https://www.faz.net/-gqe-9c7to

Stühlerücken im Aufsichtsrat : Politik nimmt immer mehr Einfluss auf die Bahn

Der Kurs der Bahn wird immer häufiger von der Politik bestimmt. Bild: Reuters

Weil er sich mit Verkehrsminister Scheuer gestritten hat, legt Michael Frenzel seinen Posten im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn nieder. Es sind nicht die einzigen Querelen, die den Schienenkonzern derzeit beschäftigen.

          2 Min.

          Die Politik nimmt auf die Deutsche Bahn immer mehr Einfluss – und das führt nun zu Konsequenzen im Aufsichtsrat. Die beiden für die Anteilseignerseite im Kontrollgremium sitzenden Mitglieder Michael Frenzel und Jürgen Großmann legen dem Vernehmen nach ihr Mandat nieder. Der Schritt deutete sich schon im Frühjahr an. Für den Eintritt von Politikern müssten wohl Wirtschaftsvertreter ihren Platz auf der Arbeitgeberbank räumen, lautete die damalige Erwartung, die sich nun bestätigte. Der ehemalige TUI-Chef Frenzel, früher schon mal an der Spitze des Gremiums sitzend, sowie Großmann galten seinerzeit als Wackelkandidaten, die gehen müssten. Dem aktuellen Schritt sollen strittige Gespräche mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vorausgegangen sein.

          Kerstin Schwenn
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es sind nicht die einzigen Querelen, die den Schienenkonzern derzeit beschäftigen. Auch die Pünktlichkeit leidet mehr denn je. Im Mai kamen nur 75,8 Prozent der Fernzüge der Deutschen Bahn ohne Verspätung an. Im Juni dürfte es nicht viel besser aussehen. Jüngst musste Bahn-Chef Richard Lutz eingestehen, dass eine Trendwende nicht in Sicht sei. Als Ursachen führt die Bahn die hohe Zahl von Baustellen im Netz sowie die ungenügende „Verfügbarkeit“ der Fahrzeuge an. Im Klartext: Es fehlen Züge, mit der Wartung und Instandhaltung kommt die Bahn nicht schnell genug hinterher.

          Zahlen sprechen gegen die Selbstdarstellung der Bahn

          Eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen zeigt, dass sich immerhin das Baustellenmanagement verbessert. Der Wermutstropfen: Immer mehr Verspätungen sind auf fehlende oder defekte ICE- und IC-Züge zurückzuführen. So begründet die Bahn knapp 12 Prozent aller Verspätungen in den ersten vier Monaten dieses Jahres mit Störungen an Fahrzeugen. 2017 seien es knapp 11 Prozent, 2015 nur 9 Prozent gewesen. Baustellen hätten nur noch 4 Prozent aller Verspätungen verursacht, 2017 waren es 5,2 Prozent.

          Die Zahlen sprechen gegen die Selbstdarstellung der Bahn, die im Internet schreibt: „Nicht nur bei der Instandhaltung des Schienennetzes, auch bei der Wartung und Bereitstellung von Zügen wurden durch große Investitionen in zusätzliches Personal und neue Werksinfrastruktur erhebliche Fortschritte erzielt.“ Mit dem Beschaffungs- und Modernisierungsprogramm im Umfang von 12 Milliarden Euro allein im Fernverkehr bis 2020 steuere die Bahn aktiv gegen Fahrzeugengpässe. Grünen-Politiker Matthias Gastel sagte der F.A.Z.: „Die Koalition schreibt die Verdoppelung der Fahrgäste bei der Bahn in den Koalitionsvertrag, hat aber überhaupt keinen Plan, wie das funktionieren soll. Minister Scheuer ist gefordert, endlich einen Plan für mehr Pünktlichkeit bei der Bahn vorzulegen.“

          Weitere Themen

          Dax auf Erholungskurs Video-Seite öffnen

          Optimismus an der Börse : Dax auf Erholungskurs

          Nach den jüngsten Kursverlusten nutzen Anleger die Gelegenheit zum Wiedereinstieg in den deutschen Aktienmarkt. Der Dax stieg zur Eröffnung am Montag um 0,6 Prozent auf 15.631 Punkte. Experten sehen gute Chancen, dass sich das Aktienbarometer wieder in Richtung Allzeithoch bewegt.

          Topmeldungen

          Die Fassade des Bundeskanzleramtes spiegelt sich in der Fassade des Paul-Löbe-Hauses des Bundestages

          Debattenkultur in Deutschland : Dieser Wahlkampf macht dumm

          Wir könnten – und müssten – bis zur Wahl über die Themen der Zukunft reden. Stattdessen gibt es ständig neue Debatten über Nebensächlichkeiten. Schluss damit!
          Was einmal der Friedhof in Bad Neuenahr-Ahrweiler war, ist nach dem Hochwasser ein einziges Trümmerfeld.

          Katastrophenschutz : Wie wir uns gegen die Fluten schützen können

          Starkregen, Überflutungen, aber auch Hitzewellen: Höchste Zeit, dass sich Städte und Kommunen richtig auf den Klimawandel vorbereiten und die Menschen besser schützen. Wie das gelingen kann? Wissenschaftler haben dafür bereits geeignete Konzepte entwickelt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.