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Porsche-Börsengang : Der wertvollste Autohersteller Europas

  • -Aktualisiert am

Erfolgreiches Duo: Porsche- und VW-Chef Oliver Blume (r.) und Porsche-Finanzchef Lutz Meschke Bild: Verena Müller

Für Porsche beginnt mit dem Börsengang eine neue Ära. Der Sportwagenproduzent steigt in die Elite der Autokonzerne auf.

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          Es ist eine neue Ära, die für Porsche an diesem Donnerstag beginnt. Plötzlich sind die Stuttgarter nicht mehr eine von vielen Marken im VW-Konzern. Der Hersteller, der vor Rendite und Rekorden nur so strotzt, steht nicht mehr in der zweiten Reihe der Autowelt, wo er verdeckt wurde vom großen VW-Konzern, der den Platz ganz vorn für sich beansprucht.

          Porsche steht künftig selbst im Rampenlicht der globalen Autoszene. Mit dem Börsengang kann die Luxusmarke künftig als wertvollster Autohersteller Europas gelten. Der Börsenwert beträgt zu Handelsbeginn etwa 75 Milliarden Euro und dürfte danach weiter ansteigen. Damit übertrifft Porsche die Stuttgarter Konkurrenz von Mercedes-Benz (rund 60 Milliarden Euro Börsenwert), BMW aus München (rund 50 Milliarden), den Stellantis-Konzern (40 Milliarden) und Ferrari (35 Milliarden). Nur das VW-Sammelsurium liegt mit etwa 85 Milliarden Euro noch darüber, allerdings macht Porsche selbst einen Großteil dieser Bewertung aus.

          Und auch global spielen die Stuttgarter künftig ganz vorn mit: Rechnet man VW raus, ist Porsche der viertwertvollste Hersteller der Welt, hinter Tesla aus den USA, Toyota aus Japan und BYD aus China. In diesem neuen Rampenlicht muss sich Porsche künftig selbst beweisen.

          Die Geschichte von der Freiheit

          Jenseits der Börsenlogik ist das wichtigste unternehmerische Argument die Unabhängigkeit, die der Börsengang bringen soll. Das Wolfsburger Konzern-Gebaren soll die Stuttgarter Ingenieurskunst nicht mehr bremsen, die Softwaredebakel der VW-Entwickler nicht mehr neue Modelle von Porsche verschieben, die neue Freiheit Partnerschaften mit Apple, Google oder Bytedance ermöglichen. Die Verpflichtung eines neuen Vorstands für die Car-IT, der allerdings noch auf die Freigabe von seinem alten Arbeitgeber Mercedes wartet, war ein erster Fingerzeig in diese Richtung.

          Das alles war zumindest die Argumentation von Porsche. Doch die Geschichte von der Freiheit wurde in den vergangenen Wochen zunehmend unplausibler. Schließlich hat Porsche mit Oliver Blume den gleichen Vorstandschef wie der VW-Konzern, der beide Unternehmen seit einem Monat in Personalunion führt. Porsche müsste sich damit von seinem eigenen Chef emanzipieren. Eine Konstruktion, über die selbst gestandene Manager aus dem VW-Kosmos den Kopf schütteln.

          Finanzvorstand Lutz Meschke sitzt gleichzeitig im Vorstand des VW-Großaktionärs Porsche SE. Das ist die Holding, über die die Familien Porsche und Piëch ihre Macht im VW-Reich ausüben, und die im Zuge des Börsengangs eine Sperrminorität am Sportwagenhersteller erwirbt.

          Von wem soll sich Meschke nun emanzipieren? Vom VW-Konzern, den sein Chef führt, oder von seinem Großaktionär, den er selbst vertritt? Der Konzern versichert, die Rollen penibel zu trennen. Porsche selbst warnt im Börsenprospekt vor potentiellen Interessenkonflikten. Man traut Managern ja so einiges zu – aber sich selbst aufspalten, das dürfte selbst für Blume und Meschke zu viel sein.

          Was sich unternehmerisch ändert

          Auch die künftigen Mehrheitsverhältnisse deuten nicht auf mehr Freiheit für Porsche hin. An der Börse werden nur die stimmrechtslosen Vorzugsaktien plaziert. Eine Sperrminorität von 25 Prozent und einer Stammaktie hält künftig die Porsche SE, der Rest bleibt bei VW.

          Blume hat zudem selbst angekündigt, dass es mit dieser Unabhängigkeit gar nicht so weit her sei. Die raren Chips sollen weiter von Wolfsburg nach Stuttgart geschickt werden, weil ein Sport- mehr Geld einbringt als ein Kleinwagen. Und auch wenn Porsche etwa in Sachen Software tatsächlich mehr Freiheit bekommen könnte, wird in vielen weiteren Bereichen die Kooperation zwischen Porsche und VW fortgesetzt.

          Was sich tatsächlich unternehmerisch ändern dürfte, ist die Mitsprache der Familie. Bisher war sie zwar schon stark im Aufsichtsrat vertreten und hatte über ihre VW-Beteiligung indirekt Einfluss bei Porsche. Künftig kann sie dank der Sperrminorität aber direkt mitreden und im Zweifel auch Entscheidungen, die im Porsche-Interesse sind, durchboxen.

          Das ist die Logik dieses Börsengangs: Porsche kehrt einerseits an die Börse zurück, erhöht damit seine globale Strahlkraft und wird zum wertvollsten Autohersteller Europas. Anderseits wird der Hersteller, zumindest teilweise, wieder zum Familienunternehmen.

          Gustav Theile
          Wirtschaftskorrespondent in Stuttgart.

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