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Porsche-Dynastie : Die Mission des Ferdinand Piëch

Ferdinand Piëch (rechts) und Martin Winterkorn vor einem elektrischen Audi A3 in Wolfsburg im April 2012 Bild: AFP

Im Jahr 2006 sägte Ferdinand Piëch Bernd Pischetsrieder als VW-Chef ab – und ersetzte ihn durch Martin Winterkorn. Es war eine Machtdemonstration. Nichts lief damals ohne ihn in Wolfsburg – zum Wohle des Porsche-Clans.

          7 Min.

          Als Ferdinand Piëch 2002 die Leitung des Volkswagenkonzerns seinem Nachfolger Bernd Pischetsrieder übergab und Aufsichtsratsvorsitzender wurde, sprach er in dieser Zeitung über die Prioritäten in seinem Leben: „VW, Familie, Geld“. An dieser Reihenfolge werde sich auch nach seinem Abschied nichts ändern, machte er unmißverständlich klar.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Zur gleichen Zeit veröffentlichte er in seiner Biographie den Satz: „Ich werde mich hüten, ins Tagesgeschäft einzugreifen. Wenn die Kassa stimmt und die große Linie paßt, dann ist mein Job getan.“ Das ist eine nüchterne, präzise Beschreibung der Aufgabe eines Aufsichtsratschefs.

          Emotionales Kerngeschäft

          Jetzt, da er seinen von ihm selbst ausgewählten Nachfolger gefeuert hat, ahnt man die tiefere Bedeutung dieser Sätze. Die große Linie in Wolfsburg hat ihm nicht mehr gepaßt. Und: Volkswagen bleibt emotionales Kerngeschäft des Porsche-Sprößlings.

          Zwei Fragen sind zu klären: Wie hat Piëch Pischetsrieder entmachtet und durch seinen Vertrauten Martin Winterkorn ersetzt? Und warum hat er es gemacht? Das Wie ist einigermaßen schnell erzählt, die Antwort auf das Warum kann eine ziemlich lange Geschichte werden.

          Techniken des menschlichen Kräftespiels

          Piëch hatte als Verbündeten beim Putsch natürlich Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf seiner Seite. Piëchs Familienverband kontrolliert Porsche als größter Aktionär und Inhaber sämtlicher Stimmrechte. Aber was man dem eckigen, kantigen, leicht fanatisch wirkenden Mann weniger zugetraut hätte, ist seine Fähigkeit, immer wieder relativ emotionsfreie Zweckbündnisse mit den Vertretern der IG Metall und den Betriebsräten zu schmieden, wenn es um heikle Fragen geht. Ohne die Arbeitnehmervertreter geht seit 50 Jahren gar nichts bei Volkswagen.

          Bild: F.A.Z.

          Piëch versteht sich offenbar nicht nur auf Turbodiesel, Allradantrieb und rostfreie Karosserien, sondern auch auf die Techniken des menschlichen Kräftespiels. Auf den zweiten Blick allerdings wird das einsichtig. Denn ohne die Zustimmung der Arbeitnehmer und der IG Metall-Spitze wäre Piëch nie ganz oben angekommen. Das Klassengrenzen ignorierende Bündnis aus der Luxusfirma Porsche und der Arbeiterschaft reicht, um bei Volkswagen die Richtung zu bestimmen. Und es reicht auch, den anderen Großaktionär, das Land Niedersachsen, und dessen Vertreter, den Ministerpräsidenten Christian Wulff, zu zwingen, gute Miene zum harten Spiel zu machen. Denn wer will schon zu den Verlierern zählen.

          „Das kann doch nur gut für unser Image sein“

          Den Sturz des bisherigen VW-Chefs Bernd Pischetsrieder soll Piëch von langer Hand geplant haben. Piëch habe schon vor einigen Wochen Pischetsrieder schriftlich zum Rücktritt aufgefordert. Pischetsrieder soll demnach einen Rücktritt abgelehnt und auf seinen neuen Fünfjahresvertrag verwiesen haben. Zudem habe er kritisiert, daß Piëchs Brief kein Votum des Aufsichtsrates gewesen sei.

          Wie gut Piëch alles eingefädelt hat, zeigen Stellungnahmen am vergangenen Wochenende. Der VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh verteidigte den überraschenden Wechsel an der VW-Spitze. Osterloh ist wie Piëch Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums. Er sprach in einem Interview von einem „geregelten Übergang“, bei dem ein Mann an die VW-Spitze komme, der den VW- Konzern in- und auswendig kenne und der „sicher neue Akzente setzen“ werde. Winterkorn habe die Tochtermarke Audi hervorragend positioniert. „Das kann doch nur gut für unser Image sein.“

          Liebe Porsche als Hedgefonds

          Vorwürfe, Piëch mische sich zu sehr ins operative VW-Geschäft ein, wies Osterloh zurück: „Er nimmt schlicht seine Aufgabe als Aufsichtsratsvorsitzender wahr. Und er ist ein absoluter Autofachmann.“ Daher habe der Betriebsrat auch keine Probleme mit einer noch stärkeren Position des Großaktionärs Porsche bei VW. „Mir ist es deutlich lieber, wenn sich Porsche als deutsches Unternehmen bei VW engagiert, als wenn es ausländische Hedgefonds tun.“

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