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Briefe per Mail angekündigt : Ein neuer Anfang für die Post

  • -Aktualisiert am

Digitale Post kündigt analoge Post an: Benachrichtigungen für Briefe oder Postkarten gibt es demnächst per Mail. Bild: Getty

Die Deutsche Post kündigt jetzt ihren Kunden in E-Mails an, dass sie einen Brief bekommen. Doch es müssen Voraussetzungen erfüllt werden. Und dass zunächst nur ein Foto des Briefumschlags zu sehen sein wird, ist nur der erste Schritt.

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          Die Deutsche Post kündigt jetzt ihren Kunden in E-Mails an, dass sie einen Brief bekommen. Voraussetzung ist, dass diese Kunden auch eine Adresse bei den Diensten Web.de oder GMX haben und sich in einem zweistufigen Prozess für ein digitales Vorschaubild ihrer Briefe anmelden wollen. Zunächst ist nur ein Foto des Briefumschlags zu sehen, in einem weiteren Schritt sollen vom kommenden Jahr an auch ganze Briefe digitalisiert werden – freilich unter Beachtung des Datenschutzes und Postgeheimnisses.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          „Wir beschäftigen uns seit über zehn Jahren damit, wie man Briefpost digitalisiert“, sagt Klaus Ehrnsperger, der für das Produktmanagement Briefkommunikation und E-Post verantwortlich ist. Doch der direkte Schritt von einem Brief zu einem rein digitalen Produkt ist für viele Kunden zu groß, weshalb die Post schon länger nach einer Art Brückentechnologie sucht. Mit den digitalen Sendungsbildern soll es nun anfangen. „Das bringt auch unseren Kunden mehr Transparenz, sie wissen schon, was sie im Briefkasten vorfinden“, sagt Ehrnsperger.

          In den 82 Briefsortierzentren der Post werden jeden Tag 55 Millionen Sendung verarbeitet. Weil es bei der Geschwindigkeit der Maschinen mitunter kompliziert ist, die Adressen richtig zu erkennen, schießt die Post ohnehin von jedem Brief ein Foto, um ihn richtig einzusortieren. Was sonst danach wieder gelöscht wird, soll künftig bei den angemeldeten Kunden per E-Mail im Postfach landen. GMX und Web.de gehören beide zum Telekommunikationskonzern United Internet und verzeichnen insgesamt 34 Millionen aktive Konten, was damit eigenen Angaben zufolge gut jedem zweiten Mail-Konto in Deutschland entspricht. Wer sich nun für den Dienst anmelden will, muss seine Adresse bestätigen und bekommt dann einen Brief von der Post, worin wiederum die Anmeldung noch mit einer Transaktionsnummer (Tan) bestätigt werden muss. 90 Prozent der Nutzer hätten schon ihre richtige Adresse in ihrem E-Mail-Konto hinterlegt, sagt Jan Oetjen, der Chef von GMX und Web.de – die Zeit der „Donald Duck aus Entenhausen“-Spaßadressen sei seit Jahren vorbei.

          12,1 Milliarden Briefe im vergangenen Jahr verschickt

          „Wir waren überrascht davon, wie positiv das Umschlagsbild im ersten Test angekommen ist“, sagt Oetjen. Neun von zehn dieser E-Mails wurden geöffnet, normalerweise liegt die Quote bei solchen Nachrichten eher zwischen 10 und 20 Prozent. „Das hat uns darin bestärkt, das Projekt zu beschleunigen“, sagt Oetjen. „In der Papierdigitalisierung hängt die Welt noch stark hinterher. Das ist dem Rechtsrahmen geschuldet und dem Fakt, dass im klassischen Geschäft bislang zu wenig digitale Verbindung zwischen Unternehmen und ihren Kunden besteht. Wir stellen nun die erste Verbindung her“, sagt Oetjen.

          Für den E-Mail-Anbieter ist das deshalb attraktiv, weil schon jetzt viele Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Kunden sowohl per Post als auch digital abläuft, es aber mitunter kompliziert ist, den Überblick zu behalten, welche Kommunikationskanäle benutzt werden. Schon jetzt sind es Kunden von Online-Händlern gewohnt, dass bei ihnen zahlreiche E-Mails zur Bestellung aufploppen, von der Bestätigung über den Sendungsverlauf bis zur Kundenzufriedenheit. Die automatische Sortierung aller Korrespondenz mit Unternehmen im E-Mail-Postfach ist daher das Ziel – und die Briefankündigung dabei ein erster Schritt.

          Laut Bundesnetzagentur wurden im vergangenen Jahr 12,1 Milliarden Briefe verschickt, der Großteil davon entfällt freilich auf Geschäftskunden. Doch die Post schätzt, dass drei Viertel der Briefsendungen an private Empfänger gehen. Gleichwohl nimmt das Briefvolumen im Jahr um 2 bis 3 Prozent ab – was im Vergleich zu anderen Ländern aber noch ein geringer Wert ist. Die Post erklärt sich das damit, dass hierzulande vor allem die Rechtssicherheit des physischen Briefs gegenüber der digitalen Kommunikationsform geschätzt wird. Für die Post hat die Zusammenarbeit allerdings einen weiteren Vorteil, wenn man bedenkt, dass die Netzagentur in ihrem Jahresbericht auch zunehmende Beschwerden von Verbrauchern wegen verzögerter Briefzustellungen vermerkt: „Wir werden dadurch deutlich transparenter auch für den Empfänger. Wir erhoffen uns, dass wir noch klarer zeigen können, wie stabil und gut die Zustellung funktioniert“, sagt Ehrnsperger. Generell will die Post den Weg von Briefen im Internet besser verfolgen und ihren Kunden genauer vorhersagen, wann ein Paket ankommt. Bis zum Jahr 2025 will die Post rund 2 Milliarden Euro in den Konzern für Briefe und Pakete investieren, um die Gewinnziele zu erreichen.

          Für die für das Jahr 2021 angekündigte digitale Kopie des Briefes wird die Post auch in Zukunft nicht die Briefe einzeln öffnen und scannen. Sie arbeitet im Geschäftskundenbereich schon seit Anfang 2019 mit Versendern zusammen, die nach Genehmigung ihrer Kunden vor dem Versand eine PDF des Briefs erstellen und sie zusätzlich zum physischen Brief versenden. Das soll künftig mit Partnern dann auch für Privatkunden getestet werden.

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