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Plattenfirma : Citigroup übernimmt Musikkonzern EMI

Machte die Londoner EMI-Studios weltberühmt: das „Abbey Road”-Cover von den Beatles aus dem Jahr 1969 Bild: Archiv

Der britische Musikkonzern EMI strauchelt seit langem. Jetzt hat die amerikanische Großbank Citigroup das traditionsreiche Plattenlabel übernommen, weil es ihr Milliarden schuldete. Es wird erwartet, dass die Citigroup EMI rasch weiterverkaufen wird.

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          Der finanziell angeschlagene britische Musikkonzern EMI wird von der Gläubigerbank Citigroup übernommen. Der bisherige Eigentümer, die Beteiligungsgesellschaft Terra Firma, habe alle Unternehmensanteile an das amerikanische Kreditinstitut übertragen, teilte EMI mit. Das traditionsreiche Plattenlabel zählt zu den vier Weltmarktführern, die das globale Tonträgergeschäft beherrschen und vertreibt unter anderem die Musik der Beatles, von Pink Floyd und Coldplay.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „EMI ist eine Unternehmensikone und wir unterstützen das Management und seine Strategie rückhaltlos“, versicherte der Citigroup-Manager Stephen Volk. Das Plattenlabel habe nach der Übernahme durch die Citigroup „die stabilste Bilanz in der Branche“, sagte Vorstandschef Roger Faxon, der den Musikkonzern weiter führen soll.

          Es wird erwartet, dass die Citigroup EMI rasch weiterverkaufen wird. Spekuliert wird unter anderem über einen Schulterschluss mit dem Konkurrenten Warner Music. Auch eine Abspaltung des Musikverlagsgeschäfts von der kriselnden Tonträgersparte gilt als denkbar. Für die Verlagsrechte dürfte sich unter anderem der Finanzinvestor KKR interessieren, der zusammen mit dem Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann den Musikverlag BMG Publishing gegründet und durch Zukäufe rasch ausgebaut hat.

          Für den Finanzinvestor Terra Firma ist EMI zum Milliardendebakel geworden, der auch seine eigene Zukunft in Frage stellt. Zugleich ist das Scheitern zu einem Musterbeispiel für die Exzesse im überhitzten Private-Equity-Geschäft vor Ausbruch der globalen Finanzkrise geworden. Die Beteiligungsgesellschaft unter der Führung des Finanzmanagers Guy Hands hatte das damals schon kriselnde Plattenlabel im Sommer 2007 für rund 4 Milliarden Pfund gekauft - ein aus heutiger Sicht völlig überzogener Kaufpreis. Um die Akquisition zu stemmen hat Terra Firma dem Musikunternehmen hohe Schulden aufgeladen, musste wegen der schlechten Geschäftsentwicklung von EMI aber mehrfach Kapital nachschießen. Nun muss sich Terra Firma geschlagen geben und die Kontrolle über das Unternehmen aufgeben.

          Die Citigroup und Terra Firma haben mehr als ein Jahr um die Kontrolle über EMI gerungen. Terra Firma hat die Bank vergangenes Jahr auch verklagt, den Prozess aber verloren. Die Citigroup erlässt EMI im Rahmen der jetzt vereinbarten Schuldenrestrukturierung 65 Prozent der Verbindlichkeiten. Die Schulden schrumpfen damit auf 1,2 Milliarden Pfund.

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