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Postbank-Übernahme : Große Bank für kleine Sparer

  • -Aktualisiert am

Mit der Postbank will die Deutsche Bank ihr Privatkundengeschäft ausbauen Bild: dapd

Die Deutsche Bank plant keinen Kahlschlag bei der Postbank, an der sie die Merheit erworben hat. „Jede Aussage zu einem Stellenabbau ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt unseriös“, sagte Vorstand Neske der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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          Jetzt wächst zusammen, was nicht unbedingt zusammengehört: Die Deutsche Bank verleibt sich die Postbank ein und wird damit zur größten Sparkasse Deutschlands. Am Freitag hat der Anteil der Deutschen Bank die 50-Prozent-Mehrheit übersprungen, damit wird die Postbank in deren Bilanz konsolidiert - was nichts anderes heißt: Nach mehr als zwei Jahren mühsamen Anbandelns wird die Postbank jetzt offiziell zu einer Art Unterabteilung der Deutschen Bank.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Wir bauen die mit Abstand größte Privatkundenbank in Deutschland“, triumphiert Deutsche-Bank-Vorstand Rainer Neske, dem die Postfilialen von Kind an vertraut sind: „Ich hatte mein erstes Sparbuch bei der Postbank, bin mit ihr aufgewachsen.“ Nun wird er, als der verantwortliche Mann für die Privatkunden in der Deutschen Bank, deren Chef.

          Ein neuer Koloss

          Gut sechs Milliarden Euro lässt sich der Konzern die Übernahme kosten. Galt das Geschäft mit dem privaten Sparer in früheren Zeiten als eher lästig, langweilig und margenschwach, so hat es Josef Ackermann neu entdeckt, auch um die Abhängigkeit von den Investmentbankern zu mindern. Einen „ausgewogeneren Ertragsmix und stabilere Erträge“ verspricht er sich durch die Postbank. Ackermanns Privatkunden-Leute hören die Botschaft gerne. „Eine globale Bank wie unsere kann im Ausland nur so stark sein wie die Basis zu Hause, das ist eine der Lehren der Finanzkrise“, sagt Privatkunden-Vorstand Neske und präsentiert stolz die Kennzahlen des neuen Kolosses: „24 Millionen Kunden, 2000 Filialen, mehr als 40.000 Mitarbeiter, über 4500 Postagenturen. 260 Milliarden Euro Einlagen und über 200 Milliarden Kreditvolumen.“ Vor Investoren auf Roadshows legt Neske gerne die Folie mit dem Vergleich der europäischen Wettbewerber auf: Da schließt die Deutsche Bank durch die gelbe Verstärkung mit den Erträgen aus dem heimischen Filial-Geschäft zur Spitze auf.

          Der Kunde spürt erst mal nicht, dass er mitsamt seinem Geld zu Josef Ackermann wechselt. „Postbank bleibt Postbank“, lautet die Losung. Kontonummern und Bankleitzahl ändern sich nicht. Name wie Profil bleiben erhalten, man will nicht frühere Fehler wiederholen, setzt sich von der Commerzbank ab, welche die Dresdner Bank nach einer Übergangsphase verschwinden ließ. Das irritiert so manchen Kunden, wovon die Deutsche Bank zurzeit wohl profitiert.

          Das kostenlose Girokonto soll bleiben

          „In den vergangenen Wochen haben wir von Privatleuten zweieinhalb Milliarden Euro an neuen Geldern anvertraut bekommen“, frohlockt Neske, der auf eine scharfe Trennung von blauen und gelben Filialen achtet: „Die Postbank bleibt definitiv als starke, eigenständige Marke erhalten.“ Da sich die Kundengruppen unterscheiden, soll es auch das Angebot tun.

          Beispiel: Kostenloses Girokonto. Für die Deutsche Bank bleibt dieses Lockmittel verpönt, da es den Ruf gefährdet: Wer sein Vermögen kompetent betreut sehen möchte, wird stutzig, wenn das Konto nichts kostet. In die Nähe zum Discount will sich die Deutsche Bank erst gar nicht begeben.

          Für die frisch dazugewonnenen Postbank-Kunden, die oft nur wenige Euro bewegen, sind Gebühren dagegen ein Argument. Das kostenlose Girokonto werde es deshalb dort weiter geben, sagt Neske. „Guter Service, einfache Produkte“, gibt er als Parole für die Postbank aus und träumt von einem Ruf als „die gute, sympathische Bank von nebenan“ - in Ergänzung zur blauen Stammmarke, die laut internen Marktstudien von den Leuten als professionell, aber eben auch als kalt empfunden wird.

          „Wir brauchen engagierte Mitarbeiter“

          Dieser Ruf spielt wohl auch eine Rolle, wenn die Gewerkschaften bereits vor dem Abbau von bis zu 7000 Stellen warnen. Zahlen, welche die Deutsche Bank als weit überzogen und nicht nachvollziehbar zurückweist. „Jede Aussage zu einem Stellenabbau ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt unseriös“, betont Vorstand Neske. „Wir brauchen engagierte Mitarbeiter. Und wir werden jede Veränderung sehr offen, sehr transparent mit den Sozialpartnern besprechen.“

          Der befürchtete Kahlschlag fällt aus, soll das wohl heißen. Personal wird über die gewöhnliche Fluktuation abgebaut, sozial verträglich, wie es so schön heißt - also mit Abfindungen und ohne betriebsbedingte Kündigungen. Was sich in jedem Fall ändern wird, ist die Zusammensetzung des Postbank-Aufsichtsrats. Da wird die Deutsche Bank mehr Sitze beanspruchen, gemäß dem wachsenden Aktienanteil, der demnächst noch weiter aufgestockt wird. Die Spekulationen über einen neuen Mann an der Postbank-Spitze - genannt wurde unter anderem schon Ex-HRE-Chef Axel Wieandt - entbehren dagegen jeder Grundlage, so ist zu hören. Für Postbank-Chef Stefan Jütte spricht Deutsch-Banker Neske sogar eine Art Jobgarantie aus: „Wir haben volles Vertrauen in den Vorstand der Postbank. Sie machen einen tollen Job, das Geschäftsmodell funktioniert.“

          Der Big Bang zur Übernahme fällt jedenfalls aus. „Die Integration wird Zeit brauchen, das ist keine Aufgabe für ein Quartal.“ Eine Milliarde Euro an Synergien hat die Deutsche Bank identifiziert. „Drei Viertel davon entfallen auf die Kosten, der größte Teil auf den Bereich IT.“ So wollen sie die Software auf eine gemeinsame Plattform bringen. „Banking wird schneller und einfacher werden“, jubelt Neske - fehlt nur, dass er von einer Hochzeit im Himmel redet.

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