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Express-Sendung wird teurer : Post erhöht abermals die Preise

Mitarbeiter des Post-Tochterunternehmens DHL arbeiten in einem Versandzentrum in Hamburg an Express-Paketen. Bild: dpa

Der Post bricht ihr Gewinn weg – deshalb dreht sie kräftig an der Preisschraube. Diesmal trifft es die Geschäftskunden.

          Die Deutsche Post dreht im Kampf gegen ihren Gewinnschwund weiter kräftig an der Preisschraube – zumindest für Geschäftskunden: Zum Jahreswechsel sollen Eilsendungen teurer werden. Wie der Konzern ankündigte, steigen die Versandkosten für die meisten Geschäftskunden in Deutschland um 4,9 Prozent. Abhängig von Gewicht, Volumen und Bestimmungsland, könnten die Aufschläge jedoch deutlich höher ausfallen.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Preiserhöhung gilt für inländische und internationale Expresssendungen. Die Preise für die Expressprodukte in der Filiale bleiben hingegen stabil. Markus Reckling, Landeschef von DHL Express Deutschland, begründete die Verteuerung mit hohen Investitionen in die Technik und Infrastruktur.

          Spürbar anheben will die Post ebenfalls die Preise für den Presseversand, wo die Mengen seit Jahren rückläufig sind. Konzernchef Frank Appel verwies gegenüber dem „Handelsblatt“ darauf, dass der Versand dadurch „automatisch in eine schlechtere Kostenstruktur“ falle. Die Tendenz ist weiter rückläufig: So erwägt der ADAC, sein Mitgliedermagazin „Motorwelt“ von 2020 an nur noch über Tankstellen zu verteilen. Bisher befördert die Post die rund 13 Millionen Exemplare jeden Monat in die Briefkästen. Wie stark die Preise für den Presseversand steigen sollen, ist noch nicht bekannt.

          Erhöhung des Briefportos steht noch aus

          In seinem Traditionsgeschäft mit Briefen und Paketen leidet der Konzern unter deutlich gestiegenem Aufwand für Personal und Transport und hatte deshalb im Juni seine Gewinnprognose für das laufende Jahr drastisch um eine Milliarde Euro kappen müssen. Der langjährige Spartenchef Jürgen Gerdes musste gehen, die Sanierung hat Appel selbst in die Hand genommen.

          Ein wichtiger Hebel ist ein 400 Millionen Euro teures Vorruhestandsprogramm für Staatsdiener aus Bundespostzeiten, um die Personalkosten zu reduzieren. Parallel dazu erhöht die Post auf breiter Front ihre Preise, auch zu Lasten des Umsatzwachstums: Hatte sie im Paketversand die vergangenen Jahre ihren Marktanteil kontinuierlich ausgebaut, will sich Appel nun damit zufriedengeben, nur noch „mit dem Markt“ zu wachsen.

          Mitte der Woche hatte die Post bereits angekündigt, mehr Geld von Online-Händlern und anderen Geschäftskunden für den Paketversand zu verlangen. Das Porto für Bücher- und leichte Warensendungen war schon zum Juli gestiegen. Noch offen ist, wie stark die Preiserhöhung für Standardbriefe ausfallen wird. Dazu bereitet die Post einen Antrag bei der Bundesnetzagentur vor, die die ebenfalls zum Jahreswechsel geplante Anhebung genehmigen muss.

          In den kommenden Wochen will die Behörde dazu Eckpunkte veröffentlichen, die den Preiserhöhungsspielraum und die Laufzeit festlegen. Die bisher letzte Portoerhöhung auf 70 Cent galt für drei Jahre. Die Post hofft auch jetzt wieder darauf, die Briefpreise gleich in einem größeren Schritt für mehrere Jahre anheben zu können.

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