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Martin Brudermüller Bild: dpa

Chemieunternehmen : Der John Wayne der BASF

  • -Aktualisiert am

Fordernd, kämpferisch, angriffslustig: Ein Schwabe wird im kommenden Jahr Vorstandsvorsitzender des größten Chemieunternehmens der Welt. Für BASF vor allem ein Mentalitätswechsel.

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          Martin Brudermüller weiß, was er will. Es würde einen nicht wundern, wenn er schon vor 29 Jahren, bei seinem Eintritt in die BASF, das Ziel vor Augen gehabt hätte, einmal Chef des Konzerns zu werden. Vorstandsvorsitzender des größten Chemieunternehmens der Welt. Im kommenden Jahr, am 4. Mai, ist es so weit. Dann wird der 56 Jahre alte Schwabe doch noch das leidige „Stellvertreter“ los und zum Vorstandsvorsitzenden aufsteigen. Der amtierende Konzernchef Kurt Bock soll sich dann für zwei Jahre aus dem Leitungsgremium zurückziehen, um der gesetzlich verordneten Abkühlungsvorschrift Genüge zu tun. Denn danach soll er für den Aufsichtsrat kandidieren, mithin also Aufsichtsratschef werden. So hat es der amtierende Aufsichtsratsvorsitzende und langjährige Konzernchef Jürgen Hambrecht entschieden. Hambrecht ist jetzt 71 Jahre alt, die Rochade trägt unmissverständlich seine Handschrift.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Auf Umwegen bekommt Hambrecht doch noch Martin Brudermüller als Chef. Vor sieben Jahren, als die Entscheidung zwischen Brudermüller und dem damaligen Finanzvorstand Kurt Bock zu treffen war, hatte die gewichtige Stimme des damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Eggert Voscherau den Ausschlag für Bock gegeben. Voscherau ist nun weg, nicht nur aus dem Aufsichtsrat, auch aus dem Umfeld der BASF. Seit dem Tod seines Bruders, des ehemaligen Ersten Bürgermeisters von Hamburg Henning Voscherau, wohnt er in Hamburg, nicht mehr in der Pfalz.

          „Jetzt streiten wir noch mehr.“

          Brudermüller ist seit 2011 nicht nur stellvertretender Vorstandschef, sondern auch zuständig für die Forschung. Forschungsvorstand hieß das früher, heute Chief Technology Officer. Eigentlich kein Ressort, in dem man glänzen kann. Die wahren Heldengeschichten der Wirtschaft werden dort geschrieben, wo um Marktanteile gekämpft wird, um Fressen oder Gefressenwerden. Seit Brudermüller die Forschung verantwortet, dürfte allerdings jedem im Konzern klar sein, dass es überall ums Gewinnen oder Verlieren geht.

          Brudermüllers Arbeit als Forschungschef gibt einen guten Vorgeschmack darauf, was Anleger und Mitarbeiter vom neuen Vorstandschef erwarten können. Schon bei seinem Debüt auf der jährlichen Forschungspressekonferenz mit ihren sonst üblichen wissenschaftlich-schwergängigen Präsentationen hat Brudermüller die Bühne zur Arena gemacht. „Wir brauchen mehr Geschwindigkeit und mehr Fokus“, hatte er damals, gerade zum Forschungsvorstand berufen, gefordert. Die Forschung müsse schneller werden und effektiver. BASF hole nicht genug aus den Entwicklungsaktivitäten heraus. Es dürfe kein Automatismus sein, dass die Forschungsausgaben jedes Jahr um 5 Prozent erhöht würden. Angesichts von 3000 Projekten habe der Konzern schon immer gestritten, welche Bedeutung und Relevanz jedes einzelne habe. „Jetzt streiten wir noch mehr.“

          Ein bemerkenswerter Auftritt, nur wenige Wochen nachdem Konkurrent Bayer den Kauf von Monsanto verkündet hatte und die Forderungen nach einem großen Wurf auch bei der BASF immer lauter wurden. Brudermüller, das machte auch dieser Auftritt deutlich, geht Kontroversen nicht aus dem Wege. Bei Fragen aus dem Publikum bleibt der bullige Mann nicht hinter dem Pult stehen, sondern läuft an den Bühnenrand, federt und schaut seinem Gegenüber in die Augen. Selbstbewusstsein ist das Letzte, an was es ihm fehlt. Fordernd ist er, kämpferisch, angriffslustig, ein John Wayne der BASF, mit Spaß am Schlagabtausch.

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