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Porsche SE legt Zahlen vor : Warten auf Piëch

Die Vier von der Porsche-Holding: Manfred Döss, Hans Dieter Pötsch, Matthias Müller und Philipp von Hagen (von links nach rechts) Bild: dpa

Ein Thema überlagerte alles auf der Bilanz-Pressekonferenz der Porsche Holding: Ferdinand Piëch will seine Anteile beim VW-Großaktionär verkaufen. Dort gibt man sich betont gelassen.

          Gäbe es den Familienclan der Porsches und Piëchs nicht mit seinen Zerwürfnissen und unvorhersehbaren Entscheidungen, dann wäre die Bilanz-Pressekonferenz der Porsche SE etwas ganz Langweiliges. Kurz gesagt ist die Porsche SE jene Holding, in der die Familie ihre Beteiligung an Volkswagen gebündelt hat und mehr Nennenswertes als 52,2 Prozent am Volkswagen-Konzern besitzt die Holding nicht.  

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Nun aber hat Ferdinand Piëch wieder einmal für Aufregung gesorgt, weil er der Porsche SE mitgeteilt hat, dass er über den Verkauf eines wesentlichen Teils seines Aktienpakets verhandelt. Gemessen an der Bedeutung von Piëch ist das eine große Sache, schließlich war er lange eine Art Patriarch für Volkswagen. Doch Hans Dieter Pötsch, der Vorstandsvorsitzende der Porsche SE, spielte das Thema herunter: „Es würde sich nichts Wesentliches verändern“, sagte er während der Pressekonferenz im Porsche-Museum,  und:

          „Wir haben Vertrauen, dass die Familien die richtige Entscheidung treffen werden und auch künftig ihre Rolle als stabiler Ankeraktionär für Volkswagen spielen.“ Während des Automobilsalons in Genf habe Wolfgang Porsche, Sprecher der Porsche-Familie, ausdrücklich gesagt, dass die Familienmitglieder zur Verfügung stehen müssten, wenn eines Tages jemand seine Anteile verkaufen wolle. Spekulationen, dass jemand anders Piëchs Paket von 14,7 Prozent an der Porsche SE mit einem Börsenwert von rund 1,15 Milliarden Euro übernehmen könnte, sind damit die Grundlage weitgehend entzogen.

          „Unvergessene Meilensteine gesetzt im Automobilbau“

          Um eine Bewertung von Piëchs Lebensleistung gebeten, antwortete Hans Dieter Pötsch, die Porsche SE habe noch hinreichend Zeit, dies – ungeachtet der atmosphärischen Störungen in jüngster Zeit -  ausreichend zu würdigen, da schließlich der 80. Geburtstag von Ferdinand Piëch am 17. April bevorstehe. „Ich persönlich denke: Er hat unvergessene Meilensteine gesetzt im Automobilbau und er hat an der Existenz des VW-Konzerns maßgeblichen Anteil.“ 

          Pötsch, der als Vorstandsvorsitzender der Porsche SE das Vertrauen des Familienclans genießt, stellte klar, dass er selbst „in keinster Weise involviert“ sei in die Verhandlungen. Die Porsche SE sei von Piëch in einer knappen Mitteilung darüber informiert worden, dass Gespräche stattfinden, der Ausgang sei aber offen, betonte Pötsch mehrfach.

          Der Zeitplan scheint indes schon abgesteckt: am 30. Mai findet die Hauptversammlung der Porsche SE statt. Sechs Wochen zuvor muss die Tagesordnung veröffentlicht werden und damit auch die Namen der Kandidaten für den Aufsichtsrat. Sollte Ferdinand Piëch seine Anteile weitgehend verkaufen, würde an seiner Stelle wohl auch ein anderes Familienmitglied in den Aufsichtsrat einziehen. Eine strikte Regel gibt es dafür freilich nicht, betonte Pötsch, und auch umgekehrt könnte man Ferdinand Piëch nicht unter Hinweis auf sein Alter zu einem Verzicht auf einen Aufsichtsratsposten zwingen, wenn er seine Anteile doch behalten sollte.

          1,449 Milliarden Euro aus der VW-Beteiligung

          Der Aufsichtsrat der Porsche SE wird komplett neu gewählt, nicht zuletzt, weil die Arbeitnehmerseite das Kontrollgremium verlässt. Seit 2013 habe man mit den Arbeitnehmervertretern darüber gesprochen, berichtete Manfred Döss, der im Porsche-Vorstand für Recht und Compliance zuständig ist. Die Holding selbst bestehe nur aus 30 Mitarbeitern, und die Mitbestimmungsrechte würden  schließlich auf Ebene der Volkswagen AG ausgeübt, lautet die Logik der nun getroffenen Aussetzungsvereinbarung. Sollte eines Tages das Portfolio der Porsche SE eine deutlich andere Struktur haben, könnte man die ursprüngliche Vereinbarung wieder aufleben lassen.

          Ob und wie deutlich sich die Beteiligungen der Porsche SE deutlich verändern werden, hängt nicht zuletzt vom Erfolg der Investitionsstrategie der Holding ab. Generell ist beabsichtigt, weitere Firmen aus dem weiten Feld der Mobilität zu kaufen. Am Geld sollte es nicht fehlen: die Porsche SE hat zwar nur noch 1,3 Milliarden Euro flüssige Mittel, nachdem es vor zwei Jahren noch fast 2,3 Milliarden Euro mehr waren.

          Vor allem aber ließe sich bei einer Eigenkapitalquote von 98,3 Prozent und einer Bilanzsumme von 28,4 Milliarden Euro auch große Akquisitionen stemmen. Für das vergangene Jahr erbrachte die Beteiligung an VW ein Ergebnis von 1,449 Milliarden Euro, während der Dieselskandal im Vorjahr noch einen Verlust von 471 Millionen Euro für die Porsche SE verursacht hatte. Die Stamm-Aktionäre der Porsche SE – also die Familien Porsche und Piech - sollen eine Dividende von 1,004 Euro je Aktie erhalten. Die Vorzugsaktionäre, die kein Stimmrecht haben, erhalten dafür minimal mehr, nämlich 1,010 Euro je Aktie.

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