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Pläne in der Auto-Branche : Ein Elektroauto für 15.000 Euro

Renault-Chef Luca de Meo bei der Vorstellung des Megane eVision. Bild: AFP

Renault will mit zwei neuen E-Modellen an seine früheren Erfolge anknüpfen. Derweil plant Foxconn, mit seinen Bauteilen bald schon in jedem zehnten Elektroauto vertreten zu sein.

          2 Min.

          Renault konnte schon länger nicht mehr mit guten Nachrichten aufwarten: Die Affäre um Carlos Ghosn, die Schwierigkeiten in der Allianz mit Nissan und im Mai dann die Ankündigung, dass der Konzern global 15.000 Stellen abbaut. Am Donnerstagabend hat der zur Jahresmitte angetretene Konzernchef Luca de Meo versucht, wieder mehr Licht auf das Kerngeschäft von Renault, den Fahrzeugbau, zu richten. Der italienische Manager, der bis zum vergangenen Jahr noch die VW-Tochter Seat lenkte, stellte zwei Elektro-Modelle vor: Ein Billig-Modell der rumänischen Tochtergesellschaft Dacia namens Spring, das nach unbestätigten Pressemeldungen rund 15.000 Euro kosten soll. Nach Abzug des in Frankreich erhältlichen Bonus blieben sogar nur 10.000 Euro für einen Wagen mit einer Reichweite von 295 Kilometern, heißt es. Mit dem Spring wollen Renault und Dacia an ihre Erfolge mit kostengünstigen Fahrzeugen wie dem Logan und dem Duster anknüpfen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          In den Augen von de Meo ist Renault ein Pionier auf dem Feld der Elektrofahrzeuge: Der Kleinwagen Zoe, der erstmals 2013 auf den Markt kam, „ist in diesem Jahr das meist verkaufte Elektroauto der Welt nach dem Tesla Model 3“, berichtete er; allein in Frankreich hat der Hersteller in diesem Jahr 110.000 Stück davon verkauft; weltweit seien 350.000 Elektroautos von Renault auf den Straßen unterwegs.

          Eine Reichweite von 450 Kilometern

          Eine komplette Palette hat der Konzern allerdings noch nicht aufzuweisen, gerade im höherwertigen Segment klaffen Lücken. Diese soll eine neue Familien von Megane mit Elektroantrieb („und mit goldenem ‚e’ am Namensende“) schließen. Anfang 2022 soll der „Megane eVision“ aus der C-Klasse auf den Markt kommen. De Meo beschrieb ihn als kompaktes Fahrzeug (15 Zentimeter kürzer als vergleichbare Wagen der C-Klasse), innen aber doch geräumig und mit einem Gewicht von 1650 Kilo, womit das Fahrzeug unter der in Frankreich geplanten Gewichtssteuer bleibt, die bei 1800 Kilogramm einsetzen soll.

          Die Batterie, die eine Kraft von 220 PS haben soll, sorge für eine Reichweite von 450 Kilometern. Als Grundlage nutzt Renault im Rahmen seiner Allianz mit Nissan und Mitsubishi eine Plattform, auf die schon Nissan für seinen elektrisch betriebenen SUV Ariya setzt. Eine ganze Fahrzeugfamilie soll auf der Plattform entstehen. „Mehr als 300 Patentanträge wurden dafür eingereicht“, berichtet de Meo. Der Konzern ist auf seine Verfahren zum Recycling von Batterien stolz. 30 Prozent der neuen Autos von Renault seien schon aus wiederverwerteten Materialien gebaut. Mit Recycling und Wiederverwendung setze Renault heute mehr als 500 Millionen Euro im Jahr um.

          De Meo erwartet, dass der weltweite Automarkt in fünf Jahren zur Hälfte aus Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen bestehen werde. Bis dahin ist aber noch ein Stück Weg zurückzulegen. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Jato Dynamics stieg der Marktanteil von Elektroautos in Europa zwischen Januar und August dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr von 1,9 Prozent auf 4,1 Prozent.

          Der Plan: In jedem zehnten Elektroauto vertreten zu sein

          Auch der für Apple tätige Elektronik-Auftragsfertiger Foxconn und der Batteriehersteller LG Chem wollen ihr Geschäft mit der Elektrofahrzeug-Branche ausbauen. Foxconn aus Taiwan will in den Jahren 2025 bis 2027 weltweit in jedem zehnten Elektroauto mit Bauteilen oder Dienstleistungen vertreten sein, wie Konzernchef Liu Young-way am Freitag sagte. Foxconn und Fiat Chrysler haben bereits ein Gemeinschaftsunternehmen für Eletrofahrzeuge angekündigt.

          Unterdessen sagte LG-Chem-Chef Hak Cheol Shin zur Nachrichtenagentur Reuters, sein Unternehmen spreche mit einer Reihe von Autoherstellern über Gemeinschaftsunternehmen zur Produktion von Batterien für Elektrofahrzeuge. Vorgesehen seien bereits entsprechende Joint Ventures mit dem amerikanischen Autohersteller GM und dem chinesischen Hersteller Geely. Die Zusammenarbeit mit dem Elektrofahrzeugpionier Tesla, den LG Chem mit Batterien beliefert, sei gut angelaufen und solle ausgeweitet werden. Hier sei jedoch kein gemeinsames Unternehmen geplant.

          LG Chem ist bereits einer der führenden Lieferanten für E-Fahrzeug-Batterien und betreibt für den europäischen Markt eine Fabrik in Polen. Nach einem weiteren Standort in Europa werde gesucht, sagte Shin.

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