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Ein Polster für jede Bank : P.R. Havener stattet Kirchen in ganz Europa aus

  • -Aktualisiert am

Die Kirche lässt ihre Gläubigen der Reihe nach sitzen: in der Dresdner Frauenkirche Bild: P.R. Havener

Fast die Hälfte aller europäischen Kirchen hat das saarländische Unternehmen mit Textilien bestückt. Der Trend geht zur integrierten Heizung – auch aus Kostengründen.

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          In Deutschland gibt es nach Auskunft der Datenbank Statista ungefähr 45.000 katholische und evangelische Gotteshäuser. Rund 20.000 dieser Kirchen sind mit Produkten der P.R. Havener GmbH bestückt, wie die Geschäftsführung berichtet. Insgesamt habe die P.R. Havener GmbH schon mehr als 35.000 Kirchen in ganz Europa ausgestattet.

          Das vor gut 40 Jahren als Einmannbetrieb gegründete Unternehmen aus dem saarländischen Saarlouis, das heute von Sandra Havener, Ronny Havener und deren Vater René Havener geleitet wird, hat sich auf Kirchenteppiche, Kirchensitzbankpolster und Kniepolster für christliche Institutionen spezialisiert und sich nach Angaben von Sandra Havener in diesem Bereich als europäischer Marktführer etabliert. Im Jahr 2020 konnte das Familienunternehmen rund 50.000 Meter Kirchenbankpolster in europäischen Kirchen montieren.

          Der Gründer René Havener war durch seine Tätigkeit als Messdiener auf die Geschäftsidee gestoßen. Ihm hätten beim längeren Knien schnell die Knie wehgetan, und „er hat sich überlegt, dass es doch ein Produkt geben müsste, was lose auf die Kirchenbank gelegt wird und rutschfest ist“, erzählt Tochter Sandra Havener.

          Keine namhafte Konkurrenz

          Der Jahresumsatz bewege sich zwischen 3 und 4 Millionen Euro, die jährliche Wachstumsrate liege zwischen 5 und 10 Prozent, sagt Havener. Der inländische Marktanteil beläuft sich nach ihrer Schätzung auf 70 bis 80 Prozent; in Deutschland gebe es keine namhafte Konkurrenz. Einige Kirchen werden zwar von örtlichen Raumausstattern ausgestattet, jedoch „kaufen die meisten von ihnen bei uns und verkaufen dann weiter“, sagt die Geschäftsführerin.

          Nach ihren Angaben beläuft sich die Exportquote in das europäische Ausland auf rund 30 Prozent. Neben den Hauptauftraggebern in Deutschland, Österreich und Frankreich stattet das Unternehmen beispielsweise Gotteshäuser in der Tschechischen Republik, Belgien, England und Finnland aus, wie die St. Nikolaus Kirche in Prag und Notre-Dame in Paris.

          Gegenwärtig werden 16 Mitarbeiter in Produktion und Vertrieb beschäftigt, fünf weitere sind im Außendienst tätig und für Beratung und Verkauf der Polster vor Ort zuständig. Die Produktionsstätten befinden sich am Hauptsitz des Unternehmens in Saarlouis.

          Garantie von 20 Jahren

          Insgesamt bietet das Unternehmen in verschiedenen Farb- und Stoffvariationen mehr als 100 Produkte an. Sitzpolster werden aus Velours, Flachgewebe, Mikrofaser oder Filz gefertigt. Kniepolster werden in Velours und Kunstleder angeboten. Die Veloursteppiche, Sisalteppiche und robust gewebten Teppiche seien sehr strapazierfähig und damit ideal geeignet für alle öffentlichen Räume.

          Der Preis für einen laufenden Meter Sitzbank liegt nach Auskunft der Geschäftsführung bei 45 Euro und für einen Quadratmeter Kirchenteppich bei 95 Euro, je nach Qualität auch höher oder niedriger. Für seine Polster und Teppiche gibt das Unternehmen eine Garantiezusage von 20 Jahren.

          Die Materialien werden aus Deutschland und Österreich bezogen. Einige werden laut Havener exklusiv für die P.R. Havener GmbH hergestellt. Die Materialien werden zunächst grob mit der Hand zugeschnitten; anschließend werden Polsterschaum und Polsterstoff miteinander verschweißt und vernäht. Durch diese Art der Herstellung „bleibt das Polster immer formstabil“, wie Sandra Havener erklärt. Für die Produktion der Velourspolster verwendet man recyceltes Polyamidgarn.

          Vorteile integrierter Systeme

          Seit den 2000er Jahren werden Kirchenbankpolster auch mit einem integrierten Heizsystem von 46 oder 230 Volt angeboten. Damit lassen sich die Heizkosten in den Kirchen um bis zu 90 Prozent reduzieren. Dies dient gleichzeitig dem Schutz denkmalgeschützter Gebäudesubstanzen. Daneben werden auch Orgeln, Malereien und Kunstschätze in ölbeheizten Kirchen geschützt, wenn sich die Rußpartikel gering halten lassen. Mittlerweile gibt es einen deutlichen Trend zum Polster mit Heizsystem.

          Die Gemeinden setzen laut Havener zunehmend auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit bei der Auswahl der Produkte, auch aus finanziellen Gründen: „Die Heizsysteme sind zusätzlich in der Anschaffung günstiger als eine normale Umluftheizung.“ Dass Kirchengemeinden zunehmend auf ihre Kosten achten, könnte mit der steigenden Zahl der Kirchenaustritte zusammenhängen.

          In der Hauptsaison zwischen Oktober und Februar werden 100 bis 150 Kirchen im Monat von P.R. Havener ausgestattet. Zu den bekanntesten Auftraggebern aus Deutschland zählen die Dresdner Frauenkirche, das Ulmer Münster, der Dom zu Speyer und die St. Michaelis Kirche in Hamburg, die mit roten Sitzbankpolstern und Teppichen beliefert wurde.

          Lob aus Hamburg

          Auf Kniepolster wurde im Hamburger Michel allerdings verzichtet, da in einer evangelischen Kirche nicht gekniet wird. Nach Auskunft von Ines Lessing, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit in der Hamburger Kirche, haben „der feine und maßgenaue Zuschnitt der Polster und die zwanzigjährige Garantie der Produkte“ überzeugt.

          Das Ulmer Münster habe sich durch die „gute Beratung des Außendienstes und das überzeugende Preis-Leistungs-Verhältnis“ von den Sitzbankpolstern überzeugen lassen, berichtet Mesner Ernst-Eberhard Roller. Die Polster seien „sehr pflegeleicht und robust“, eine Reinigung mit lauwarmem Seifenwasser reiche aus.

          Der Pfarrer der zugehörigen Gemeinde habe Kontakt zu P.R. Havener aufgenommen. Daraufhin habe der Außendienst zwei- bis dreimal das Ulmer Münster besucht, um die Maße zu ermitteln und sie anschließend zu montieren. Man beliefere aber nicht nur Großkirchen, stellt Havener klar, sondern auch die Dorfkirche von nebenan.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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