https://www.faz.net/-gqe-79z96

Playmobil : „Nicht cool, sondern brav und erfolgreich“

  • Aktualisiert am

Nee. Also Ruhestand, das ist doch langweilig. Ich bin 60 Jahre mit dem Unternehmen verbunden, ich habe es aufgebaut, und ich habe viele Dinge so gestaltet, wie sie heute sind. Da will ich doch sehen, wie’s weitergeht. Wenn es irgendwie geht, komme ich jeden Tag ins Büro, bevor ich nachmittags auf den Golfplatz gehe. Es gibt immer wieder Themen, bei denen ich Anregungen geben kann: Baumaßnahmen zum Beispiel, Maschinen oder neue Produkte. Ab und zu fällt mir noch was ein.

Sie sind Alleininhaber der Firma. Wie weit reden Sie Ihrer Geschäftsführerin Andrea Schauer in ihre Arbeit rein?

Ich sage Frau Schauer selten, was sie tun soll. Sie kennt Playmobil sehr gut, sie ist ja auch Mutter. Allerdings kommt sie oft und fragt mich was. Das wundert mich.

Warum?

Weil ich doch jetzt mehr Rentner bin und ich Frau Schauer so einschätze, dass sie mittlerweile mehr vom Playmobil-Geschäft versteht als ich.

Lizenzen kauft Playmobil nicht, bald sind aber Figuren des niederländischen Königspaars Willem-Alexander und Maxima erhältlich
Lizenzen kauft Playmobil nicht, bald sind aber Figuren des niederländischen Königspaars Willem-Alexander und Maxima erhältlich : Bild: dpa

Mit welchen Fragen kommt sie denn zu Ihnen?

Meistens sind es Themen, bei denen meine Erfahrung wichtig ist. Wenn ich jetzt so nachdenke, haben wir in letzter Zeit viel über Herrieden gesprochen. Da wird für 50 Millionen Euro unser neues Logistikzentrum gebaut. Es ist ja schließlich mein Geld. Investitionen sind notwendig, aber dann will ich auch wissen, warum und wofür.

Im Winter können Sie ihr nur aus der Ferne helfen, den verbringen Sie nämlich auf Jupiter Island in Florida.

In meinem Bekanntenkreis gibt es Unternehmer, die von ihrem Schreibtisch nicht loskommen. Ich sage immer: Wenn der Kapitän der Einzige ist, der weiß, wo der Kompass ist, und er fällt über Bord, geht das Schiff verloren. Das heißt, wenn mir morgen etwas passiert, dann ist die Firma nicht vorbereitet. Die Zeit, in der ich nicht da bin, müssen meine Mitarbeiter selbst Entscheidungen treffen.

Aber Sie sind ja noch da. Zumindest schicken Sie aus Florida jeden Tag Faxe mit Anweisungen.

Ich bin noch da und vor allem: Ich komme ja wieder zurück. Der erste Winter, den ich in Florida verbracht habe, war eine kleine Katastrophe. Da hat jeder gemacht, was er wollte. Heute klappt das besser.

Ihre Firma wird irgendwann in eine Stiftung übergehen. Warum vererben Sie sie nicht Ihren beiden Söhnen, 60 und 61 Jahre alt?

Ich habe Angst, dass Unruhe aufkommt, wenn die Kinder das Sagen haben. Erst recht, wenn’s zwei Charaktere sind: Die streiten sich, haben unterschiedliche Auffassungen. Das Risiko gehe ich nicht ein. Meine Aufgabe ist es, das Unternehmen in Hände zu legen, die wissen, was sie tun und die das nicht aus egoistischen Gründen in die falsche Richtung fahren.

Playmobil soll weiter Playmobil bleiben?

Wenn ich die Firma verkaufen würde, beispielsweise an einen Amerikaner, hätte ich starke Bedenken, ob Playmobil nach ein paar Jahren noch so ist, wie es jetzt ist. Dann kommen vielleicht die Panzer. Oder die Lizenzen.

Haben Sie bestimmte Vorstellungen festgelegt, wie Playmobil von der Stiftung geführt werden soll?

Es ist eine Doppelstiftung: eine gemeinnützige Stiftung und eine Unternehmensstiftung. In der Unternehmensstiftung sind die wichtigsten Mitarbeiter vertreten. Ich habe nicht festgelegt, wie sie das Unternehmen führen sollen. Die Zeit geht ja auch weiter, die Bedürfnisse ändern sich. Es wäre nicht gut, wenn man nach heutigen Gesichtspunkten Regeln aufsetzt. Die würden nach einer gewissen Zeit von der Realität überholt.

Der Playmobil-Chef

Horst Brandstätter trat 1952 in die Firma Geobra Brandstätter ein, die nach seinem Großvater Georg Brandstätter benannt ist. Dort machte er zunächst eine Ausbildung zum Formenbauer. 1971 beauftragte er seinen Chef-Mustermacher Hans Beck, eine völlig neue Systemidee zu entwickeln: So entstanden die 7,5 Zentimeter großen Playmobil-Figuren, für die das Unternehmen heute bekannt ist. Brandstätter ist bekannt für seinen immer gleichen Kleidungsstil: Blauer Pulli, darunter ein weißes Hemd, offene Sandalen, Socken. Er ist Alleininhaber der Firma und kommt jeden Tag in die Zentrale in Zirndorf bei Nürnberg; wenn das Wetter es zulässt, spielt er nachmittags Golf. Den Winter verbringt er auf Jupiter Island in Florida, wo er Golfprofi Tiger Woods zum Nachbarn hat. Horst Brandstätter wird am 27. Juni 80 Jahre alt.

Weitere Themen

Topmeldungen

Xi Jinping ist auf einem großen Bildschirm zu den Feierlichkeiten des 100. Jahrestag der Gründung der Kommunistischen Partei zu sehen.

Chinas kalter Krieg : Kontrolle ist das Ziel

Fast täglich schickt die Regierung in Peking die Aktienkurse chinesischer Tech-Unternehmen auf Talfahrt. Dahinter steckt der Glaube, der Kampf gegen Amerika sei nur mit einer Rückkehr zu kommunistischer Politik zu gewinnen.
Die kalifornische Schriftstellerin Emma Cline

Neue Storys von Emma Cline : Warum diese Typen so sind

Die Manson-Sekte lieferte Emma Cline den Stoff für ihr Romandebüt „The Girls“. In ihrem neuen Buch „Daddy“ geht es wieder um privilegierte Männer mit toxischen Manieren. Ein Gespräch über MeToo, den Klimawandel und die Sehnsucht nach Familienidylle.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.