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Beteiligung an PIAS : Universal Music kauft sich bei Indie-Schwergewicht ein

Zuletzt war über PIAS etwa das neue Album der britischen Rock-Band Editors rund um Tom Smith erschienen. Bild: EPA

Eine „strategische Allianz“ gab es seit Juni 2021. Jetzt übernimmt der größte Musikkonzern der Welt 49 Prozent der Anteile an PIAS. Universal, Sony und Warner fokussieren sich schon länger stärker auch auf Indies.

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          Die Universal Music Group, der größte Musikkonzern der Welt, hat eine Minderheitsbeteiligung an dem renommierten unabhängigen Musikunternehmen PIAS erworben. Wie beide Parteien am Mittwoch mitteilten, hält Universal fortan 49 Prozent der Anteile. PIAS bleibe im Rahmen der Vereinbarung „komplett unabhängig“, hieß es in der Mitteilung weiter. Finanzielle Details wurden nicht mitgeteilt. Die Mehrheit der Anteile soll aber weiter bei den Gründern, Kenny Gates und Michel Lambot, liegen. Universal erhalte zudem keinen Sitz im Verwaltungsrat des Unternehmens.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          PIAS wurde im Jahre 1982 gegründet und verfügt eigenen Angaben zufolge mit den Zentralen in Brüssel und London über 16 Standorte rund um die Welt, wo 300 Mitarbeitern beschäftigt sind. Zur Gruppe gehört neben eigenen Labels auch eine Dienstleistungssparte, die Vertrieb und weitere Aufgaben für andere unabhängige Labels übernimmt. Zuletzt war über PIAS etwa das neue Album der britischen Rock-Band Editors erschienen.

          „Universal mag uns und braucht uns“

          Eine Verbindung zwischen den beiden Unternehmen gibt es derweil schon länger. So erfolgt die Beteiligung des größten der drei Majors genannten Musikriesen (zu der Riege gehören noch Sony und Warner Music) am Indie-Schwergewicht nachdem im Juni 2021 eine nicht näher definierte „strategische Allianz“ bekanntgegeben worden war. Damals hatte es geheißen, Universal bekomme infolge der Vereinbarung Zugang zum Vertriebsnetz der Gruppe, während PIAS künftig auf Mittel von Universal zurückgreifen könne, „um seine Position als führender unabhängiger Service-Anbieter“ zu stärken.

          Mitgründer Gates verwies in der Mitteilung zur Beteiligung nun darauf, dass PIAS heute mit „Finanz- und Tech-Riesen“ konkurriere und ein Partner wie Universal hier helfe, um sich zu behaupten und zu wachsen. Universal habe außerdem „klargemacht, dass sie uns mögen, uns vertrauen und uns brauchen, da sie das, was wir machen, nicht selbst tun können und unsere Arbeit sehr schätzen“.

          Universal-Music-Chef Lucian Grainge erklärte, Universal verstehe, dass ein „lebendiger Indie-Sektor essentiell für ein florierendes Musik-Ökosystem“ sei und freue sich, PIAS als eine „starke unabhängige Kraft“ unterstützen zu können. In der Vergangenheit sei es oft um „Majors gegen Indies“ gegangen, heute sei klar, die „wichtige Unterscheidung in unserer Industrie“ sei die zwischen denen, die sich dem Aufbau von Künstlern verschrieben gegenüber jenen die „Quantität über Qualität“ stellten.

          Grainge hatte zuletzt schon nach Vorlage der Quartalszahlen im Gespräch mit Investoren ein ähnliches Argument angeführt. Unter Verweis auf mittlerweile täglich 100.000 neue Songs auf Spotify und Co, sagte Grainge, er sehe die Gefahr, dass Nutzer vermehrt durch Algorithmen hin zu „Inhalten in schlechter Qualität“ navigiert würden. Das sei nicht nachhaltig für die „Plattformen und auch nicht für Musik-Fans“. In solchen Sätzen schwingt gleichwohl auch das Eigeninteresse des Musikmanagers mit angesichts des umfangreichen Universal-Katalogs.

          Eigene Musik auf den Streamingdiensten zu veröffentlichen, ist heute durch diverse niederschwelligen Digitalvertriebe schnell gemacht. Verschiedene Service-Anbieter konkurrieren zudem um unabhängige Künstler, um ihnen gezielt einzelne Aufgaben abzunehmen. Auch die drei großen Majors verstärken seit einiger Zeit ihre Angebote für unabhängige Künstler, die nur einzelne Dienstleistungen wie etwa den Vertrieb einkaufen wollen oder auch für unabhängige Labels.

          Universal unterhält zum Beispiel die Artist & Label-Services-Sparte Virgin, Warner Music verfügt mit ADA über einen großen Vertriebsarm. Zu Sony Music wiederum gehört schon seit dem Jahre 2015 die Vertriebsplattform The Orchard. Zuletzt hatte die Nummer zwei der Musikindustrie obendrein AWAL, einen breiter aufgestellten Service-Anbieter für unabhängige Künstler und Indie-Labels übernommen.

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