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Sichere Kommunikation : Whatsapp von der Deutschen Post

Post-Messenger Simsme: Mit Datensicherheit Kunden von Whatsapp anziehen. Bild: dpa

Die Post nimmt es mit Facebook und Whatsapp auf. Sie will mit Simsme etwas bieten, was ihre Konkurrenz nicht hat: Datensicherheit. Doch der kommerzielle Erfolg ist in weiter Ferne.

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          Wer den Messenger Simsme auf sein Smartphone lädt, bekommt ein Gefühl dafür, was es mit dem Netzwerkeffekt im Internet auf sich hat: Von den Kontakten im Handy bleibt nur eine ziemlich übersichtliche Liste übrig. Von den privaten und beruflichen Bekannten haben sich nur die wenigsten die Mühe gemacht, neben dem fast allgegenwärtigen Whatsapp einen zweiten Messenger zu installieren. Wozu auch, wenn man mit ihm nur so wenige Leute erreicht?

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Es ist ein typisches Henne-Ei-Problem, mit dem die Deutsche Post zu kämpfen hat. Vor ziemlich genau einem Jahr hat sie den Dienst gestartet. Der amerikanische Vorreiter Whatsapp war damals gerade fünf Jahre alt und zählte weltweit schon rund 600 Millionen Nutzer. Heute sind es angeblich mehr als 800 Millionen, die täglich mehr als 20 Milliarden Nachrichten versenden.

          Alternativen gibt es genug, aber die meisten führen ein Schattendasein. Zwar wächst auch bei Skype, Line oder Snapchat die (vorwiegend junge) Gemeinde, trotzdem wird man ohne Facebook und seine Messenger digital ziemlich einsam.

          Nachrichten auf deutschen Servern

          Gegen die Marktmacht der „Datenkrake“ Facebook setzt die Post auf Sicherheit, Datenschutz und ihren guten Ruf als Bewahrerin des Briefgeheimnisses. „Die Deutsche Post steht seit über 500 Jahren für einen sicheren und vertraulichen Transport von Informationen“, betont Konzernvorstand Jürgen Gerdes, verantwortlich für Briefe, Pakete und das Online-Geschäft.

          Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung soll unbefugtes Mitlesen ausschließen. Die Daten werden nach den Konzernangaben ausschließlich auf Rechnern in Deutschland abgelegt und nach der Zustellung beim Empfänger von den Servern gelöscht. Der Zugang zum Messenger ist passwortgeschützt, Kontaktadressen werden je nach Häufigkeit der Kommunikation in unterschiedlichen Farben gekennzeichnet, um den „Vertrauensstatus“ anzuzeigen.

          Wer noch mehr Schutz will, kann sich, ähnlich wie bei den Messenger-Konkurrenten Snapchat und Telegram, eine kostenpflichtige Selbstzerstörungsfunktion installieren, so dass die Daten beim Empfänger nach einer voreingestellten Zeit gelöscht werden.

          Post gegen Goliath

          Unter dem Eindruck der Snowden-Enthüllungen fand das neue Angebot zunächst großen Zulauf. Schon im März meldete die Post eine Million Downloads. Das klingt gewaltig, doch Whatsapp hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr binnen 4 Monaten weltweit rund 100 Millionen neue Nutzer angezogen. Allein in Deutschland chatten mindestens 30 Millionen Menschen mit Whatsapp. Wie viele es inzwischen bei der Post sind, will der Konzern nicht verraten, auch nicht, wie intensiv sie das Angebot nutzen. „Wir haben seit März einen stetigen Zulauf“, sagt ein Sprecher, aber „Wasserstandsmeldungen“ mag er nicht abgeben.

          Wie ein normaler Messenger: Nur in gelb und sicherer.
          Wie ein normaler Messenger: Nur in gelb und sicherer. : Bild: dpa

          Das erinnert ein wenig an die Kommunikationspolitik beim E-Post-Brief, eine Art besonders geschützte E-Mail, für den die Post nach wenigen Monaten ebenfalls eine Million Teilnehmer bekanntgab und sich seitdem in Schweigen über die Nutzerzahlen hüllt.

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