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Piëch vor Gericht : Von Lustreisen keine Rede

Piëch nach seiner Zeugenaussage in Braunschweig Bild: ddp

Ferdinand Piëchs Vernehmung vor dem Braunschweiger Landgericht dauerte zweieinhalb Stunden. Danach sind alle in Sachen Lustreisen so klug wie zuvor - und der mächtige VW-Aufsichtsratsvorsitzende hat gezeigt, wie Manager in brenzligen Situationen ungeschoren davonkommen.

          Wenn Manager lernen wollen, wie sie in brenzligen Situationen ungeschoren davonkommen, können sie sich Ferdinand Piëch als Vorbild nehmen. Seine Zeugenaussage vor dem Landgericht Braunschweig in der VW-Affäre um Untreue, leichte Mädchen und Tarnfirmen sollte sich hierzu als zweieinhalbstündiger Anschauungsunterricht entpuppen: "Ich habe mich in diesen unangenehmen Dingen aus der Schlinge gezogen, indem ich das delegiert habe."

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Diesen Satz hat der mächtige VW-Aufsichtsratsvorsitzende schon bei seiner ersten Vernehmung der Braunschweiger Staatsanwaltschaft zu Protokoll gegeben. Zunächst nur widerwillig, später mit wachsendem Vergnügen gewährte er am Mittwoch nun dem Gericht ein paar Einblicke in seine Managementmethoden. Piëchs Strategie lässt sich in etwa so zusammenfassen: Von vornherein eine Mitwisserschaft vermeiden - und wenn es zum Schwur kommt, hochkonzentriert sein im Nichterinnern.

          Seine Frau fährt ihn im schwarzen Tiguan vor

          Es ist viertel vor zehn, als Piëch in einem schwarzen VW Tiguan vorgefahren wird. Am Steuer sitzt seine Frau Ursula. Der Tiguan ist ein Auto, das auch auf holprigen Strecken robuste Fahreigenschaften zeigt. Und darum geht es Piëch auch vor Gericht. Bloß stabil in der Spur bleiben, keine Unsicherheiten preisgeben. Mühsam ist sein Weg in den Schwurgerichtssaal 141, zwei Dutzend Kameras und noch mehr Besucher versperren den Eingang. Piëch verzieht keine Miene, immer abgeschirmt von seinem persönlichen Leibwächter. "Den", wird der Österreicher später vorwurfsvoll sagen, "habe ich in meinem Heimatland nicht nötig."

          Frau Ursula fährt ihren Mann vor - und die Weltpresse schaut zu

          Die mediale Aufmerksamkeit ist dem Zeugen gewidmet. Die beiden Angeklagten Klaus Volkert, der langjährige Chef des Weltbetriebsrates, sowie Klaus-Joachim Gebauer, der so etwas wie der Chefanimateur bei VW war, erreichen den historischen Renaissancepalast zwischen Dom und Rathaus beinahe unbemerkt. Hinter den hohen Backsteinmauern des Landgerichts muss Piëch Rede und Antwort stehen. Für den Firmenpatriarchen, der es seit Jahrzehnten gewohnt ist, in Gesprächen selbst Regie zu führen, eine ungewohnte Rolle. Piëch ist kein großer Redner, spricht langsam. Er hat Mühe, längere Sätze zu formulieren.

          „Große Kämpfe gewinnt man nicht mit Freundlichkeit“

          Doch einige Sätze haben Kultstatus, werden ihm, dem Enkel des Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche, gern als Lebensmotto zugeschrieben: "Große Kämpfe gewinnt man nicht mit Freundlichkeit", ist so ein legendärer Satz. Im Gerichtssaal hält er sich daran. Mürrisch blickt er den beiden Strafverteidigern Wolfgang Kubicki und Johann Schwenn entgegen, ganz so, als müsste er sein Image als misstrauischer Einzelgänger aufs Neue festigen.

          Seine Antworten sind manchmal nicht länger als ein, zwei Worte. Ob er Kenntnis von einem Missbrauch von "Vertrauensspesen" durch Betriebsräte hatte? "Nein." Sonderbonuszahlungen für den angeklagten früheren Betriebsratschef Volkert? "Waren mir nicht bekannt." Und die ausufernden Lustreisen von Betriebsräten auf VW-Kosten? "Ich habe mich nicht damit befasst." Über die brasilianische Geliebte von Volkert, die hohe Honorare von VW einstrich, sagt Piëch einen etwas kryptischen Satz. "Ich weiß seit gestern durch Bilder im Internet, dass ich sie nie gesehen habe."

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