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Plan aus Ludwigshafen : BASF will führender Anbieter von Autobatterie-Teilen werden

BASF am Stammsitz in Ludwigshafen Bild: dpa

Der größte Chemiekonzern der Welt rüstet sich für den Umbau der Automobilindustrie in Europa – weg vom Verbrennungsmotor und hin zur Elektromobilität. So sieht der Plan aus.

          Der Chemiekonzern BASF rüstet sich für den Umbau der Automobilindustrie in Europa – weg vom Verbrennungsmotor und hin zur Elektromobilität. Auf dem Weg zum führenden Anbieter von Materialien und Komponenten für Batterien kündigte das Unternehmen nun an, in Europa eine Fabrik für Kathodenmaterialien zu bauen. Kathoden sind Pole einer Lithium-Ionen-Batterie und chemisch anspruchsvoll konstruiert. Nach früheren Angaben machen solche Hochleistungsmaterialien fast ein Drittel der Herstellungskosten einer Batterie aus.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          BASF will bis zu 400 Millionen Euro in die Produktion investieren, wo das Werk stehen soll, ist noch nicht entschieden. Im amerikanischen Ohio, in einem mit einem Großteil staatlicher Mittel aufgebauten kleineren Werk, produziert BASF bereits Batteriechemikalien. Auch in Japan ist der deutsche Konzern bereits aktiv, in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem japanischen Konzern Toda. Das Werk in Europa wäre vermutlich das mit Abstand größte.

          Die Regierung macht Druck

          Als Lieferant und Kooperationspartner hat sich BASF für den russischen Erzkonzern Norilsk Nickel entschieden, mit dem bereits in anderen Geschäftsfeldern zusammenarbeitet wird. Norilsk, beheimatet in der gleichnamigen sibirischen Großstadt, soll von seinen Werken im finnischen Harjavate aus, die für die Kathodenproduktion wesentlichen Rohstoffe Nickel und Kobalt liefern.

          Seine Lieferanten in Amerika und Japan nennt der Konzern nicht. Die beabsichtigte Zusammenarbeit mit Norilsk Nickel und der Bau der neuen Produktion in Europa würden zu einer stabilen Lieferkette führen und es BASF ermöglichen, die Produktion von Batteriechemikalien global auszuweiten, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

          Noch gibt es in Deutschland keine eigene Batteriefabrik, obwohl die Bundesregierung der Industrie Druck macht. Die Politik hält eine eigene Fabrik für wesentlich, um in der Entwicklung der Elektromobilität Schritt halten zu können und unabhängig zu blieben. Bosch hat angekündigt, einen solchen Bau zu prüfen, eine Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen.

          BASF selbst will sich lediglich als Zulieferer positionieren, auch Batteriezellen will der Konzern aus Ludwigshafen nicht selbst produzieren. Konzernchef Kurt Bock hat Elektromobilität zwar als eines der vielen Zukunftsfelder ausgerufen, zugleich aber betont, dass in diesem Geschäft dicke Bretter zu bohren seien. Neben Kathoden-Materialien hat BASF Elektrolyte im Programm, ob es dabei bleibt, wollte der Konzern gestern auch nicht kommentieren.

          Das Elektrolyt-Geschäft in China hat er verkauft, nur in Amerika produziert er noch. Die lokale Produktion von Vorstufen für Kathoden-Materialien sei ein wichtiger Schritt, um die Entwicklung in Europa zu unterstützten, hieß es lediglich. Eine regionale Lieferkette für Batteriematerialien werde die Beschaffungsrisiken für Batteriezellenhersteller und Autobauer reduzieren.

          Zusammen mit Norilsk

          Nach früheren Angaben taxiert BASF den Weltmarkt für Kathodenmaterialien und Elektrolyten auf insgesamt 5 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2020 will der weltgrößte Chemiekonzern das Geschäft, das heute kaum zu den Erlösen beiträgt, auf 500 Millionen Euro Umsatz bringen.

          Die Zusammenarbeit mit Norilsk Nickel zeigt exemplarisch, mit welchem Aufwand die „saubere“ Antriebsenergie der Zukunft teilweise erzeugt werden muss. Nicht in Finnland, aber doch in Norilsk selbst, hat der Schwermetallabbau zu einer enormen Umweltverschmutzung geführt. Die Belastung der Luft ist enorm. Die ehemalige Gulag-Stadt im ewigen Eis ist durch den Nickel-Abbau zwar wohlhabend geworden, sie gehört zugleich aber auch zu den dreckigsten Städten der Welt. Seit einigen Jahren dürfen Ausländer nur mit Genehmigung dort hinreisen.

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