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Postbank-Aktionäre : Neuer Ärger für die Deutsche Bank

Im Streit mit den Postbank-Aktionären sieht es für die Deutsche Bank düster aus. Bild: dpa

Wurden beim Kauf der Postbank Aktionäre unfair behandelt und mit zu niedrigen Preisen abgespeist? Jetzt tauchen neue Dokumente auf, die den Verdacht erhärten.

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          Seit 1. April 2009 ist Werner Steinmüller im erweiterten Vorstand der Deutschen Bank. Anders als mancher seiner Vorstandskollegen hat er kaum Aufsichtsratsmandate in anderen Unternehmen übernommen - genau genommen nur eins: Kurz nach Beginn seiner Vorstandstätigkeit in der Deutschen Bank rückte Steinmüller in den Aufsichtsrat der Postbank. Dieses Mandat schien lange wenig brisant zu sein - doch jetzt wird es Thema einer juristischen Auseinandersetzung zwischen Postbank-Aktionären und Deutscher Bank, die seit Jahren tobt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Darin geht es um die Frage, ob die Deutsche Bank nicht mehr Geld - die Rede ist von bis zu 1,6 Milliarden Euro - für die Postbank hätte zahlen müssen. Nun stellt sich zusätzlich die Frage, ob Steinmüller im Aufsichtsrat der Postbank die Interessen der Deutschen Bank schon in einer Zeit durchgesetzt hat, in der die Deutsche Bank nur Minderheitsgesellschafter war und die Postbank noch nicht zu ihrem Konzern gehörte.

          Zur Erinnerung: Die Deutsche Bank hatte den Einstieg in die Postbank im September 2008 bekanntgegeben - kurz vor Beginn der Finanzkrise. Damals war die Deutsche Bank bereit, der Deutschen Post für 29,75 Prozent der Postbank-Aktien 57,25 Euro je Stück zu zahlen. In Nachverhandlungen gelang es ihr später, den Preis zu drücken. Im ersten Quartal 2009 erwarb die Deutsche Bank dann knapp 23 Prozent und zahlte dafür der Post 23,92 Euro je Aktie. Damit zahlte sie der Post deutliche Aufschläge auf den Börsenkurs. Zudem sicherte sie sich über Termingeschäfte praktisch die Mehrheit an der Postbank.

          Kläger: Deutsche Bank verschleierte die Kontrollausübung

          Bis Jahresende 2009 aber stockte die Deutsche Bank ihre offizielle Beteiligung an der Postbank nur vorsichtig mit gezielten Aktienkäufen an der Börse auf 29,88 Prozent auf. Aus gutem Grund: Nach dem Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz muss allen Aktionären ein Pflichtangebot unterbreitet werden, sobald ein neuer Eigentümer die Kontrolle über das Unternehmen erworben hat. Kontrolle bedeutet nach dem Gesetz: Der neue Eigner muss mindestens 30 Prozent der Stimmrechte besitzen.

          Das Überschreiten dieser Schwelle mied die Deutsche Bank bis zum Oktober 2010 wie der Teufel das Weihwasser. Erst dann nutzte sie den günstigeren Aktienkurs der Postbank, die zuvor erst aus dem Dax und dann aus dem M-Dax geflogen war. Statt 57,25 Euro, die sie ursprünglich für die ersten Aktien hätte zahlen sollen, oder mehr als 40 Euro - der Börsenkurs im September 2008 - musste die Deutsche Bank nun nur noch 25 Euro zahlen. Denn bei einem Übernahmeangebot ist gesetzlich vorgeschrieben, dass der Aufkäufer mindestens den Drei-Monats-Durchschnittskurs zahlen muss. Mehr gab es für die Postbank-Aktionäre dann auch nicht.

          Seither hat eine Reihe von Klägern versucht, der Deutschen Bank nachzuweisen, dass sie nur mit einem komplizierten Kaufkonstrukt so lange die Kontrollausübung verschleiert habe. Sie hätte, so die Forderung, schon viel früher ein Übernahmeangebot abgeben müssen. Schließlich hatte sich die Deutsche Bank de facto mit Hilfe von Optionsgeschäften und Anleihegeschäften schon 2009 die Mehrheit an der Postbank für die Zukunft gesichert. Die Deutsche Post AG als Verkäufer erhielt daher im Zuge dieser Geschäfte zwischen Februar 2012 und Februar 2013 immerhin zwischen 45,45 und 49,42 Euro je Postbank-Aktie für eine insgesamt 39,5 Prozent große Beteiligung. Damit zahlte die Deutsche Bank der Post fast doppelt so viel je Postbank-Aktie wie später den Minderheitsaktionären.

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