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Post wird befristet zum Großaktionär : Deutsche Bank vor indirekter Staatsbeteiligung

Die Post will die Postbank möglichst schnell an die Deutsche Bank verkaufen Bild: AP

Die Post und die Deutsche Bank haben sich auf neue Bedingungen für den Postbank-Verkauf geeinigt. Die Deutsche Bank wird den Kaufpreis nach Informationen der F.A.Z. teilweise mit neuen, eigenen Aktien bezahlen. Indirekt ist dann der Staat an der Deutschen Bank beteiligt, weil ihm über die KfW-Gruppe Teile der Post gehören.

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          Die Deutsche Post wird ihre Anteile an der Postbank sehr viel schneller an die Deutsche Bank abgeben als zunächst vereinbart. Im Gegenzug wird sie Aktionär der Deutschen Bank. Nach Angaben aus Finanzkreisen ist der im September vorigen Jahres vereinbarte Stufenplan hinfällig und wird durch eine neue Struktur ersetzt, die der Post noch in diesem Jahr eine vollständige Trennung von der Postbank erlaubt. Unter anderem sei eine Sachkapitalerhöhung geplant. In diesem Zusammenhang nimmt die Post vorübergehend neue Aktien der Deutschen Bank auf. Der Einstieg sei allerdings auf weniger als ein Jahr begrenzt. Im Gespräch soll eine Beteiligung von weniger als 10 Prozent sein. Damit wird der Bund auf einem Umweg Aktionär der Deutschen Bank, denn der Staat hält über die KfW 31 Prozent an der Post.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Kurssicherungsinstrumente und eine Begrenzung der Haltefrist schlössen Risiken für die Post wohl weitgehend aus. Im Gegenzug erhält die Deutsche Bank einen Preisnachlass für die zügigere Abwicklung. Unter dem Strich soll sich der Barwert der Transaktion aber nicht verringern. An diesem Mittwoch will der Aufsichtsrat der Post die Anpassung des Kaufvertrages abschließend bestätigen. Sprecher der beiden Banken wollten sich zu den Nachbesserungen noch nicht äußern. Die Änderungen gehen auf einen Vorstoß der Deutschen Bank zurück, die nach dem Kursverfall der Postbank-Aktie auf Nachbesserungen gepocht hatte. Darüber war seit dem Spätherbst vorigen Jahres verhandelt worden. Die neue Konstruktion stelle sicher, dass die Kernkapitalquote des Frankfurter Instituts nicht belastet und ein Pflichtangebot an die Minderheitsaktionäre zunächst vermieden werde.

          Post interessiert an schnellem Postbank-Verkauf

          Während es für die Deutsche Bank darauf ankam, die Übernahme möglichst schonend für ihr Eigenkapital abzuwickeln, hat die Post Interesse an einem schnelleren Ausstieg aus der Postbank. Ihr Ziel ist eine Konzentration auf das logistische Kerngeschäft, zu dem die Bankbeteiligung nicht mehr passt. Nach dem im vorigen September ausgehandelten Stufenplan hätte sich die vollständige Trennung von der Postbank drei Jahre lang hinziehen können. Deshalb ist auch davon auszugehen, dass der Post an einem möglichst raschen Ausstieg aus der Deutsche-Bank-Beteiligung gelegen ist.

          Deutsche Chefs: Josef Ackermann (Deutsche Bank) und Frank Appel (Deutsche Post)

          Ein Deutsche-Bank-Sprecher erklärte am Dienstag lediglich, dass der Erwerb des ersten Postbank-Paketes von 29,75 Prozent bis Ende März abgeschlossen werde. Diese bereits Mitte September angekündigte Transaktion hätte unter Berücksichtigung der zwischenzeitlichen Postbank-Kapitalerhöhung ein Volumen von 3,1 Milliarden Euro. Ursprünglich war die Postbank insgesamt mit 9 Milliarden Euro bewertet worden. Derzeit wird das mit 14,5 Millionen Kunden als führende Adresse im Massengeschäft zählende Institut an der Börse nur noch mit gut 3 Milliarden Euro bewertet.

          Ackermann und Appel zollen schlechtem Umfeld Tribut

          Mit den neuen Konditionen zollen Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, und sein Post-Kollege Frank Appel dem deutlich schlechteren Umfeld Tribut. So benötigte die Postbank aufgrund der verschärften Finanzkrise im November eine Kapitalspritze von einer Milliarde Euro. Am vergangenen Freitag musste das Institut mitteilen, dass im Geschäftsjahr 2008 mit einem Verlust gerechnet wird. Die schlechte Kursentwicklung spiegelt dies wider: Seit Bekanntgabe der Transaktion hat die Postbank-Aktie 70 Prozent verloren. Der Deutsche-Bank-Kurs ist um 60 Prozent eingebrochen.

          Bei der am 12. September in Bonn von Ackermann und Appel gemeinsam präsentierten Übernahmevereinbarung war ein Stufenplan vorgesehen: Die Deutsche Bank sollte im ersten Quartal 2009 ein erstes Paket von 29,75 Prozent erwirbt. Durch die Kapitalerhöhung im November hat sich der Aktienkurs, den die Deutsche Bank je Postbank-Aktie zahlen müsste, von ursprünglich 57,25 Euro auf 47,50 Euro verringert.

          Für den Mehrheitserwerb an der Postbank war eine Optionsphase vorgesehen: Auf dem aktuellen Kursniveau der Postbank von knapp 14 Euro hätte sich das Anrecht der Deutschen Bank, zwölf Monate nach Abschluss der Minderheitsbeteiligung 18 Prozent für 55 Euro je Aktie erwerben zu können, nicht gerechnet. Umgekehrt verzichtet die Post nun auf die Option, ihren verbliebenen Anteil von 20,25 Prozent innerhalb von drei Jahren für 42,80 Euro je Postbank-Titel veräußern zu können. Den schnelleren Liquiditätszufluss und die geringere Gefahr, bei der Postbank in der Übergangsperiode weiteres Kapital nachschießen zu müssen, stuft der Post-Vorstand offenbar höher ein.

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