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Post ohne Bank? : Rund um den Postbankverkauf brodelt die Gerüchteküche

  • Aktualisiert am

Wie geht es weiter mit der Postbank? Bild: AP

Kaum ist die Nachricht in der Welt, dass der Postbank-Verkauf konkret wird, da kocht die Gerüchteküche weiter: Aus dem Post-Turm klingen beschwichtigende Worte, Informanten behaupten angeblich, der Preis sei zu hoch und natürlich rumort es auch rund um die Frage, wer der heißeste Käuferkandidat ist.

          Die Deutsche Post hält sich ein Hintertürchen offen: Entschieden sei noch gar nichts, nur der „Sondierungsprozess“ zur Zukunft der Postbank werde jetzt konkreter, hieß es am Donnerstag. Am Abend gab es Berichte, der Verkauf könne sich noch hinziehen. Die Nachrichtenagentur Dow Jones zitierte eine informierte Person mit den Worten: „Der Preis ist zu hoch.“ Aktuell wird das Bonner Institut von Analysten mit bis zu 11 Milliarden Euro taxiert.

          Die Börse jedoch machte sich trotz aller Zweifel bislang ihren eigenen Reim auf beschwichtigende Sprüche aus dem Bonner Post-Turm. Der Höhenflug der Postbank-Aktie zeigt, was die Anleger vom offiziellen Wortgeklingel halten. Nach allem, was zu hören ist, ist der Verkauf der Postbank beschlossene Sache und nur noch eine Frage der Zeit. Die Analysten von JP Morgan etwa vermuten, dass die Post längst eine enge Vorauswahl getroffen hat. Seit diesem Donnerstagabend sind neue Gerüchte über den Interessenten Nummer eins im Rennen: „Die Postbank wird voraussichtlich an einen ausländischen Bieter gehen - und da ist Santander der Favorit“, sagte ein Bankenvertreter gegenüber der Nachrichtenagentur Dow Jones.

          Verlässlicher Ertragsbringer

          Warum trennt sich die Post von ihrer Bank? Der damalige Postchef Klaus Zumwinkel hatte die Bank 1998 zum Schnäppchenpreis von rund 2 Milliarden Euro in den Konzern zurückgeholt. Das Institut mauserte sich zum verlässlichen Ertragsbringer. Zusammen mit dem Briefgeschäft tragen seine Gewinne dazu bei, das Konzernergebnis auf Kurs zu halten - trotz aller Schwierigkeiten in der Expresssparte und der hohen Investitionen in den Aufbau des Logistikgeschäftes. Aber der Post-Aktie hat das nicht viel genutzt. Es will ihr einfach nicht gelingen, dauerhaft über den Emissionspreis von 21 Euro aus dem Jahr 2000 zu klettern. Am Donnerstag stand sie gerade einmal bei gut 17 Euro.

          Die Investoren verlieren die Geduld. Auf der Hauptversammlung 2007 lasen die Anleger der Post die Leviten, allen voran Klaus Kaldemorgen, der Chef der Fondsgesellschaft DWS. Sein Aufstand gegen die Behäbigkeit und „Taschenspielertricks“ der damaligen Konzernführung markierte eine Wende und läutete letztlich den Abschied von der Postbank ein. Finanzvorstand Edgar Ernst musste gehen, Zumwinkel und der neue Finanzchef John Allan gelobten Besserung: mehr Transparenz, mehr Rendite, mehr Cash für die Aktionäre. Die können jetzt auf einen kräftigen Schluck aus der Pulle hoffen.

          „Unser Fokus liegt auf organischem Wachstum“

          „Unser Fokus liegt auf organischem Wachstum“, versicherte eine Post-Sprecherin. Im Klartext: Größere Zukäufe sind nicht geplant, die Erlöse aus der Postbank werden zum größten Teil den Aktionären zugutekommen. Ob die Post eine Sonderdividende ausschüttet oder eigene Aktien zurückkauft, ist offen. „Das ist eine rein hypothetische Frage, weil noch nicht einmal über die Zukunft der Postbank entschieden ist“, lautet die wenig überraschende Antwort aus dem Konzern.

          Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), ist davon überzeugt, dass es bei einem erfolgreichen Abschluss einen Bonus auf die nächste Dividendenzahlung geben wird. „Daran wird die Post nicht vorbeikommen - schon deshalb, weil der Großaktionär Bund darauf bestehen wird“, sagt er voraus. Aber Hocker rechnet auch damit, dass der Konzern einen Teil der Milliarden für die teure Sanierung des Expressgeschäftes in Amerika reservieren wird - trotz aller Versicherungen von Postchef Frank Appel, dass es zwischen dem „Luxusproblem“ Postbank und den Verlusten in Amerika keinen Zusammenhang gebe.

          Finanzkrise: Kein guter Zeitpunkt

          Die Finanzkrise ist vielleicht nicht der beste Zeitpunkt, um einen möglichst hohen Preis herauszuschlagen. Dennoch haben ausgerechnet die Turbulenzen die Verkaufspläne mit angeschoben. Immer lauter stellen die Postaktionäre die Frage, warum sich der Konzern über eine eigene Bank dem Finanzmarktrisiko aussetzt, statt sich endlich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren. „Wer in Logistik investiert, will Logistik und keine Bank“, bringt es ein Postmanager auf den Punkt. Auf der anderen Seite ist die Trennung auch für die Postbank ein Befreiungsschlag. Denn der Mutterkonzern ist nicht bereit, nach der Übernahme des Baufinanzierers BHW in weiteres Wachstum der Bank zu investieren. Will die Postbank die von Vorstandschef Wolfgang Klein versprochene „aktive Rolle“ bei der Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes spielen, braucht sie einen neuen Partner.

          In den Abschlussrechnungen der Post wird die Trennung von der Bank in den folgenden Jahren tiefe Löcher hinterlassen. Das Institut hat 2007 noch knapp 1,1 Milliarden Euro zum Betriebsergebnis (Ebit) beigetragen, mehr als die mit Milliardenzukäufen aufgebaute Logistiksparte. Dieser Geschäftszweig wird nun zwangsläufig noch stärker in die Rolle des neuen Hoffnungsträgers rücken. Solange die Weltwirtschaft und mit ihr der Welthandel boomt, geht die Rechnung auf. Eine Konjunkturabschwächung, wie sie sich andeutet, könnte das Kalkül allerdings rasch zerschießen.

          Ohne die Bank wird der Konzern anfälliger. „Die Post stünde nur noch auf einem Bein“, sagt Hocker. Umso mehr ist sie nun gezwungen, ihr Kerngeschäft weiter auszubauen. Und deshalb sind viele Branchenkenner der Meinung, dass die Post auf Einkaufstour bleiben wird. Milliardenakquisitionen wie in der Vergangenheit seien nicht zu erwarten, aber sich bietende Gelegenheiten werde die Post nutzen müssen, um Lücken im Netz zu schließen und ihre weltweite Marktpräsenz zu stärken. Auf den alten Goldesel Briefmarkt jedenfalls ist immer weniger Verlass. Er steht zwar noch für 2 Milliarden Euro Betriebsgewinn, also mehr als die Hälfte des gesamten Ebit. Doch der Markt schrumpft - langsamer zwar als befürchtet, aber dennoch unaufhaltsam. Und es bleibt das Risiko, dass der Mindestlohn, der bisher die Wettbewerber in Schach hält, doch noch kippt, weil entweder ein deutsches Gericht oder die EU-Kommission gegen ihn entscheidet.

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