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Taycan : Porsche startet mit 761 PS ins Elektrozeitalter

Porsche-Chef Oliver Blume vor dem Porsche Taycan Bild: dpa

Der Sportwagenhersteller hat seinen vollelektrischen Taycan vorgestellt. Es ist ein Auto der Superlative. Und für Porsche der Beginn eines Großversuchs.

          3 Min.

          Es ist die Kampfansage an Tesla. Verbunden mit der Hoffnung, genauso gegen die andere Konkurrenz für schnelle, starke Luxusautos kraftvoll ins Elektrozeitalter durchzustarten. So hat Porsche jetzt einen vollelektrischen Sportwagen im Angebot, der am Mittwoch gleich auf drei Kontinenten vorgestellt wurde. Dass der Flitzer „Taycan“ heißen wird, ist schon seit gut einem Jahr bekannt, seither haben zigtausende potentielle Kunden ihr Interesse mit einer Anzahlung von 2500 Euro unterfüttert, aber jetzt erst hat Porsche die Details zu diesem Auto offenbart. „Dieser Tag markiert den Beginn einer neuen Ära“, sagte Vorstandschef Oliver Blume während der Veranstaltung in Neuhardenberg bei Berlin, auf einem früheren Militärflughafen, an dem jetzt einer der größten Solarparks Europas steht. „Der Taycan schreibt die Erfolgsstory unserer Marke fort – einer Marke, die seit mehr als 70 Jahren fasziniert und Menschen auf der ganzen Welt begeistert.“

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Oft sprachen Blume und seine Kollegen aus der Porsche-Spitze an diesem Tag von der Seele Porsches – und der Verknüpfung vom Mythos der Marke mit der neuen Zeit der Elektromobilität. Die Branche weiß, dass es bisher nur dem amerikanischen Hersteller Tesla besonders gut gelungen ist, luxuriöse Fahrzeuge mit Elektroantrieb zu bauen, die zugleich Kult und technische Finesse ausstrahlen. Jetzt soll zum Gegenschlag ausgeholt werden.

          Tatsächlich startet Porsche mit zwei Varianten: Der Taycan Turbo kommt auf bis zu 500 KW (680 PS) Leistung; der Taycan Turbo S bringt es sogar auf bis zu 560 KW (761 PS) und kann aus dem Stand in 2,8 Sekunden auf Tempo 100 kommen, in 9,8 Sekunden sogar auf 200 Stundenkilometer. Auch über längere Strecken soll das Elektroauto mit 260 Kilometer in der Stunde fahren können. Wenn dann die Batterie schwächelt, verspricht Porsche wiederum ein beachtliches Tempo beim Laden. In gut fünf Minuten sei Strom für bis zu 100 Kilometer Reichweite nachgeladen, auf 80 Prozent Batterieladung kommt man in 22,5 Minuten, verspricht Porsche – Idealbedingungen und entsprechende Schnellladesäulen vorausgesetzt natürlich. Gerade an diesen Schnellladesäulen mangelt es bislang jedoch. An der Steckdose zuhause dauert es auch für einen Taycan ewig, bis die Batterie voll ist. Der Luxus hat freilich seinen Preis. Den Taycan Turbo gibt es in Deutschland ab rund 152000 Euro, für den Turbo S muss man mindestens 185000 Euro bezahlen. Ausgeliefert werden die ersten Taycan in Nordamerika noch Ende dieses Jahres, in Deutschland muss man bis Anfang 2020 warten.

          Bick ins Innere

          Für Porsche ist der Taycan der Beginn eines Großversuchs. Die Frage lautet: Wird es gelingen, den außergewöhnlichen Ruf des Sportwagenbauers in das Zeitalter der Elektromobilität zu retten? Schon früh war klar, dass Porsche nicht nur eine Batterie in ein vorhandenes Modell einbaut, sondern dass alles anders wird mit dem Taycan: Design, Technik, Geschäftsmodell. Wie mit anderen Baureihen wird es Derivate geben, als erstes einen Cross Turismo, der mehr Raum für Gepäck und Passagiere bieten soll. Gleichzeitig werden dann doch die bestehenden Baureihen elektrifiziert, als erstes der Macan, also die kleinere der beiden SUV-Reihen von Porsche. Die Strategie des Stuttgarter Unternehmens sieht vor, dass bis Mitte der zwanziger Jahre die Hälfte der Produktpalette elektrisch oder teilelektrisch als Plug-in-Hybrid verkauft wird.

          3D: Porsche, Taycan

          Allein bis zum Jahr 2022 hat Porsche Investitionen von mehr als 6 Milliarden Euro in die Entwicklung und die Infrastruktur für die E-Mobilität eingeplant. Schon der Ausbau des Stammwerks in Stuttgart-Zuffenhausen mit Montage, Karosseriebau, Lackiererei und Komponentenfertigung kostet rund 700 Millionen Euro. Auch weil der Platz knapp ist, verzichtet Porsche auf die klassischen Förderbänder in der mehrstöckigen Fabrik, sondern hat ein fahrerloses Transportsystem installiert. Allein die Schulung neuer Mitarbeiter hat einen zweistelligen Millionenbetrag verschlungen, auch weil für die Arbeit mit der von Porsche verwendeten Hochvolttechnik besondere Anforderungen gelten. Dass die Produktion nicht auf der grünen Wiese angesiedelt wurde und nicht mit einem Stellenabbau einhergeht, hat die Belegschaft mit zu verantworten. Ein Beschäftigungspakt regelt unter anderem eine um eine Stunde höhere Wochenarbeitszeit und die Einzahlung eines Teils der Tariferhöhung in einen Fonds.

          Ob die Pläne von Porsche aufgehen und der Taycan das Symbol der neuen Ära ist, wird sich zeigen. Testfahrer Lars Kern mit einem Vorserienmodells des Taycan stellte am vergangenen Wochenende mit 7 Minuten und 42 Sekunden einen neuen Rekord auf der Nordschleife des Nürburgrings auf. Schon etwa 30000 Menschen sollen für einen neuen Taycan jeweils 2500 Euro angezahlt haben, berichtete jüngst Produktionsvorstand Albrecht Reimold. Zum Vergleich: vom Sportwagenklassiker 911 hat Porsche im vorigen Jahr rund 35000 Stück verkauft. „Ich bin überzeugt: der Taycan wird die Herzen der Porsche-Kunden im Sturm erobern“, sagte Stefan Weckbach, Leiter des Elektroauto-Projekts, zur Weltpremiere. Die unschönen Themen blieben an diesem Tag außen vor; etwa dass Porsche wegen Beteiligung am Dieselskandal zuletzt ein Bußgeld von mehr als einer halben Milliarde Euro zahlen musste und zig Kunden derzeit mit guten Aussichten auf Schadenersatz wegen der Manipulationen klagen.

          Die Weltpremiere feierte Porsche dort, wo die wichtigste Kundschaft zuhause ist, und an Orten, die für alternative Energiegewinnung stehen. Der Windpark auf der Insel Pingtan bildete in China den Hintergrund, die Niagarafälle in Nordamerika und der Solarpark in Neuhardenberg boten die Kulisse für die simultane Präsentation. Mit Strom aus solchen Energiequellen, so soll signalisiert werden, fährt ein Porsche Taycan emissionsfrei. Auch die Produktion des Autos in Stuttgart-Zuffenhausen, betonte Produktionsvorstand Reimold, sei von Beginn an emissionsfrei.

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