https://www.faz.net/-gqe-9ae0a

Polen und Rumänen : Deutschland gehen die Erntehelfer aus

  • Aktualisiert am

Rumänische Erntehelferinnen und Helfer bei der Kontrolle und dem Verladen der Erdbeerernte in Weiterstadt (Südhessen). Bild: Frank Röth

Damit an deutschen Ständen große Körbe voller Erdbeeren und Spargel stehen, brauchen Landwirte Tausende Erntehelfer. Polen und Rumänen kommen dafür immer weniger. Die Suche nach Arbeitskräften geht weiter nach Osten.

          Zehntausende Arbeiter helfen derzeit auf deutschen Feldern aus. Die Suche nach Saisonkräften könnte nach Einschätzung von Arbeitgebern aber schwerer werden. Wenn sich die wirtschaftliche Lage in Osteuropa weiter verbessere, könnten in einigen Jahren weniger Erntehelfer nach Deutschland kommen, befürchtet der Hauptgeschäftsführer des landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbands GLFA, Burkhard Möller: „Perspektivisch sehen wir Probleme.“

          Landwirte würden deswegen in Zukunft gerne Arbeitskräfte aus der Ukraine holen. Weil das Land nicht Mitglied der Europäischen Union ist, brauchte es dafür aber ein Abkommen zwischen beiden Staaten. Darum müsse sich die Bundesregierung kümmern, forderte Möller, der auch Referent im Deutschen Bauernverband ist.

          Ukraine ein „denkbarer Partner“

          Laut Agrarministerium gab es bisher genug Saisonarbeiter aus der EU, überwiegend aus Polen und Rumänien. In letzter Zeit mehrten sich allerdings die Anzeichen, dass das Interesse wegen der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in diesen Ländern nachlasse, teilte das Ministerium auf Anfrage mit.

          Bis 2020 mache es auch eine Sonderregelung möglich, Erntehelfer aus dem Westbalkan zu beschäftigen. Zusammen mit dem federführenden Arbeitsministerium würde die Entwicklung aufmerksam beobachtet und bereits geprüft, inwieweit künftig Arbeiter aus anderen Drittstaaten in Betracht kommen. „Die Ukraine könnte in diesem Fall ein denkbarer Partner sein“, so das Ministerium.

          Jedes Jahr sind Bauernhöfe auf Saisonkräfte angewiesen, um zum Beispiel Spargel, Erdbeeren oder im Spätsommer auch Weintrauben zu ernten. 2016 kamen dafür rund 286.000 Wanderarbeiter nach Deutschland.

          In der diesjährigen Saison gebe es flächendeckend genug Erntehelfer, sagte Möller. In einzelnen Betrieben könne es vorkommen, dass Arbeiter fehlten, etwa weil die Arbeit mit einer Vermittlungsagentur nicht geklappt habe. „Aber von einer Mangelsituation kann ich nicht sprechen.“ Spargelbauern im brandenburgischen Beelitz hatten zuletzt beklagt, ihnen fehlten Erntehelfer, weil manche Arbeiter nicht gekommen seien.

          Österreich hat größere Probleme

          Auch Österreich sucht Erntehelfer. Dort wurden im wichtigsten Spargelanbaugebiet Marchfeld laut Landwirtschaftskammer Hunderte Helfer vermisst, die bisher meist aus Rumänien kamen. Viele würden wegen des besseren Netto-Lohns nach Deutschland weiterziehen. Die Hochkonjunktur nicht zuletzt auf dem Bau verschärfe die Situation.

          Rumänische Erntehelfer beim Spargelstechen auf einem Feld in Weiterstadt (Südhessen).

          „Es gibt lohnendere Jobs, da ist die Landwirtschaft regelmäßig Zweiter“, so ein Sprecher in Österreich. Als Folge konnten viele Flächen nicht geerntet werden. Weder Arbeitslose noch Asylberechtigte würden sich um diese Arbeit reißen. Der Anreiz für Menschen aus einem Versorgungssystem für schwere Jobs sei endlich, meinte Wolfgang Dobritzhofer von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Die Kammer will künftig auch wegen Erdbeerernte und Weinlese in der Ukraine, in Bosnien-Herzegowina und in Mazedonien um Erntehelfer werben.

          In Deutschland erwartet Möller in diesem Jahr wieder eine ähnliche Zahl von Erntehelfern wie in den Vorjahren. Vielleicht liege die Zahl auch etwas niedriger, weil die Betriebe stärker versuchten, auf Technik zu setzen. Grund dafür ist auch der Mindestlohn – seit Jahresanfang müssen Agrarbetriebe wie andere Unternehmen mindestens 8,84 Euro pro Stunde zahlen. Viele zahlten auch Zuschläge, wenn Arbeiter im Akkord größere Mengen schafften, sagte Möller.

          Weitere Themen

          Kampf gegen den Dampf Video-Seite öffnen

          San Francisco : Kampf gegen den Dampf

          Nicht nur das Rauchen, auch die Herstellung von E-Zigaretten wird in San Francisco verboten. Eine schwierige Situation für die Ortsansässigen wie Juul Labs, einer der größten Hersteller von E-Zigaretten.

          Topmeldungen

          Oh Schreck! Der Gesundheits-Check!

          FAZ Plus Artikel: Führerschein : Kommt der Gesundheits-Check?

          Seit 20 Jahren gilt die Lkw-Fahrerlaubnis nicht mehr auf ewig, und keiner hat sich beschwert. Und auch junge Fahrer schwerer Wohnmobile mit mehr als 3,5 Tonnen müssen jetzt regelmäßig zum Arzt. Wann droht das dem Autofahrer?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.