinen Händlern Mindestverkaufspreise vorgegeben zu haben und parallel dazu Preisreduzierungen und den Vertrieb in Internet verboten zu haben. „Wich ein Händler davon ab, wurden Liefersperren angedroht und in einer Reihe von Fällen auch umgesetzt“, sagte der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt. P&C Düsseldorf habe sich darauf eingelassen und darüber hinaus Wellensteyn auch selbst aufgefordert, gegen andere Händler vorzugehen, die niedrigere Preis verlangt hätten.

          Es gibt Hinweise darauf, dass solche und ähnliche Preisbindungspraktiken in der Textilbranche über den vorliegenden Fall hinaus Bedeutung haben könnten, sagte Mundt. „Das wären klare Verstöße gegen das Kartellverbot.“

          Händler müssten ihre Preise frei festlegen können. Das schüre den Wettbewerb und komme den Verbrauchern zugute. Vereinbarungen zwischen Händlern und Herstellern über bestimmte Verkaufspreise oder Verkaufspreisuntergrenzen seien  deshalb grundsätzlich verboten. Erst recht dürfen die Hersteller die Händler nicht mit angedrohten Strafen zur Einhaltung von Fest- oder Mindestpreisvorgaben bewegen. Händler dürften keine Nachteile durch schlechte oder verzögerte Belieferung von Herstellern erleiden, wenn sie ihre Preise selbst bestimmten.

          Eingeleitet wurde das Verfahren mit einer Durchsuchung am 26. März 2013, nachdem das Bundeskartellamt zuvor Beschwerden bekommen hatte. Die Verstöße dauerten nach Angaben der Wettbewerbshüter von April 2008 bis Februar 2013. Das Kartellamt verhängte insgesamt Bußgelder über 10,9 Millionen Euro. Mindernd habe sich ausgewirkt, dass die Bescheide einvernehmlichen festgelegt worden seien. Dagegen kann vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf Einspruch eingelegt werden.

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