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Porträt: Ingrid Matthäus-Maier : Keine Frau fürs stille Kämmerlein

Erste Chefin einer deutschen Großbank Bild: dpa

Die erste Frau an der Spitze einer deutschen Großbank: Ingrid Matthäus-Maier wird Chefin der KfW. Mit klaren Ansagen und Teamgeist-Beschwörung will die frühere SPD-Finanzpolitikerin frischen Wind in die Bank bringen.

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          Ingrid Matthäus-Maier ist die erste Frau an der Spitze einer deutschen Großbank. Die ist zwar staatseigen, doch das tut der Bedeutung keinen Abbruch. Wer die KfW vertritt, findet Gehör. Das trifft sich gut, denn die lebhafte Frau, die am ersten Oktober das Amt der Vorstandssprecherin übernimmt, ist nicht geboren für einen Platz im stillen Kämmerlein.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Langweilig wird es mit ihr nie. Matthäus-Maier erzählt gern und viel, oft über die politische Vergangenheit, die ihr bis heute sichtlich Freude bereitet. 22 Jahre Bundestag ("Ich war immer eine Sozialliberale, und ich bleibe in der Partei") prägen eben noch mehr als 7 Jahre im Vorstand der KfW.

          Sportlich und pünktlich

          Erstaunlich offen plaudert sie auch über ihr privates Leben: daß sie früher 600 Meter gelaufen ist und es dabei auch recht weit in der deutschen Rangliste gebracht hat; daß sie lieber mit dem Fahrrad an ihren Arbeitsplatz am Frankfurter Palmengarten fährt als mit dem Dienst-Mercedes, weshalb extra für sie ein Fahrradständer montiert wurde; daß sie das Rad auch gern zu Terminen in der Stadt nutzt und dann - ganz Frau - Sorge um den ordentlichen Sitz ihrer Frisur hat.

          Wechsel an der Spitze: Matthäus-Maier und ihr Vorgänger

          So locker sie bisweilen daherkommt, Disziplin ist ihr wichtig. Pünktlichkeit bedeutet für sie zwar nicht, schon zehn Minuten vor dem vereinbarten Termin vor Ort zu sein, aber Verabredung ist Verabredung. Die Vorstandssitzungen der KfW beginnen Dienstags um 9.30 Uhr und nicht um 9.35 Uhr. Das war schon unter dem jetzt in den Ruhestand verabschiedeten Hans Reich so. Damit hat es sich aber auch mit den Gemeinsamkeiten.

          Teamgeist ist ihr wichtig

          Der bisherige Sprecher und die neue Sprecherin könnten unterschiedlicher nicht sein, und so dürften sich trotz gegenteiliger Beteuerungen die Themenschwerpunkte verschieben. Saß Reich am Tisch, wurde vornehmlich über Bankgeschäft gesprochen. Sitzt Matthäus-Maier am Tisch, geht es zuvörderst um Entwicklungszusammenarbeit, Fördertätigkeit und Politik. Auch in der Führungsarbeit will sie neue Akzente setzen. "Ich verstehe mich als Prima inter pares und fülle damit die Rolle des Sprechers anders aus als mein Vorgänger, der viel auf seine Person zugeschnitten hat. Ich will den Teamgedanken wieder vorantreiben, im Vorstand und in der ganzen Bank", sagt sie.

          In solchen Sätzen steckt Sprengstoff, doch wie alles verpackt die 61 Jahre alte ehemalige Politikerin auch heikle Dinge in ein stets freundliches Lächeln. Hinter den Kulissen, erzählt man sich, sei sie schon mal aufbrausend. Sie hat ernste Momente, in denen deutlich wird, wie bestimmt sie in der Durchsetzung ihrer Ideen sein kann.

          Unprätentiöses Auftreten

          Ärgert sie sich, spricht sie das deutlich an, manchmal auch in derberen Worten. "Alles, was ideologisch ist, ist Mist", ist eine ihrer Überzeugungen. In die KfW hinein darf das zum Beispiel so verstanden werden, daß nicht mehr sämtliche Alarmmelder angehen müssen, wenn jemand statt des neuen Markennamens KfW-Bankengruppe die frühere und nach ihrer Meinung verständlichere Bezeichnung Kreditanstalt für Wiederaufbau benutzt. Aber ihre freundliche Seite gewinnt schnell wieder die Oberhand.

          Ihr unprätentiöses Auftreten fällt angenehm auf, lassen sich doch Personen dieses Ranges gern die Aktentasche tragen. Das fiele Matthäus-Maier nie ein. Auf Dienstreisen schultert sie ihren kleinen Rucksack selbst und feiert schon mal bis spätabends fröhlich mit, ohne daß sie Angst hätte, ihre Autorität könne Schaden nehmen. Hat sie eine Frage, ruft sie Mitarbeiter auch auf unteren Ebenen schon mal persönlich an, was in der hierarchisch aufgebauten KfW für gewisse Verwirrung sorgt.

          Klare Ansagen, klare Worte

          In der Staatsbank reiben sich die Mitarbeiter, die ihre intern "MM" genannte Vorstandssprecherin erst jetzt mit dem Schritt an die Spitze richtig kennenlernen, verwundert die Augen. Lange Diskussionen und umständliche Erklärungen haben bei der neuen Chefin keine Zukunft. Sie will klare Ansagen, klare Worte, Entscheidungen. Bis 2009 läuft ihr Vertrag - zunächst. Bis dahin wird sie einige Akzente gesetzt haben. Nicht nur, weil sie die erste Frau an der Spitze einer deutschen Großbank ist.

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