https://www.faz.net/-gqe-90ax9

Pläne von VW : Audi soll zehn Milliarden Euro sparen

In Barcelona: Audi-Chef Rupert Stadler stellt den neuen Audi A8 vor. Hat er tatsächlich noch ein Jahr, um sich zu beweisen? Bild: Reuters

Die Sparkarawane im VW-Konzern erreicht Audi. Nach der Kernmarke Volkswagen will der Premiumhersteller so auf die Entwicklungen in der Elektromobilität reagieren.

          Audi ist der profitabelste Teil im Wolfsburger Volkswagen-Konzern. Im ersten Halbjahr leistete die Ingolstädter Premiummarke mit 2,7 Milliarden Euro den größten Beitrag zum Konzernergebnis von 8,9 Milliarden Euro, deutlich vor der Schwestergesellschaft Porsche und der Kernmarke VW. Die hat mit einem auf 1,8 Milliarden Euro verdoppelten Betriebsergebnis aber aufgetrumpft. VW präsentiert die ersten Sparerfolge. Nun ist Audi an der Reihe.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Aus Konzernkreisen ist zu vernehmen, dass die Premiummarke Kräfte freisetzen müsse, um den Anschluss in der E-Mobilität nicht zu verpassen. Daher sollen in den nächsten fünf Jahren die Kosten um 10 Milliarden Euro durch effiziente, markenübergreifende Produktionen und Entwicklungen neuer Modelle gesenkt werden. Mit den freiwerdenden Mitteln muss Audi versuchen, sich in den kommenden zehn Jahren einer attraktiven Elektroautomobil-Flotte über alle wichtigen Baureihen gegen einen harten Wettbewerb zu stemmen und den Eintritt in das Strom-Zeitalter zu vollziehen. Natürlich hat sich Audi zu den Einzelheiten des Vorhabens nicht geäußert. „Wir nehmen keine Stellung zu Medienmeldungen“, heißt es lapidar zu einem Bericht des „Handelsblatt“, der mit zahlreichen Details über das Sparprogramm gefüttert worden ist.

          Alle müssen effizienter werden

          Mit seinem Sparprogramm zeigt Audi jetzt, welchen Teil die Premiummarke damit auch zur Gesamtstrategie 2025 des Konzerns beitragen muss, die Volkswagen-Vorstandvorsitzender Matthias Müller vor gut einem Jahr vorgestellt hat. Er machte damals deutlich, dass die Premiumhersteller Audi und Porsche bei der Entwicklung neuer Premiummodelle enger zusammenarbeiten werden. Die Strategie 2025 gelte für die gesamte Gruppe als Klammer, mahnte Müller die bisherige Konzernräson an. Wie viel jede Marke dazu beiträgt, Kosten spart und damit die Wende zur Elektromobilität mitfinanziert, sollen in Zukunft weiterhin die einzelnen Marken selbst entschieden.

          Dezentralisierung und mehr Verantwortung der einzelnen Marken ist die zweite Seite der neuen Konzernstrategie in Wolfsburg; am Ende muss jedoch das Ergebnis stimmen. Konkrete Vorgaben haben die Tochterunternehmen dem Vernehmen nach aus Wolfsburg nicht erhalten. Jede Marke müsse klar kommunizieren, was für sie realistisch halte. Müller hatte das bei der Vorstellung der Konzernstrategie im Juni 2016 gefordert: „Alle Marken und Bereiche müssen und werden ihren Beitrag zur Effizienzsteigerung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg leisten.“ VW-Markenchef Herbert Diess hat im Zukunftspakt mit den Betriebsräten ehrgeizige Ziele ausgehandelt, ihm ist angesichts der großen Bedeutung der Marke VW und der Renditeschwäche die zentrale Rolle in der Konzernstrategie zugetragen worden. Diess will die Produktivität der Kernmarke bis 2020 um 25 Prozent erhöhen, in diesem Jahr um 7,5 Prozent. „Wir müssen bereit sein, uns schnell zu verändern, neue Fähigkeiten aufzubauen und auch alte Zöpfe abschneiden.“

          Wie lange bleibt Rupert Stadler?

          Im Volumensegment übernimmt die Marke VW in der Elektromobilität weiter die Verantwortung. Die Kernmarke musste – anders als die Ingolstädter Premiummarke – Einschnitte vornehmen, um die im Vergleich zu Audi, Porsche und Skoda zu niedrige Rendite zu verbessern. Nun sind die Ingenieure von Audi und Porsche gefordert, die sich bislang oft als Wettbewerber betrachteten. Sie müssen in der Entwicklung der Elektromobilität für Premiumfahrzeuge eng zusammenarbeiten. Das scheint noch fremd für die beiden selbstbewussten Unternehmen zu sein. Stuttgart und Ingolstadt haben künftig zu vermeiden, für gleiche Entwicklungsprojekte jeweils hohe Summen zu investieren.

          Für die bestehenden Entwicklungen der von Audi bis zum Jahr 2020 geplanten Modellpremieren unter dem Namen „E-Tron“ – zwei strombetriebene Geländewagen 2018 und 2019 sowie ein Kompaktmodell 2020 – gilt das noch nicht. Danach aber dürfte Schluss sein mit Eigenbrötlereien. Das Entwicklungstempo wird zunehmen. Bislang hat der Autohersteller aus Ingolstadt nur davon gesprochen, dass er sukzessive alle Kernbaureihen mit E-Tron-Varianten ausstatten will, nannte aber nie eine Zeitachse. Der Entwicklungsaufwand für ein neues Modell ist nach der VW-Blaupause deutlich zu reduzieren. Teure Änderungen noch kurz vor Serienreife soll es nicht mehr geben. In der Produktion wird Audi, wie schon bisher, auf den Werksverbund zurückgreifen; nun wohl intensiver als bisher. Und vielleicht erhält der so heftig kritisierte Audi-Vorstandschef Rupert Stadler tatsächlich noch eine Chance, sich mit dem neuen Sparprogramm zu profilieren.

          Es könnte knapp werden, zumal schon Nachfolger für ihn gehandelt werden und über den Rausschmiss von vier Audi-Vorständen im Zuge des Dieselskandals spekuliert wird. Wolfsburg scheint zu einem erheblichen Teil Stadler und den Audi-Vorstand die Schuld für die Misere zu geben, in der sich der gesamte Konzern befindet. Stadlers Vertrag für den Chefposten bei Audi wurde zur Überraschung vieler Beobachter gerade erst bis zum Ende des Jahres 2022 verlängert. Entscheidender allerdings ist, was mit dem Vertrag als VW-Konzernvorstand geschieht, der erst nach seiner Ernennung an der Audi-Spitze zeitversetzt abgeschlossen wurde. Dessen Verlängerung steht Ende 2018 an. Beobachter zweifeln, dass Rupert Stadler noch so viel Zeit hat, um sich zu beweisen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erzielte das entscheidende Tor: Eintracht-Profi Sebastian Rode

          Frankfurt steht im Halbfinale : Die magische Nacht der Eintracht

          Mit einer furiosen Leistung hat Frankfurt doch noch das Halbfinale der Europa League erreicht. Nach der Hinspiel-Niederlage gelingt gegen Benfica Lissabon nun ein 2:0-Erfolg. Doch die Eintracht hat dabei auch großes Glück.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.