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Übernahmegerüchte bestätigt : Puma und Gucci: Aus dem Flirt wird Ernst

  • Aktualisiert am

Demnächst noch mehr Lifestyle bei Puma? Bild: dpa

Schon am Donnerstag spekulierte die Börse auf ein Übernahmeangebot für Puma. Jetzt hat der französische Luxusgüterkonzern PPR, zu dem auch Gucci gehört, die Gerüchte bestätigt: Sein Angebot bewertet den Sportartikelhersteller mit 5,6 Milliarden Euro.

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          Der französische Luxusgüterkonzern PPR will ein freiwilliges Übernahmeangebot für Puma vorgelegen. Die Offerte bewertet den Herzogenauracher Sportartikelanbieter nach Reuters-Berechnungen mit rund 5,56 Milliarden Euro. Pinault-Printemps Redoute wolle über seine nahezu hundertprozentige Tochter Sapardis 330 Euro je Puma-Stückaktie in bar bieten, teilte Sapardis am Dienstag mit - ein Aufschlag von fünf Prozent zum Puma-Schlusskurs vom Donnerstag.

          Das Unternehmen habe sich zuvor mit den Puma-Hauptaktionären Günther und Daniela Herz und deren Beteiligungsgesellschaft Mayfair über den Kauf ihres Anteils geeinigt. Damit habe sich PPR bereits einen Anteil von etwa 27,14 Prozent der Puma-Aktien gesichert.

          Spekulationen schon am Donnerstag

          Puma bestätigte die Angaben. Mayfair habe seinen Puma-Anteil bereits zu 330 Euro je Aktie an Sapardis verkauft. Der Vollzug des Vertrags zwischen Mayfair und Sapardis stehe noch unter dem Vorbehalt der Kartellfreigabe. Mayfair hielt zuletzt gut 25 Prozent an Puma. Nachdem Puma am Donnerstagabend die Einziehung von sieben Prozent eigener Aktien angekündigt hatte, erhöhte sich dieser Anteil auf 27,14 Prozent.

          Günther und Daniela Herz, deren Familie den Einzelhändler und Kaffeeröster Tchibo kontrolliert, waren 2005 mit Mayfair bei Puma eingestiegen. Schon am Donnerstag vor Ostern hatte es an der Frankfurter Börse Spekulationen gegeben, PPR wolle den zweitgrößten deutschen Sportartikelanbieter nach Adidas kaufen. Die im MDax notierten Puma-Aktien hatten deshalb um mehr als zehn Prozent zugelegt.

          Günter und Daniela Herz haben den Verkauf ihrer Beteiligung mit der guten Unternehmensentwicklung des Sportartikelkonzerns begründet. Das vor zwei Jahren angetretene Investment sei zwar langfristig geplant gewesen, teilte die Mayfair Beteiligungsfondgesellschaft mit. Die unerwartet schnelle Entwicklung von Puma und das „freundliche“ Angebot der französischen PPR-Holding hätten Mayfair jedoch dazu veranlasst, der Transaktion zuzustimmen. Die Zusammenarbeit von Puma und PPR werde der Herzogenauracher Firma signifikante Vorteile bringen, hieß es.

          „Der Preis ist fair gegenüber den Aktionären“

          Der Vorstand von Puma unterstützt das Übernahmeangebot von PPR „uneingeschränkt“. Wie die französische Holding am Dienstag mitteilte, plant Puma, das Angebot nach Durchsicht der Angebotsunterlage zu empfehlen.

          Jochen Zeitz, Vorstandsvorsitzender von PUMA, sagte laut Mitteilung: „Meine Kollegen und ich haben das Angebot von PPR sorgfältig abgewogen und, vorbehaltlich einer Prüfung der Angebotsunterlage, werden wir es unseren Aktionären empfehlen. Wir glauben fest daran, dass diese freundliche Transaktion im besten Sinne unseres Unternehmens und der angebotene Preis fair gegenüber allen PUMA-Aktionären ist.“ PPR geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Angebotsphase Anfang Juli abgeschlossen sein wird.

          PPR will Schwerpunkt auf Luxussektor legen

          Zu PPR gehören Luxusmarken wie Yves Saint Laurent und Gucci. Zu Gucci wiederum gehören etwa die Designer Alexander McQueen, der bereits Schuhe für Puma kreierte, oder Stella McCartney, die unter anderem Sportmode Adidas entwirft. PPR hatte Anfang des Jahres bekräftigt, mit 1,5 Milliarden Euro flüssigen Mitteln genug Geld für eine mittelgroße bis große Übernahme zu haben. Zudem hat der Konzern ungenutzte Kreditlinien von fast fünf Milliarden Euro.

          PPR-Chef ist François-Henri Pinault, Sohn des Industriemagnaten François Pinault, der als einer der reichsten Männer Frankreichs gilt und mit seiner Finanzholding Artemis hinter PPR steht. Die PPR-Holding, die Berichten zufolge den Großteil ihrer Umsätze bislang noch im Handel erzielt, will demnach den Schwerpunkt stärker auf den Luxussektor verlagern. François Pinault soll in diesem Zusammenhang kürzlich gesagt haben, er suche nach einer neuen Marke.

          Puma gilt seit längerem als Übernahmekandidat

          Puma wird seit längerem als Übernahmekandidat gehandelt. Als Interessent galt unter anderem Weltmarktführer Nike. Trotz der Fußball-WM im eigenen Land hatte Puma 2006 wegen Investitionen in die eigene Marke und Werbekosten für das Großereignis weniger verdient als ein Jahr zuvor.

          Im laufenden Jahr will der weltweit drittgrößte Sportartikelhersteller zwar wieder Rekordmarken beim Gewinn erzielen. Der Umsatz solle nach den zuvor üblichen zweistelligen Wachstumsraten aber nur noch um einen mittleren bis höheren einstelligen Prozentsatz wachsen.

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