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„Plastikfasten“ : Rewe verbannt die dünnen Plastiktüten – aber nur kurz

  • -Aktualisiert am

Ein Mann legt in einem Supermarkt einen Apfel in ein Mehrweg-Frischenetz, das immer wieder beim Einkauf von Obst und Gemüse benutzt werden kann. Bild: dpa

Rewe will seine Kunden bei dem Gebrauch von Plastiktüten umerziehen: Eine Woche lang sollen die Kunden Obst und Gemüse anders einpacken. Markus Söder verlangt sogar dauerhaft ein bundesweites Plastiktütenverbot.

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          Umweltpolitikern sind sie ein Graus, unter Supermarktkunden erfreuen sie sich aber weiter großer Beliebtheit: die kleinen dünnen Plastiktüten in der Obst- und Gemüseabteilung. Drei Milliarden Mal griffen die Verbraucher im vergangenen Jahr zu einem dieser „Hemdchenbeutel“ – schließlich sind sie praktisch und kosten nichts. Allen Klimaschutzbekenntnissen zum Trotz: Seit vielerorts die dickeren Plastiktüten an den Kassen verschwunden sind, steigt der Verbrauch der hauchdünnen Beutel sogar tendenziell noch weiter an.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Nun wagt sich die Supermarktkette Rewe auf gefährliches Terrain: In der Woche vom 19. bis 24. August verbannt sie in den Filialen im Norden und Osten Deutschlands die Plastiktüten für Obst und Gemüse – testweise, wie ein Sprecher des Unternehmens betont. Er spricht von „Plastikfasten“. Man wolle sehen, wie die Kunden auf das Fehlen der Beutel reagieren. Das Unternehmen hofft, dass künftig mehr Menschen ohne sie auskommen, ihre eigenen Beutel für loses Obst und Gemüse mitbringen oder für 99 Cent ein wiederverwendbares Netz im Laden kaufen.

          Ab Herbst soll es Konzepte geben

          Das Testgebiet umfasst 1000 Filialen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg und allen ostdeutschen Bundesländern. Die Kunden für das Thema sensibilisieren will auch der Discounter Aldi. Er hat im Juni angekündigt, dass es die dünnen Obstbeutel künftig nicht mehr kostenlos gibt, sondern den Kunden dafür 1 Cent berechnet wird. In den sozialen Netzwerken wurde Aldi daraufhin kritisiert. Viele Nutzer warfen dem Unternehmen vor, zu feige für radikalere Schritte wie die Abschaffung der Tüten zu sein.

          Andere forderten dagegen, dass die Tüten gratis bleiben sollten. Die Deutsche Umwelthilfe sprach von „Symbolpolitik“. Sie sähe den Preis für die dünnen Kunststoffbeutel am liebsten auf 22 Cent heraufgesetzt und verweist dabei auf Länder wie Irland. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat den Handel aufgefordert, bis zum Herbst Konzepte für weniger Plastik in den Supermärkten vorzulegen. Dabei geht es neben den Tüten auch um das viele schon abgepackte Obst und Gemüse, das oft gleich in mehreren Schichten Plastik steckt.

          Die Supermarktkette Edeka verweist darauf, dass in ihren Läden schon mehr als die Hälfte des Sortiments in diesem Bereich ohne Plastikverpackung angeboten werde. Zudem habe man in den vergangenen drei Jahren mehr als 100 Millionen der „Knotenbeutel“ eingespart. Einem reicht das alles nicht: dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Seit dem erfolgreichen Volksbegehren zum Schutz der Bienen versucht er sich als Umweltpolitiker zu profilieren. Vor wenigen Tagen kündigte er an, Bayern wolle eine Bundesratsinitiative für ein deutschlandweites Plastiktütenverbot starten. Ähnlich wie Schulze will auch Söder jetzt Gespräche mit dem Handel führen.

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