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Porsche und VW : Machtkampf um Wolfsburg

Ihr Streit könnte ohne Sieger enden Bild: ddp

Porsche hat einen genauen Plan vom Sieg auf ganzer Linie, VW zieht da nicht mit. Die Porsche-Vertreter um Wendelin Wiedeking und die Volkswagen-Größen um Ferdinand Piëch stehen sich wie Rivalen gegenüber, jeder auf eigene Vorteile aus.

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          Der angehende Abteilungsleiter in der neuen Porsche-Holding wird Rekordzahlen verkünden. Martin Winterkorn, heute Vorstandsvorsitzender von Volkswagen, darf am Donnerstag in Wolfsburg eine goldgeränderte Bilanz vorlegen: Europas größter Autohersteller hat 2007 mit einem Vorsteuergewinn von 6,5 Milliarden Euro das beste Ergebnis seiner Geschichte erzielt, allein 86.000 Tarifmitarbeiter der VW AG erhalten jeweils 3700 Euro extra. Dem VW-Großaktionär Porsche winkt eine stattliche Dividende - und Winterkorn die Degradierung?

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Noch ist es nicht so weit. Zwar wird Porsche die Mehrheit übernehmen und VW mit seinen 329.000 Mitarbeitern zur Tochtergesellschaft machen, aber längst tobt ein Machtkampf zwischen den Familien Porsche und Piëch, der am Ende womöglich mehr Verlierer als Sieger zurücklässt.

          Offener Streit in der neuen Porsche-Holding

          Derzeit stehen sich die Porsche-Vertreter um den Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking und die Volkswagen-Größen um Ferdinand Piëch wie Rivalen gegenüber, jeder auf eigene Vorteile aus. Offener Streit um die Mitbestimmung in der neuen Porsche-Holding, der sogar vor dem Arbeitsgericht ausgetragen wird, herrscht zwischen den Betriebsratsvorsitzenden von VW, Bernd Osterloh, und Porsche, Uwe Hück. Ein Schlichtungstermin am 17. Januar ist geplatzt, ein neuer nicht in Sicht. Osterloh gibt vor, mit Hück weitgehend einig zu sein, allein fehle ihm das Gespräch mit Wiedeking: „Er muss vielleicht fünf Minuten im Vorzimmer warten, dann trinken wir zwei Stunden Kaffee und besprechen alle Probleme.“

          An Selbstbewusstsein mangelt es weder Porsche noch Piëch. Mit dem Rekordergebnis und seiner Aussage, „das faszinierendste Automobilunternehmen der Welt“ zu führen, hat VW-Chef Winterkorn vorige Woche auf dem Genfer Autosalon seinen Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch erfreut. Als in einer spektakulären Bühnenshow vom Bugatti Veyron bis zum Bentley Brooklands reihenweise nagelneue Luxusschlitten durch die Halle fuhren, huschte Piëch ein ums andere Mal ein Lächeln über die schmalen Lippen. Geradezu gelöst wirkte der sonst so finster dreinschauende Siebzigjährige, als er mit Gattin Ursula und einer seiner Töchter über die Gänge des Genfer Messegeländes schlenderte. Seine Widersacher, Porsche-Chef Wiedeking und Finanzvorstand Holger Härter, waren gar nicht nach Genf gekommen und hatten den Porsche-Messestand sich selbst überlassen.

          Die Ausdehnung des Porsche-Clans

          Ferdinand Piëch also wieder ganz der Alte, der unbesiegbare Porsche-Enkel? Womöglich tritt das genaue Gegenteil ein: Glaubt man dem Nachrichtenmagazin „Focus“, steht Piëch vor einer Lebensniederlage, droht er an Macht gegenüber seinem Vetter Wolfgang Porsche zu verlieren. Der Porsche-Aufsichtsratsvorsitzende dominiert das neue Kontrollgremium der Porsche Automobil Holding SE, zudem überlässt im dortigen einflussreichen Präsidium Ferdinand Piëch diesen Platz seinem jüngeren Bruder Hans Michel Piëch. Schon wird spekuliert, dass mit der Ausdehnung des Porsche-Clans auch die Macht von Piëch bei VW schwindet. Tatsächlich werden an diesem Donnerstag mit Wahrung der Sechs-Wochen-Frist die Einladungen für die VW-Hauptversammlung am 24. April verschickt. Ein Wahlvorschlag hat es in sich: Wolfgang Porsche soll auf der Hauptversammlung den ehemaligen Siemens-Chef Heinrich von Pierer ersetzen. Auch Hans Michel Piëch, der den Porsches nicht so unversöhnlich gegenüberstehen soll wie Ferdinand, wird in das Kontrollgremium einziehen.

          Sobald Porsche seine VW-Anteile auf eine Mehrheit von 50 Prozent aufstockt, wird der Clan aus Zuffenhausen insgesamt fünf Mandate im Wolfsburger Kontrollgremium beanspruchen. Damit nicht genug: Auch auf den Aufsichtsrat der wertvollen VW-Tochtergesellschaft Audi haben es die Porsches abgesehen: Hier sollen Wiedeking und Härter künftig über die Modellpolitik und Markenpositionierung der Ingolstädter wachen. Mit Rennwagen wie dem R8, der zwar gut für das Prestige, aber eher schlecht für die Rendite ist, könnte es dann rasch vorbei sein, wird gemunkelt.

          Porsche hat genaue Vorstellung vom Sieg

          Der „Focus“ spekuliert nun, dass Porsche bei VW gar 75 Prozent und einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag will. Der Sportwagenhersteller dementierte am Montag umgehend: „Vor dem Hintergrund, dass das Land Niedersachsen als zweiter Großaktionär über 20 Prozent der Anteile an Volkswagen hält, ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, die dafür notwendigen Aktien aus dem Streubesitz zu erwerben.“

          Der Wunsch der Porsches, endlich operativen Zugriff auf VW zu haben, ist unumstritten. Zu groß ist die Sorge um die investierten Milliarden. Die wichtigsten Entscheidungen sollten nicht mehr im VW-Aufsichtsrat von Piëch und der starken Arbeitnehmerbank getroffen werden, sondern in der europäischen Porsche-Holding. Die Stuttgarter könnten über Vorstandsposten, neue Fahrzeugmodelle oder die 47 VW-Standorte bestimmen. Zudem flössen sämtliche Gewinne auf ihr Konto. Den übrigen Aktionären, auch dem Land Niedersachsen, stünden nur jährliche Ausgleichszahlungen zu - so sähe er aus, der Sieg von Porsche auf ganzer Linie.

          Nur ist es kaum vorstellbar, dass es in ein, zwei Jahren so weit kommen wird. Zu machtbewusst ist Ferdinand Piëch. Der Patriarch hat in Genf nicht den Eindruck von Altersmilde oder gar Amtsmüdigkeit erweckt. In allen für ihn wichtigen Schlüsselgremien ist er vertreten: VW und MAN hat er unter Kontrolle, in den Aufsichtsrat von Audi wird er auch einziehen. Doch genauso wenig wie ein Machtverlust Piëchs ist kurzfristig eine versöhnliche VW-Übernahme durch Porsche in Sicht. Gewiss scheint nur: Der Machtkampf geht weiter.

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