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Interview mit Post-Chef Appel : „Da fliegen Pakete über den Zaun“

Frank Appel, 57, leitet seit zehn Jahren die Deutsche Post DHL Group. Bild: Stefan Finger

Post-Chef Frank Appel ärgert sich über rücksichtslose Zusteller der Konkurrenz und die Billig-Mentalität vieler Behörden. Sein Zehn-Millionen-Euro-Salär verteidigt er gegen Kritik: „Mein Gehalt wird letztlich vom Markt bestimmt“.

          7 Min.

          Herr Appel, wann haben Sie sich das letzte Mal über Ihren Paketboten geärgert?

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.

          Über den DHL-Boten nie, aber über die Zusteller von Wettbewerbern schon gelegentlich. Da fliegen Pakete teilweise einfach über den Zaun, obwohl auf dem Karton sogar „Achtung, zerbrechlich“ steht.

          Ein anderes Problem: Sie waren den ganzen Tag zu Hause, aber Ihr Paket liegt beim Nachbarn. Kennen Sie das?

          Na klar, das passiert mir auch. Typischerweise dann, wenn ich unter der Dusche stehe oder wenn ich im Garten bin. Dann höre ich die Klingel nicht.

          Viele Menschen glauben, dass das Problem nicht an ihrer leisen Klingel liegt, sondern an ihrem Zusteller.

          Falls jemand bei uns so arbeitet, ist das natürlich sehr ärgerlich. Insgesamt lege ich aber für meine Kollegen in der Zustellung die Hand ins Feuer.

          Apropos ärgerlich: Was denken Sie als Post-Chef, wenn Sie einen DHL-Transporter sehen, der den Fahrradweg verstopft oder gleich die ganze Spur zumacht?

          Dann denke ich, dass meine Mitarbeiter versuchen, unser Dienstleistungsversprechen zu erfüllen. Es wird immer schwerer, in unseren Städten einen Parkplatz zu finden, der den Verkehr nicht behindert. Und es ist auch eine Frage der inneren Einstellung: Häufig kommen die Autofahrer in der Innenstadt sowieso nur langsam voran. Da fallen die 30 Sekunden, die es wegen des Paketwagens länger dauert, kaum ins Gewicht.

          Das sehen meine radfahrenden Kollegen aber ganz anders.

          Der Punkt ist einfach: Man kann nicht beides haben. Ich kann als Kunde nicht eine günstige und schnelle Dienstleistung verlangen und dann als Pendler vom Zusteller erwarten, nur ideale Parkplätze zu nutzen und dafür mit jedem Paket 300 Meter zu laufen. Von der Müllabfuhr verlangen Sie ja auch nicht, die Straße immer frei zu lassen. Da müssen Sie manchmal halt hinterherfahren. Bei der Müllabfuhr akzeptieren es die meisten – nur bei den Paketwagen leider nicht.

          Der Chef Ihres Konkurrenten DPD, Boris Winkelmann, hat die Idee, dass nur noch die Lieferung zum Paketshop kostenlos bleibt, die Zustellung an die Haustür könnte 50 Cent extra kosten. Wird die Post so eine Gebühr einführen?

          Im Moment haben wir keine solchen Pläne. Aber die Preisgestaltung ist eine Frage, über die wir kontinuierlich nachdenken.

          Ihr Konkurrent Hermes will dieses Jahr für Pakete in der Weihnachtszeit Zuschläge nehmen. Sie auch?

          Auch hierzu haben wir im Moment keine konkreten Pläne. Generell gilt aber: In der Begeisterung über die Vorteile des E-Commerce für Anbieter und Kunden ist untergegangen, dass auch die Transporteure auskömmliche Margen brauchen. Natürlich profitieren wir davon, dass immer mehr verschickt wird, aber die reinen Skalenvorteile gleichen die steigenden Kosten auf Dauer nicht mehr aus.

          Mit anderen Worten: Pakete werden künftig teurer.

          Tendenziell ja. Für unsere Geschäftskunden haben wir die Durchschnittspreise bereits erhöht. Für die Privatkunden haben wir dazu gegenwärtig allerdings keine Pläne.

          Ist eigentlich ein Ende des Paketbooms absehbar?

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