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Geführt von Ex-Tesla-Manager : Porsche investiert in ein Elektriker-Start-up

Philipp Schröder hat hochfliegende Pläne Bild: Christoph Neumann/1Komma5°

Der ehemalige Tesla-Deutschland-Chef will einen Elektriker-Konzern aufbauen und so an der Energiewende verdienen. Von Porsche und einigen der reichsten Deutschen bekommt er dafür jetzt bis zu 100 Millionen Euro.

          3 Min.

          Wer in Deutschland einen Handwerker braucht, hat es schwer. Der Kunde wartet lange, die Terminanbahnung läuft telefonisch oder über Mail. Häufig wird der Termin dann doch noch kurzfristig abgesagt.

          Gustav Theile
          Wirtschaftskorrespondent in Stuttgart.

          Das sind Kennzeichen eines Marktes, der reif ist für Disruption, meint Philipp Schröder. Der ehemalige Deutschland-Chef von Tesla und Geschäftsführer des Solar-Batterieherstellers Sonnen schickt sich gerade an, einen Handwerkerkonzern aufzubauen, und hat dabei die Energiewende als Betätigungsfeld im Blick. Dabei bekommt er nun namhafte Unterstützung: Bis zu 100 Millionen stellen die Granden der deutschen Wirtschaft für Investitionen bereit, mit denen Schröder weitere Elektrikerbetriebe aufkaufen, die Energiewende voranbringen und eine Marke aufbauen will, die den Elektrikerberuf attraktiv macht. Wie groß seine Ambitionen sind, wird schon aus dem Namen seines Unternehmens deutlich: 1Komma5° , das Pariser Klimaziel also, drunter macht er’s nicht.

          „Was fehlt, ist die Werkbank“

          Die bis zu 100 Millionen Euro kommen laut Schröder von den Family Offices einiger der reichsten Deutschen, von wem genau, soll nicht öffentlich werden; es sind die Erben großer Konzerne. Größter Einzelinvestor ist aber Porsche Ventures, der Investmentzweig des Autoherstellers, führen Schröder und Patrick Huke, der bei Porsche Ventures das Europa-Geschäft verantwortet, im Gespräch mit der F.A.Z. aus.

          „Unser Ansatz ist: Es gibt genug Technologien für die Energiewende. Es gibt genug Kapital. Strom aus Fotovoltaik ist inzwischen günstiger. Was fehlt, ist die Werkbank“, sagt Schröder. Aktuell würden rund 4000 der etwa 60 000 Elektriker in Deutschland an der Energiewende arbeiten. Das reiche nicht, um zum Beispiel 25 Millionen Ladepunkte zu bauen. „Wenn wir die Erneuerbaren verdoppeln wollen, wie die Ampel das plant, fehlen die Elektriker.“ 1Komma5° kauft deshalb Elektriker-Betriebe auf, konsolidiert diese unter einem gemeinsamen Dach, macht interne Prozesse digitaler, damit die Kommunikation nicht mehr über langwierigen E-Mail-Verkehr abläuft. Alles, was installiert werde, werde intelligent vernetzt, sagt er. „Die Werkbank muss extrem effizient sein“, meint Schröder.

          Aktuell kommt er auf 120 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von 40 Millionen Euro. Bis Ende kommenden Jahres will Schröder durch weitere Investitionen 150 bis 200 Millionen Euro an Umsatz erreichen. Die aufgekauften Betriebe selbst werden wiederum am Dachunternehmen beteiligt.

          „Nicht sexy genug“

          Das Ziel ist klar: „Wir wollen einen digitalen Handwerkerkonzern bauen“, sagt Schröder, der dafür bekannt ist, seine Ziele offensiv zu kommunizieren – ähnlich wie sein einstiger Vorgesetzter, Tesla-Chef Elon Musk. Dass es einen solchen Handwerkerkonzern bisher nicht gibt, führt er auf hohe Eintrittshürden zurück, zum Beispiel die Meisterqualifikation. Die Situation sei in den meisten Ländern ähnlich, es handle sich um einen sehr kleinen, fragmentierten Markt.

          Welche Rolle spielt Porsche? „Wir können noch so viel E-Fahrzeuge auf die Straße bringen, wenn Werkbank und Lade­infrastruktur nicht geklärt sind“, sagt Patrick Huke von Porsche Ventures. Es gehe für ihn weniger um die Elektriker, sondern um „die große Vision der nachhaltigen Stromversorgung“. Ziel sei, „die gesamte Wertschöpfungskette zu adressieren, nicht nur das E-Auto, sondern auch die nachhaltige Erzeugung und Speicherung von Energie“. Er spricht von „intelligenter Vernetzung bis hin zur Ladeinfrastruktur“.

          Schröder verspricht sich von dem Porsche-Investment mehr Bekanntheit und eine Stärkung seiner Marke. „Wir haben uns auch wegen des Brandings für Porsche entschieden“, sagt er. Auch Energie- und Ölkonzerne hätten investieren wollen, das habe er abgelehnt. „Mit Porsche bleibt man Premium, und man bleibt sexy. Die Elektriker kennen die Porschezentren vor Ort.“ Dadurch will er den Beruf wieder spannend machen: „Elektriker zu sein ist nicht sexy genug. Das Talent geht nicht in die Branche“, sagt er. Das liege auch an den Betrieben, die seien überaltert und hätten zu wenig Geld. „Wir sind spannender als ein Feld-Wald-und-Wiesen-Handwerker. Wir haben einen Purpose“, verwendet er einen Modebegriff aus dem Marketing, der meint, dass der Unternehmenszweck über das schnöde Geldverdienen hinausgeht.

          Weiter steigern will er die Attraktivität – als Arbeitgeber und als Anbieter klimafreundlicher Handwerkerleistungen – mit Showrooms in den Innenstädten; er nennt, zurückhaltend wie er ist, Apple- und Tesla-Läden als Vorbild. Die ersten beiden sollen in Hamburg und in Lingen in Niedersachsen eröffnen. Anfang kommenden Jahres soll es dann einen Stromtarif für E-Auto-Fahrer geben. Der soll – wen wundert’s? – besser als der von Tesla sein.

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