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Medizintechnischer Fortschritt : So kann man Sehfehler sehr früh erkennen

  • -Aktualisiert am

Sie können dem Kind in die Augen sehen: Amblyopiescreening in der Kinderarztpraxis Bild: Plusoptix

Plusoptix ist Weltmarktführer und Pionier für spezielle Augenmessgeräte. Mit ihnen kann man sogar schon die Fehlsichtigkeit von Babys diagnostizieren.

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          „Im Durchschnitt leidet jedes fünfte Kind in Deutschland an einer angeborenen Sehstörung“, sagt Johannes Huber, Facharzt für Augenheilkunde aus Oberkirch in Baden-Württemberg. „Das Sehen ist ein Lernprozess und entwickelt sich in den ersten Lebensjahren. Wird diese Sehentwicklung durch einen angeborenen, unbehandelten Sehfehler gestört, entsteht in vielen Fällen eine lebenslange Schwachsichtigkeit (Amblyopie), die sich später nicht mehr beheben lässt.“ Es ist also wichtig, Sehstörungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Da Babys und Kleinkinder altersbedingt oft nur schwer zu untersuchen sind, sind bisher viele Fehlsichtigkeiten unerkannt geblieben. Für dieses Problem hat die Plusoptix GmbH eine Lösung gefunden.

          Das Nürnberger Unternehmen, das 30 Mitarbeiter beschäftigt, verkauft unter der Leitung von Jürgen und Christian Schmidt seit 2001 handgehaltene, binokulare Photorefraktometer. In diesem Bereich ist man nach eigenen Angaben Weltmarktführer. Die Geräte vertreibt Plusoptix in mehr als 60 Ländern. Ein binokulares Photorefraktometer misst in Sekundenschnelle die Brechkraft beider Augen gleichzeitig. Am erfolgreichsten sind die Vision-Screening-Geräte. Sie ermöglichten, „schnell und ohne Belastung eventuell bestehende Sehschwächen sehr frühzeitig, nämlich schon mit sechs Monaten, zu erkennen“, sagt Christian Schmidt.

          Das handliche mobile Gerät ist für Erstversorger wie Kinderärzte gedacht. Mit seinem lachenden Smiley-Gesicht und seinen lustigen Geräuschen lenkt es die Aufmerksamkeit des Kindes auf sich. Berührungslos wird aus einem Meter Entfernung in weniger als einer Sekunde eine Messung der Brechkraft beider Augen durchgeführt. Das Baby oder Kleinkind kann auf dem Schoß eines Elternteils sitzen.

          Preis zwischen 6350 und 8000 Euro

          Speziell für Augenarztpraxen ist das binokulare Autorefraktometer gedacht. Seine Handhabung unterscheidet sich nicht vom Vision Screener, er liefert jedoch ein differenzierteres Ergebnis. Autorefraktometer verwenden das Messprinzip des Durchleuchtungstests. Dabei bleiben die Pupillen auch ohne Weittropfen groß. Bei einem Durchleuchtungstest wird ein Lichtstrahl ins Auge projiziert und von der Netzhaut reflektiert. Der Lichtstrahl beleuchtet den zentralen Teil der Hornhaut, der Linse, des Glaskörpers und der Netzhaut. Durch die Verwendung von Infrarotlicht vermeiden Plusoptix-Geräte im Gegensatz zu anderen Durchleuchtungstests eine Blendung des Patienten, und die Bedienung ist einfach.

          Plusoptix stellt noch weitere Messgeräte her. Die Verkaufspreise hängen von den Leistungsmerkmalen ab und liegen zwischen rund 6350 und gut 8000 Euro. Kunden in Deutschland können die Geräte auch leihen. Sie bezahlten für jede Messung 4 Euro, sagt Christian Schmidt.

          Kunden sind Augenärzte, Optometristen, Orthoptisten, Kinderärzte, amerikanische Schulkrankenschwestern, Optiker, Gesundheitsämter und gemeinnützige Vereine. Eva Schittek ist Orthoptistin. Sie beschäftigt sich mit der Diagnostik und Therapie von Augenfehlstellungen und Sehstörungen, vorwiegend bei Kindern, und arbeitet in fünf Augenarztpraxen im Ortenaukreis in Baden-Württemberg. „Vier der Praxen haben das Autorefraktometer von Plusoptix“, erzählt sie. Viele Kinderärzte nutzten den Vision Screener. Das kindgerechte Design des Geräts sorgt nach Schitteks Erfahrungen für gute Laune beim Kind und könne ihm die Angst vor der Untersuchung nehmen. Ein großer Vorteil des Geräts sei die Schnelligkeit der Messung. „In wenigen Sekunden kann ich mir einen Überblick über die Refraktionsverhältnisse beider Augen des Patienten verschaffen; das ist gerade bei der Untersuchung von sehr kleinen oder unruhigen Kindern sehr hilfreich.“

          „Jeder hat uns gefragt, wozu unsere Geräte gut sein sollen“

          Nur in Deutschland werden die Geräte direkt an den Endkunden verkauft, denn der Gesundheitsmarkt ist fragmentiert. Mehr als 80 Prozent der Geräte verkauft das Unternehmen an seine Händler im Ausland, die diese dann an die Endkunden verkaufen. Von Äthiopien über Malawi bis nach Kongo werden die Produkte vertrieben. Der mit Abstand größte Händler ist die Tochtergesellschaft Plusoptix Inc. in den USA. Sie hat 2021 etwas mehr als 50 Prozent aller Geräte, gut 1000, an Kunden in den USA weiterverkauft. 2020 hat Plusoptix 1284 Produkte verkauft, 2021 waren es 2052, fast doppelt so viele.

          „Das Geschäftsjahr 2020 war von dem ersten Corona-Lockdown geprägt“, erklärt Schmidt. „Wir und unsere Händler konnten lange Zeit keine Geräte vorführen, um neue Kunden zu gewinnen.“ 2021 habe es dann Nachholeffekte gegeben und der Umsatz bei 7,2 Millionen Euro gelegen. Den Marktanteil in Deutschland gibt Schmidt mit 100 Prozent an; im Ausland betrage er 36 Prozent. Weiterhin kämpfe man mit Lieferengpässen, sagt er. Manche Teile, die man im Frühjahr 2021 bestellt habe, seien immer noch nicht eingetroffen.

          „Als wir 2006 die ersten Geräte verkauft haben, waren wir die Einzigen, und der Absatzmarkt war winzig klein. Jeder hat uns gefragt, wozu unsere Geräte überhaupt gut sein sollen“, erzählt Schmidt. Inzwischen gebe es viele Wettbewerber, beispielsweise Welch Allyn in den USA, Adaptica in Italien und Suoer in China. „Die chinesische Regierung schließt ausländische Anbieter bei öffentlichen Ausschreibungen im Gesundheitswesen aus. Dies bedeutet, dass wir in China wegen der Firma Suoer keine öffentlichen Aufträge erhalten können“, sagt Schmidt. „Suoer blockiert für uns also den chinesischen Markt und ist somit, obwohl das Unternehmen nirgendwo anders in Erscheinung tritt, ein Wettbewerber.“

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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