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Dax-Konzern in Not : Philippinische Banken wissen nichts von den Wirecard-Milliarden

Das Geschäftsviertel von Makati, einem Vorort von Manila: Hier haben die beiden philippinischen Banken ihren Sitz. Bild: EPA

Bei Wirecard fehlen zwei Milliarden Euro. Sie sollten bei philippinischen Banken liegen – doch die sagen: Das Treuhand-Konto existiert bei uns nicht, Wirecard ist gar kein Kunde. Damit steigen die Chancen, dass das Geld weg ist.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Die Aktien von Wirecard haben ihren Kurssturz heute mit einem abermaligen Minus von rund 40 Prozent fortgesetzt, nachdem die zwei philippinischen Banken, bei denen 1,9 Milliarden Euro von Wirecard liegen sollten, jede Geschäftsbeziehung mit dem Münchner Zahlungsdienstleister abgestritten haben. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, teilten sowohl die BDO Unibank, die größte Bank des Inselstaats, als auch die Bank of the Philippine Islands (BPI), mit, dass Wirecard kein Kunde bei ihnen sei. Damit verdichten sich die Indizien für einen Betrugsfall von großem Ausmaß.

          „Das Dokument, in dem die Existenz eines Wirecard-Kontos bei BDO behauptet wird, ist ein manipuliertes Dokument, das gefälschte Unterschriften von Bankangestellten trägt“, hieß es in der Stellungnahme der BDO Unibank, die in der Vorstadt Makati im Großraum von Manila ansässig ist. Bloomberg berichtete von einer Stellungnahme des Bankchefs Nestor Tan, der sagte, ein krimineller Mitarbeiter habe die Unterschriften gefälscht. Wirecard habe keine Einlagen bei der BDO, die Bank keinerlei Beziehung zu dem Unternehmen. „Der Fall ist an die Zentralbank der Philippinen berichtet worden“, hieß es in der Bank-Stellungnahme weiter. Die BPI äußerte sich ähnlich und kündigte an, den Vorfall weiter untersuchen zu wollen.

          Es ist damit unklar, ob die 1,9 Milliarden Euro, die Wirecard in seiner Bilanz führt und die ein Viertel seiner Bilanzsumme ausmachen, wirklich existieren. Mittlerweile hat Wirecard dem Vernehmen nach ein Team nach Manila geschickt, um das Problem vor Ort zu untersuchen. Man ist in Aschheim noch vollkommen hilflos, ob ein interner oder ein externer Betrüger involviert sein könnte.

          WIRECARD

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          Das ist insofern beachtlich, da man von den Vorwürfen mindestens seit dem ersten Bericht der „Financial Times“ aus dem Oktober 2019 über Unregelmäßigkeiten informiert sein musste. In Aschheim geht die pure Angst um: Wenn das Geld bis nächste Woche nicht gefunden wurde, droht ein zweiter Fall Enron. Der amerikanische Energiekonzern gehörte zu den größten seiner Art und ging in Folge eines gigantischen Bilanzskandals in die Insolvenz. Am Markt wird deshalb zum ersten Mal ernsthaft eine Insolvenz von Wirecard durchgespielt.

          Wirecard-Vorstandschef Markus Braun hatte in einer Video-Stellungnahme in der Nacht zu Freitag betont, der in der Angelegenheit involvierte Treuhänder stehe in dauerhaftem Kontakt mit den Wirtschaftsprüfern von EY, welche auf die Unregelmäßigkeiten hingewiesen und deshalb ihr Testat für die Wirecards Jahresbilanz verweigert hatten.

          Da Wirecard auch am heutigen Freitag aller Voraussicht nach keine testierte Bilanz vorlegen kann, droht zudem eine Kreditlinie bei Banken über 2 Milliarden Euro, die das Unternehmen dem Vernehmen nach zu rund 1,5 Milliarden Euro ausgeschöpft hat, gekündigt zu werden. Beobachter gehen nicht davon aus, dass die Banken diese Kredite sofort fällig stellen werden, da sie sie dann auch in ihren Bilanzen abschreiben müssten. Einer Mitteilung von Wirecard vom Freitag zufolge befinde man sich in „konstruktiven Gesprächen“ mit den kreditgebenden Banken hinsichtlich der Fortführung der Kreditlinien und der weiteren Geschäftsbeziehung.

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