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Porsche-Dynastie : Die Mission des Ferdinand Piëch

Beginn einer Erfolgsmarke

Und drittens beseitigten die Verträge mit den Volkswagen-Treuhändern die Monopolstellung Porsches als Entwickler für Volkswagen. Volkswagen hatte bis dahin alles vom Stuttgarter Büro des Konstrukteurs Ferdinand Porsche entwickeln lassen, dafür durfte Porsche nicht für die Konkurrenz arbeiten. Von 1949 an baute Porsche den ersten Wagen auf eigene Rechnung, der auch den Namen Porsche trug und damit den Beginn einer Erfolgsmarke darstellte.

Die nächste Verbindung zwischen Porsche und Volkswagen verkörpert schon Ferdinand Piëch, der offenbar das Talent für Konstruktion von seinem Großvater geerbt hat. Im August 1972 stieß der Ingenieur zur Volkswagen-Tochtergesellschaft Audi. Im Jahr davor hatten die Porsches und Piëchs beschlossen, sich aus den Management-Funktionen der Porsche AG und von Porsche Austria zurückzuziehen und die Führung familienfremden Managern zu überlassen.

Keine Illusionen

Nach dem Eintritt bei Audi hätte Piëch nur noch dann als Vorstandsvorsitzender verhindert werden können, wenn Volkswagen selbst erfolgreich gewesen wäre und wenn seine Frau nicht seine Kündigung unterschlagen hätte. Piëch wollte den Konzern verlassen, als sein Vorgänger bei Audi eine Vertragsverlängerung bekommen sollte. Später beruhigt sich Piëch und übt sich in Geduld.

VW-Konzernchef Carl Hahn, ein Mann des Vertriebs, hatte sich nie für den Techniker aus Österreich erwärmen können, allerdings den Konzern in eine finanzielle Schieflage manövriert. Er hatte dramatisch ins Ausland expandiert, aber die Kostenkontrolle vernachlässigt. Piëch machte sich deshalb auch keine Illusionen. „In normalen, ruhigen Zeiten hätte ich wohl nie eine Chance bekommen“, schreibt er 2002 in seiner Biographie.

Bewahrer der Familientradition

1993, als Piëch an die Spitze von VW rückte, wies der Wolfsburger Konzern einen Umsatz von knapp 40 Milliarden Euro und einen Verlust von knapp einer Milliarde Euro aus. 2001 hatte das Unternehmen einen Umsatz von knapp 90 Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Steuern von knapp drei Milliarden Euro. Als Hauptverantwortlicher für diese Entwicklung fühlt sich Piëch nicht nur als Bewahrer der Familientradition, sondern auch als Retter eines angeschlagenen Konzerns, auf den man besser hört.

Piëchs Mann ist nun ein enger Vertrauter: der bisherige Audi-Chef Winterkorn. Ihm wird unterstellt, er unterhalte eine Standleitung nach Salzburg zu Piëchs Domizil.

„Diese Erbengesellschaft widert mich richtig an“

Was wird nun aus Volkswagen? Als kommender VW-Vorstandschef plant Winterkorn in enger Abstimmung mit seinem Mentor einen Umbau in der Konzernstruktur des größten europäischen Autobauers, berichtet der „Spiegel“. Künftig sollten die Marken neu aufgeteilt werden in zwei Gruppen: eine für die Edelmarken Audi, Bentley, Bugatti und Lamborghini. Eine zweite für das Massengeschäft mit Volkswagen, Seat und Skoda. Später will Winterkorn auch wieder ein Vorstandsressort für Entwicklung schaffen.

Ist es die Pflicht, das Erbe zu erhalten, wurde Piëch im Interview mit dieser Zeitung vor vier Jahren gefragt. Seine Antwort ist bezeichnend: „Nein, nicht zu erhalten, es zu mehren. Für das Verprassen habe ich nicht das geringste Verständnis. Diese Erbengesellschaft widert mich richtig an.“

Und weiter führt er aus: „Meine Stellung im Leben ist, etwas zu haben und das verbessert weiterzugeben. Ein einzelner ist nur ein Zwischenschritt, habe ich in Asien gelernt. So sehe ich mich auch. In der Hoffnung, daß in der Großfamilie einer der Nachkommen ähnlich denkt wie ich und das zusammenhält. Von dem Dutzend eigener Kinder und den 16 Enkeln wird ja irgendeiner dabeisein, der vernünftig genug ist, um die Führungsrolle zu übernehmen.“

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