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Pleite : Katholischer Weltbild-Verlag ist insolvent

Filiale der kirchlichen Verlagsgruppe Weltbild in Berlin. Bild: dpa

Der Aufstieg vom kleinen katholischen Verlag zum führenden Medienhaus galt als beispielhaft. Am digitalen Wandel ist das Unternehmen gescheitert.

          3 Min.

          Deutschlands größtes Medienhandelshaus, die Verlagsgruppe Weltbild GmbH in Augsburg hat beim Amtsgericht Augsburg den Antrag auf eine Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist der Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz von der Neu-Ulmer Kanzlei Schneider Geiwitz & Partner bestellt worden. Die Kanzlei hat Erfahrung mit Großinsolvenzen aus den Fällen Schlecker, Manroland, Kunert oder Alpine Deutschland.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Derzeit ist von der Insolvenz nur die Augsburger Verlagsgruppe betroffen, nicht jedoch deren Filialen, die sie gemeinsam mit Hugendubel über die DBH Holding betreibt sowie die Auslandsgesellschaften in Österreich und der Schweiz.

          Die Weltbild GmbH ist im Internet unter Weltbild.de, jokers.de und buecher.de einer der größten Onlinebuchhändler hierzulande und betreibt ein klassisches Kataloggeschäft. Darüber hinaus betreibt sie die Buchhandelsketten Hugendubel, Weltbild plus, Weiland, Jokers und Wohlthat. Weltbild macht seit Jahren Verluste. Der letzte veröffentlichte Gruppenumsatz von 1,59 Milliarden Euro bezog sich auf das Geschäftsjahr 2011/12 (30 Juni). In den vergangenen sechs Monaten sei der Umsatz noch einmal stark gesunken.

          In der Nacht von Donnerstag auf Freitag haben sich die Eigentümer nicht auf eine weitere Finanzierung und Verlustübernahme einigen können. Der Sanierungsbedarf war binnen zweier Monate von zunächst 70 auf fast 140 Millionen Euro gestiegen. Die Eigentümerstruktur ist derzeit unübersichtlich. Bis Anfang November vergangenen Jahres gehörte Weltbild zwölf katholischen deutschen Diözesen, dem Verband der Diözesen Deutschlands, der den Anteil der Diözese Köln treuhänderisch verwaltet, und der Soldatenseelsorge Berlin. Größere Beteiligungen hatten der Verband der Diözesen (24,2 Prozent), die Erzdiözese München und Freising (13,2) sowie die Diözese Augsburg (11,7 Prozent).

          Im Rahmen eines Kapitalschnitts hatten die Eigentümer bereits 130 Millionen Euro verloren und einige ihrer Anteile, weil sie an der anschließenden Aufstockung über 60 Millionen Euro nicht teilgenommen hatten. Dieses Geld war vor allem von den Bistümern München Freising und Essen sowie der Soldatenseelsorge aufgebracht worden. Bistümer wie Mainz, Hildesheim und Augsburg hatten sich beteiligt, wollten sich aber nicht beteiligen. Gesellschafterstruktur ist offen.

          Ebenfalls Anfang November war bei Weltbild als Restrukturierungsvorstand der Sanierungsexperte Josef Schultheis eingestiegen. Schultheis hatte Erfahrung als Krisenmanager bei den Handelsunternehmen Karstadt und Praktiker sowie dem Baukonzern Alpine. Für die kirchlichen Vertreter wichtig war aber offenbar seine Sanierungstätigkeit bei der ehemaligen Gewerkschaftsholding BGAG in Frankfurt. Mit der Berufung Schultheis’ wollte man offenbar ein Signal setzen, keine rein kapitalistische Sanierung durch Zerschlagung durchführen zu wollen.

          Weltbild-Gruppe gilt weiter als sanierungsfähig

          Weltbild befindet sich in einer Umstrukturierungsphase vom analogen Buchhändler zum Onlinehändler. Bereits in den vergangenen Jahren hatte man unter der Führung des Vorsitzenden der Geschäftsführung, Carel Halff, das Filialnetz ausgedünnt, den Katalogversand zurückgefahren und voll auf den Onlinehandel gesetzt. Diese Umstellung war nicht konsequent genug, befand der neue Sanierer. Man hätte schneller umstellen und vor allem die Kostenstruktur deutlicher anpassen müssen. Mit dem Verkauf elektronischer Bücher war nicht nur ein Umsatzrückgang verbunden, weil die Bücher in der Regel 15 Prozent preiswerter sind als gedruckte Ausgaben. Vielmehr ging damit auch ein Renditerückgang einher, weil der Gewinn je Buch sinkt und weil die Kosten für neue Lesegeräte die geringeren Logistikkosten mehr als wettgemacht haben.

          Weltbild sei durch „eine harte Sanierung“ überlebensfähig, sagte Schultheis den Eigentümern. Aber der Zeitraum bis zum Erreichen der Gewinnzone werde eher bei drei als bei zwei Jahren liegen. Es müsse dem Haus gelingen, den Anteil digitaler Bücher am Umsatz von heute 5 Prozent binnen 3 Jahren auf mindestens 25, besser auf 30 Prozent zu erhöhen. Außerdem soll das zuletzt sehr ausgefranste Angebot der Gruppe auf einige Themen fokussiert werden. Voraussetzung für eine Sanierung sei eine Klärung der Finanz- und Gesellschafterstruktur. Und genau diese Voraussetzung ist jetzt weggebrochen.

          Wie viele der insgesamt in der Gruppe beschäftigten mehr als 6000 Mitarbeiter betroffen sind, ist noch offen. Wie viele ihren Arbeitsplatz verlieren, hängt vom Verlauf der Insolvenz ab und davon, ob Unternehmensteile verkauft oder fortgeführt werden können. Derzeit steckt die gesamte Buchbranche in einer Strukturkrise. Ein Verkauf von Weltbild als Ganzem war 2010 schon einmal gescheitert.

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