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Playmobil : „Nicht cool, sondern brav und erfolgreich“

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Kleine, heile Welt: Bei Playmobil geht (meistens) alles politisch korrekt zu. 1976 entstanden die ersten Frauen-Figuren, heute dürfen selbst die Polizisten weiblich sein Bild: Tobias Schmitt

Horst Brandstätter ist Alleininhaber des Playmobilherstellers Geobra Brandstätter. Im Interview erzählt er vom Aufstieg seiner Plastikmännchen, den Vorlieben der Kinder und der blonden Bankräuberin.

          5 Min.

          Herr Brandstätter, erinnern Sie sich noch an die ersten Playmobil-Figuren?

          Natürlich, das waren ein Ritter, ein Indianer und ein Bauarbeiter.

          Zu dem Bauarbeiter gehörten drei Bierkästen und 18 Bierflaschen. Dafür gab’s Proteste vom Jugendministerium.

          Na, aber ein Maurer ohne sein Fläschle Bier, das gibt’s doch nicht. Das war damals eben so.

          In dem Katalog sagte der gelbe Bauarbeiter: „Das ist heute schon meine fünfte Flasche.“ Und der grüne antwortete: „Macht nichts, es ist noch genug da.“ Wäre so etwas heute noch denkbar?

          Die Maurer trinken heute schon auch noch ihre Flasche Bier. Eine Flasche, würde ich sagen, dürfen sie trinken. Fünf müssen’s nicht sein. In unserem Sortiment gibt es das aber nicht mehr.

          Ihre Firma Geobra Brandstätter hat zunächst Registrierkassen, Haustelefone und Hula-Hoop-Reifen verkauft. Wie ist Playmobil entstanden?

          Wir konnten mit unseren Wettbewerbern in Spanien, Jugoslawien und im Fernen Osten preislich nicht mehr mithalten. Die Aufwendungen für ein neues Produkt sind hoch: Da muss man erst mal eine Weile nachdenken, ein Muster entwerfen und die Form bauen. Erst dann kommt es auf den Markt. Ein Jahr später will der Einkäufer aber schon wieder etwas Neues! Also wollten wir ein Systemspielzeug entwickeln, bei dem eins zum anderen passt und das Sie immer wieder erweitern können. In einem Jahr kaufen Sie ein Auto, im nächsten vielleicht die Garage. Unser Erfinder Hans Beck hat sich viele Gedanken gemacht, was Kinder wollen.

          Die Figuren haben Sie erstmals auf der Spielwarenmesse 1974 in Nürnberg gezeigt. Zunächst sah alles nach einem Flop aus.

          Ich habe versucht, Playmobil attraktiv zu präsentieren, aber die Einkäufer haben sich nicht dafür interessiert, die sind vorne rein und hinten gleich wieder raus. Nur Otto Simon, ein wichtiger Großhändler aus Holland, hat sofort gesagt: Davon kaufe ich eine Million.

          Ruhestand mit 80? Nein danke: Horst Brandstätter am Schreibtisch
          Ruhestand mit 80? Nein danke: Horst Brandstätter am Schreibtisch : Bild: Tobias Schmitt

          Holland hat Ihnen als Markt nicht gereicht. Wie haben Sie deutsche Einkäufer überzeugt?

          Denen musste ich mit einem Trick zu Leibe rücken. Am letzten Messetag hab ich dem Chef der Vedes, einer Vereinigung der Spielwarengeschäfte, Playmobil gezeigt. Ihm haben die Figuren gefallen, er wollte sie gleich exklusiv haben. Dann hab ich die Einkäufer der großen Warenhäuser angerufen und gesagt: Ich muss Ihnen fairerweise mitteilen, dass ich ein neues Spielzeug habe. Sie haben sich auf der Messe nicht besonders dafür interessiert. Jetzt habe ich aber einen Kunden, der es exklusiv will.

          Und plötzlich hatten alle Angst, etwas zu verpassen?

          Ich wusste ja: Wenn ein Einkäufer einen Trend verschläft, dann fliegt er. Also haben sich alle schnell noch mal ein Muster schicken lassen. So hab ich Playmobil doch noch in die Regale gebracht, wenn auch nicht überall.

          Inzwischen gibt es weltweit rund 2,6 Milliarden Playmobil-Figuren. Für sie gelten feste Prinzipien. Eines lautet: Playmobil soll eine heile Welt sein, ohne Gewalt.

          Am Anfang haben die Cowboys bei Playmobil keine Pistole gehabt. Da haben die Kinder uns Briefe geschrieben und protestiert: Einen Cowboy ohne Pistole, so etwas gebe es doch nicht. Also haben wir Zugeständnisse gemacht. Die Cowboys haben eine Winchester-Pistole bekommen, die Ritter ein Schwert. Panzer wird es bei uns aber nie geben.

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