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Porsche : Schnelle Autos und lahme Enten

Steigt auch bei VW ein: Wendelin Wiedeking Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Porsche Chef Wiedeking darf sich nur als einfaches Mitglied im VW-Aufsichtsrat darum kümmern, daß seine umstrittene Milliarden-Investition in Wolfsburg auch Früchte trägt. Auf der Porsche-Hauptversammlung an diesem Freitag wird er sich wohl manch kritischen Kommentar anhören müssen.

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          Wendelin Wiedeking ist immer für einen flotten Spruch gut. Jüngst knöpfte sich der Porsche-Chef die angelsächsischen Investmentbanken vor. Er verwahrte sich gegen Ratschläge „von wild um sich schlagenden Finanzinvestoren, ihrer Analysten und ihrer nachbetenden Apostel“.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Dabei beließ es Wiedeking nicht bei seiner Pauschalschelte. Namentlich kritisierte er die amerikanische Investmentbank JP Morgan. Ein so offener Seitenhieb ist ungewöhnlich. Selbst für einen Mann, der für seine klare Diktion bekannt ist. Aber Wiedeking dürstete nach Rache.

          Denn JP Morgan ist mit dafür verantwortlich, daß der ebenso ehrgeizige wie selbstbewußte Auto-Manager nach seinem Einstieg bei Volkswagen nicht dahin kommt, wo er eigentlich hin wollte: an die Spitze des VW-Aufsichtsrats. Nach dem Ende vergangener Woche erreichten Kompromiß mit Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff darf sich Wiedeking fortan nur als einfaches Mitglied im Kontrollgremium darum kümmern, daß seine umstrittene Investition in Volkswagen von mehr als 3 Milliarden Euro auch die erhofften Früchte trägt. Folglich wird er sich auf der heutigen Hauptversammlung der Porsche AG wohl so manchen kritischen Kommentar anhören müssen.

          Machterhalt

          Was hat JP Morgan damit zu tun? Die Investmentbank berät Wulff. Dessen Bundesland ist mit einem Stimmrechtsanteil von 18,2 Prozent der zweitgrößte Aktionär nach der Porsche AG, die im Oktober vergangenen Jahres 18,5 Prozent der Stammaktien von Europas größtem Automobilkonzern gekauft hat. In einem Gutachten, das formal vom VW-Vorstand, de facto aber von Wulff in Auftrag gegeben wurde, hatte JP Morgan empfohlen, daß VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech zurücktreten sollte.

          Denn zu groß sei der Interessenkonflikt, der sich aus Piechs Doppelrolle als VW-Chefkontrolleur und Miteigentümer von Porsche ergebe. Außerdem plädierte die Investmentbank dafür, daß kein Porsche-Vorstand in den VW-Aufsichtsrat rücken solle.

          Wulff machte sich diese Position zu eigen. Er trat auf als eiserner Verfechter einer guten Unternehmensführung (Corporate Governance), die eine einseitige Bevorzugung des Aktionärs Porsche zu Lasten von VW oder anderer Kooperationspartner (wie Daimler-Chrysler) nicht erlaube. Doch das war und ist nur die eine Seite der Medaille. Wulff geht es natürlich auch um den Erhalt seiner eigenen Macht.

          Engagement

          Wiedeking hatte nicht mit einem solchen Widerstand gerechnet. Und zunächst zeigte er sich wild entschlossen, seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Um in einer etwaigen Kampfabstimmung in der VW-Hauptversammlung zu siegen und so sich selbst und seinen Finanzvorstand Holger Härter in den Aufsichtsrat zu hieven, hätte Wiedeking allerdings mehr Stimmen gebraucht als die erworbenen 18,5 Prozent. Eine Option auf weitere 3,5 Prozent hat Porsche bereits.

          Darüber hinaus Aktien zu erwerben wäre indes sinnlos gewesen, denn bei VW ist das Stimmrecht eines jeden Aktionärs auf 20 Prozent beschränkt, gleichgültig, wie viele Aktien er besitzt. Deshalb hat Wiedeking nach Informationen dieser Zeitung ernsthaft erwogen, befreundete Aktionäre zu einem Engagement oder einer Abstimmung in seinem Sinne zu bewegen. Ein Porsche-Sprecher bestätigte diese Information: „Wir haben geprüft, ob es Sinn macht, mit befreundeten Aktionären zu sprechen.“

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