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Playmobil : „Nicht cool, sondern brav und erfolgreich“

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Die Kinder haben also Einfluss darauf, welche Figuren Sie herstellen?

Oh ja! Wir kriegen viele Kundenbriefe, etwa 150 im Monat. Die Kinder sagen uns schon, was sie wollen.

Schwerter haben die Männchen inzwischen in der Hand - Playmobil-Panzer wird es aber nicht geben
Schwerter haben die Männchen inzwischen in der Hand - Playmobil-Panzer wird es aber nicht geben : Bild: dapd

Haben die Kinder sich auch eine weibliche Bankräuberin gewünscht?

Daran kann ich mich nicht erinnern.

Die blonde Frau aus dem Bankraub-Set hat ganz schön für Proteste gesorgt, vor allem von Waffengegnern in England, aber auch in Deutschland.

Ja? Wir haben bei Playmobil inzwischen so viele verschiedene Figuren, dass ich ehrlich gesagt gar nicht alle kenne. (Seine Sprecherin zeigt ihm die Bankräuberin im Prospekt.) Diese ist mir bisher nicht aufgefallen.

Ein zweites Playmobil-Prinzip: Sie kaufen keine Lizenzen, etwa von Star Wars oder Harry Potter. Warum nicht?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens wollte Herr Beck, der Playmobil-Erfinder, dass die Figuren Freiheit lassen für Phantasie. Wenn man eine Lizenzfigur herstellt, ist der Charakter schon definiert. Zweitens läuft ein Film auch irgendwann aus. Und dann ist das Spielzeug nicht mehr gefragt, es wird weggeschmissen. Playmobil soll aber nicht entsorgt werden, es wird vererbt. Drittens verlangen die Lizenzgeber ja Gebühren. Der Konsument bezahlt deshalb für solche Figuren etwa ein Drittel mehr, das ist eine Menge Geld. Und ich sehe nicht ein, wieso man den Star-Wars-Erfinder George Lucas reich machen sollte.

Sie bleiben bei klassischen Spielmotiven. Ist das nicht auch langweilig? In fast 40 Jahren haben sich die Figuren kaum verändert.

Es stimmt, sie haben sich kaum verändert. Die Hände sind heute beweglich, ein paar Details sind dazu gekommen. Aber so arg langweilig kann es nicht sein, sonst würde der Umsatz zurückgehen, das tut er aber nicht. Langweilig, hm. Nicht cool genug, meinen Sie vielleicht?

Genau.

Na ja, wir denken schon darüber nach, ob die Jungs das Brave an Playmobil noch haben wollen. Aber so wie die Figuren im Moment sind, sind sie sehr erfolgreich. Dann lassen wir sie mal vorerst so.

Ihr Umsatz ist 2012 um 5,3 Prozent auf 531 Millionen Euro gewachsen. Der einzige Makel: Sie sind damit hinter Ihren großen Konkurrenten Lego und Mattel nur auf Platz drei.

Lego ist ein sehr erfolgreiches Unternehmen, die Produkte sind gut. Ich erinnere mich allerdings noch, dass 1976 Herr Beck zu mir kam. Er sagte: Vor einem Jahr gab es keine Lego-Packung mit Figur. Heute gibt es keine Schachtel mehr ohne eine Figur.

Sie meinen, Lego hat sich die Idee bei Ihnen abgeschaut?

Das ist zweifellos so. Lego hat nicht unsere Figuren nachgemacht. Aber die Idee, welche ins Sortiment aufzunehmen.

Sie könnten dafür die Lego-Steine nachbauen. Lego gilt als kreativer, weil die Kinder alles selbst zusammenbauen müssen.

Die Lego-Steine haben schon ihre Daseinsberechtigung. Aber wir wollen jetzt nicht hergehen und auch noch Lego-Steine produzieren.

Herr Brandstätter, Sie werden am 27. Juni 80 Jahre alt, sind seit mehr als 60 Jahren im Unternehmen. Ist es da nicht langsam Zeit für den Ruhestand?

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