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Porsche-Dynastie : Die Mission des Ferdinand Piëch

Daß Piëch selbst harte Entscheidungen nicht schwerfallen, daran konnte es ohnehin nie Zweifel geben. Zehn VW-Vorstände hatte er schon während seiner Amtszeit als VW-Chef fortgeschickt. Ohne Bedauern: „Aus tiefster Überzeugung habe ich lieber einen für die betreffende Situation unpassenden Topmanager gefeuert, als eine Schwächung des Unternehmens zu riskieren, die letztlich ein paar tausend Arbeitsplätze kosten kann.“

Schachzug gegen Wulff

Viel ist schon darüber spekuliert worden, warum Piëch Pischetsrieder feuert, nachdem er ihm sechs Monate zuvor erst einen neuen Fünfjahresvertrag gegeben hatte. Daß Pischetsrieder zur Zauderei neigt, bestätigen nicht nur seine alten Arbeitgeber bei BMW, sondern überraschenderweise auch die Arbeitnehmervertreter. Es gibt unbestätigte Hinweise, daß Pischetsrieders Vertragsverlängerung mit Zielvereinbarungen verknüpft war, die der Bayer nicht halten konnte.

Schwerer dürfte aus Piëchs Sicht aber etwas anderes gewogen haben: Der Politiker Christian Wulff, unzweifelhaft ein Piëch-Gegner, wollte offenbar im VW-Aufsichtsrat ein Gegengewicht zu den Porsches bilden. Deshalb soll er nach Informationen dieser Zeitung den Nutzfahrzeughersteller MAN aufgefordert haben, sich mit zehn Prozent an Volkswagen zu beteiligen.

Eine uralte Beziehungskiste

Das Land Niedersachsen wäre zusammen mit dem süddeutschen Lkw-Konzern über 25 Prozent gekommen und hätte mit dieser Sperrminorität die Porsches auch dann noch in Schach halten können, wenn die Aktien des Landes Niedersachsen ihre Privilegien verlieren. Darüber entscheidet der Europäische Gerichtshof nächstes Jahr. Pischetsrieder soll in Wulffs Machtspiele eingeweiht worden sein und geschwiegen haben. Das war der Fehler, der ihn den Job gekostet haben dürfte.

Die Vorstellung, Piëch lasse sich ohne Gegenwehr seiner Macht bei Volkswagen berauben, ist höchst naiv. Denn Porsche-Piëch und VW, das ist eine uralte Beziehungskiste. Der Einstieg des kleinen Sportwagenbauers Porsche beim größten Autohersteller auf dem europäischen Kontinent war in gewisser Weise der materielle Vollzug einer Verbindung, die schon immer da war.

Über Generationen mit Volkswagen verknüpft

Keine Familie war über Generationen hinweg so stark mit Volkswagen verknüpft wie die Porsche-Piëchs. Piëchs Großvater war der geniale Autokonstrukteur Ferdinand Porsche, der sich schon in den zwanziger Jahren mit der Idee eines wirtschaftlichen Volks-Wagens herumtrug. Im Auftrag des Hitler-Regimes konstruierte er von 1934 an den Käfer. 1936 begannen die Testfahrten, die Sohn Ferry Porsche zu organisieren hatte.

1938 wurde der Grundstein für das VW-Werk im späteren Wolfsburg gelegt, in dem der Käfer in Serie gefertigt werden sollte. Nach den Aufzeichnungen Ferry Porsches wollte Hitler die Volkswagen-Fabrik ursprünglich Porsche-Werk nennen. Ferdinand Porsche, der Geschäftsführer für Technik und Planung im Werk wurde, habe aber abgelehnt.

Comeback, Aufstieg, Reichtum

Piëchs Vater Anton Piëch war nicht nur Porsches Schwiegersohn, sondern auch dessen Justiziar und von 1941 an bis Kriegsende Leiter des Volkswagen-Werkes, das fast ausschließlich für die Rüstungsindustrie arbeitete. Gerade 630 Käfer produzierte das Werk bis 1945. 1948 kam es zu dem legendären Vertrag zwischen Treuhändern der britischen Alliierten, die das Volkswagen-Werk verwalteten, und der Porsche-Familie. Der Vertrag hatte drei wichtige Elemente, die den Grundstein für Comeback, Aufstieg und Reichtum der Porsche-Piëchs legten.

Die Familie bekam als Lizenzgebühr für die Konstruktion des Käfers jene berühmte eine D-Mark je verkauftem Fahrzeug. Bis zum Produktionsende des Autos gingen 21,5 Millionen Fahrzeuge vom Band. Ferner wurde damals schon im Vertrag eine Garantie für den Alleinimport von VW-Fahrzeugen nach Österreich festgeschrieben. Dieses Handelshaus profitierte auf märchenhafte Weise von der Öffnung nach Osten und setzt inzwischen rund acht Milliarden Euro um, vor allem mit dem Handel von Volkswagen. Die von Piëchs Mutter aufgebaute Porsche Österreich ist inzwischen eines der größten Unternehmen der Alpenrepublik und einer der umsatzstärksten Autohändler Europas.

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