https://www.faz.net/-gqe-agucq

Niederländische Fahrradbranche : Wie ein Familienbetrieb zum globalen Fahrradriesen aufstieg

Gazelle-Testcenter für E-Bikes in Frankfurt Bild: Wonge Bergmann

Von null auf hundert binnen zehn Jahren: Die niederländische Familiengesellschaft Pon ist vom Autohandel in den Fahrradmarkt expandiert. Sie hat sich ein Konglomerat zusammengekauft – erst in Deutschland, jetzt auch in Nordamerika

          2 Min.

          Mit einem neuerlichen Großzukauf treibt der niederländische Familienkonzern Pon Holdings seinen steilen Aufstieg zu einem der führenden globalen Fahrradanbieter voran. Die in Deutschland wenig bekannte Gesellschaft hat sich innerhalb von zehn Jahren ein Konglomerat von Fahrradmarken zusammengekauft – beginnend 2011 mit dem Erwerb von „Gazelle“ sowie als Meilenstein dem Kauf des damals größten deutschen Fahrradanbieters Derby Cycle mit Marken wie „Kalkhoff“ und „Focus“.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun übernimmt Pon für eine Milliarde kanadische Dollar (700 Millionen Euro) die Fahrrad-Tochtergesellschaft des kanadischen Mischkonzerns Dorel Industries. Pon holt sich damit unter anderem die global bekannte Marke „Cannondale“ ins Portefeuille, ebenso die US-Marke „Schwinn“ sowie die BMX-Rad-Anbieter „Mongoose“ und „GT“. Der Umsatz steigt um zwei Drittel: Zu den momentan 1,5 Milliarden Euro – von denen 70 Prozent auf das Geschäft mit elektromotorgestützten Fahrzeugen entfallen – kommt umgerechnet etwa eine Milliarde Euro Umsatz von den Kanadiern hinzu.

          Hinter Pon steht eine der reichsten Familien der Niederlande. Zum Kerngeschäft gehört der Autohandel, einschließlich Import von Volkswagen. Zusammen mit VW und dem Vermögensverwalter Attestor übernimmt die Gesellschaft gerade für 2,5 Milliarden Euro den Autovermieter Europcar.

          Beteiligung an Swapfiets

          Ganz weit zurückblickend, hatte Pon Ende des 19. Jahrhunderts als Fahrradanbieter in Amersfoort begonnen. Doch verließ man die Branche und kehrte 2011 mit zwei Transaktionen erst wieder zurück: Die Gesellschaft erwarb vom Finanzinvestor Gilde den in den Niederlanden stark vertretenen Hersteller Gazelle. Kurz darauf folgte die Transaktion, welche die breite Grundlage des jetzigen Fahrrad-Imperiums schaffen sollte: Pon bot für die norddeutsche Derby Cycle, die nicht einmal ein Jahr zuvor erst an die Börse gegangen war.

          Der Gedanke hinter der strategischen Rückbesinnung aufs Fahrrad: Pon wolle zu einem breiter aufgestellten „Mobilitätsunternehmen“ werden, hieß es. Besondere Hoffnung legte man darauf, dass sich Fahrräder mit Elektromotor – E-Bikes – am Markt durchsetzen würden: eine Hoffnung, die sich bestätigt hat. Als Nebenpointe der Doppeltransaktion von 2011 kehrte Gazelle wieder in ein Haus mit dem alten Eigner zurück, denn das Unternehmen hatte früher auch schon zu Derby Cycle gehört.

          Im Jahr 2019 übernahm Pon schließlich den niederländischen Lastenfahrrad-Spezialisten Urban Arrow. Dass man strategisch breit denkt, beweist die Entscheidung, sich über die Wagniskapitaleinheit Ponooc an Swapfiets zu beteiligen – jenem Rad-Dauervermieter, der sich in den Niederlanden wie auch in Deutschland in kurzer Zeit auf städtischen Straßen und Radwegen ausgebreitet hat, erkennbar an den blauen Vorderreifen. Swapfiets ist eigentlich ein natürlicher Gegner von Fahrradherstellern und Händlern; schließlich hält das Abo-Modell die Kunden von Kauf und Reparatur eigener Fahrzeuge ab. Aber: Swapfiets lässt sich von der Pon-Tochtergesellschaft Gazelle beliefern, auch wenn man seine Räder selbst entwirft und mit eigener Marke auftritt.

          Pon hat sich also als zweites niederländisches Fahrrad-Konglomerat neben der börsennotierten Accell („Winora“, „Batavus“, „Sparta“, „Babboe“) etabliert. Im Jahr 2017 versuchte die Familie sogar, diesen heimischen Konkurrenten zu erwerben. Accell ging auf Verhandlungen ein, brach sie aber ab, zum Missmut Pons.

          Weitere Themen

          Konjunkturprognose auf 2,6 Prozent abgesenkt Video-Seite öffnen

          Lieferengpässe : Konjunkturprognose auf 2,6 Prozent abgesenkt

          In Deutschland wird für 2021 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,6 Prozent erwartet. Das teilte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Berlin mit und verwies auf Lieferengpässe und weltweit hohe Energiepreise.

          Unternehmen leiden unter absurd hohem Steuerzins

          Betriebsrenten : Unternehmen leiden unter absurd hohem Steuerzins

          Niedrige Zinsen lassen die Pensionsrückstellungen steigen, das Steuerrecht ignoriert diese Belastung. 100.000 Unternehmen sind betroffen. Das Institut der Wirtschaftsprüfer IDW fordert, den Zinssatz deutlich zu senken. Eine Studie zeigt: Diese Forderung ist berechtigt.

          Topmeldungen

          Büros in Frankfurt

          Betriebsrenten : Unternehmen leiden unter absurd hohem Steuerzins

          Niedrige Zinsen lassen die Pensionsrückstellungen steigen, das Steuerrecht ignoriert diese Belastung. 100.000 Unternehmen sind betroffen. Das Institut der Wirtschaftsprüfer IDW fordert, den Zinssatz deutlich zu senken. Eine Studie zeigt: Diese Forderung ist berechtigt.
          Bürgerinitiativen und Umweltverbände, aber auch einzelne Bürger haben das Recht, sich vor Gericht gegen die Genehmigung einer Windkraftanlage zu wehren.

          Ausbau der Windkraft : Die Ampel kann nicht, wie sie will

          Damit die Energiewende gelingt, wollen die Ampel-Parteien den Ausbau der Windkraft beschleunigen. Doch sie werden schnell an die Grenzen des Europarechts stoßen – und an die der deutschen Mentalität.
          Vier T-Zellen attackieren eine Tumorzelle (grün eingefärbt). Die Immunzellen erkennen Moleküle – Tumorantigene – auf der Oberfläche und sorgen dafür, dass die Krebszelle durchlöchert wird.

          Therapie aus dem Labor : Die Designer-Killerzellen

          Immunzellen werden im Labor maßgeschneidert, damit sie gezielt Tumore erkennen und abtöten. Gegen Leukämie und Lymphome zeigen die CAR-Zelltherapien gute Erfolge – doch es gibt andere Herausforderungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.