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Übernahme erlaubt : Die BHF-Bank wird französisch

Am BHF-Turm in Frankfurt: Jetzt hat die Bankenaufsicht ihr Okay für die Übernahme durch einen französischen Käufer gegeben. Bild: Kien Hoang Le

Die Bankenaufsicht erlaubt einem französischen Finanzier, die Frankfurter BHF-Bank zu übernehmen. Verloren hat den Bieterkampf die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun. Deren Gründer ist derzeit verschollen.

          Philippe Oddo hat die wohl wichtigste Hürde genommen, um den Kauf der traditionsreichen Frankfurter BHF-Bank vollziehen zu können. Am Freitag gab die Europäische Bankenaufsicht dem Franzosen „grünes Licht“, indem sie das von Oddo angeforderte Inhaberkontrollverfahren mit einem positiven Urteil abschloss. Der Geschäftsführer des Pariser Bankhauses Oddo & Cie muss lediglich zwei Auflagen erfüllen, und dann darf Oddo die beiden BHF-Aktienpakete von Stefan Quandt und Franklin Templeton zu übernehmen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für deren Anteil von zusammen 28,8 Prozent zahlt Oddo rund 220 Millionen Euro, 5,75 Euro je BHF-Aktie. Weil Oddo selbst schon 21,6 Prozent hält, ist ihm nun die Mehrheit sicher. Ein Übernahmekampf zwischen zwei ausländischen Bietern, der seit Juli am Finanzplatz Frankfurt tobte, scheint damit endgültig entschieden.

          Genug Eigenkapital?

          Am 24. Juli hatte zunächst der chinesische Aktionär Fosun eine Offerte für die gesamte BHF-Gruppe vorgelegt und dafür 5,10 Euro je Aktie geboten. Doch die anderen Aktionäre lehnten diesen Preis als zu niedrig ab. Oddo kaufte vielmehr heimlich an der Börse BHF-Aktien zu, und gab dann Ende November, als er 21,6 Prozent besaß, seinerseits ein um 12,7 Prozent höheres Übernahmeangebot ab als Fosun. Zudem hatte Oddo schon zuvor mit genügend Aktionären vereinbart, dass sie zu diesem Preis ihre Aktien an ihn verkaufen würden.

          Fraglich aber blieb bis zuletzt, ob die Europäische Aufsicht Oddo als Alleineigentümer akzeptieren würde. Schließlich hat seine Pariser Bank mit 539 Millionen Euro weniger Eigenkapital als die BHF-Bank mit 793 Millionen Euro. Damit ist die Finanzierung für Oddo ein großes Wagnis, und die Bankenaufsicht musste prüfen, ob die BHF-Bank unter seiner Alleinregie hinreichend stabil mit Eigenkapital ausgestattet werden kann.

          Anfang Dezember haben die Familie Oddo und die Mitarbeiter, denen 60 und 30 Prozent des Bankhauses Oddo & Cie gehören, eine Kapitalerhöhung von bis zu 100 Millionen Euro beschlossen. Eine der beiden Auflagen der Bankenaufsicht ist nun, dass Oddo die beschlossene Kapitalerhöhung in vollem Umfang durchführt. Außerdem hat Oddo vereinbart, Teile der BHF-Gruppe in Großbritannien und Guernsey, an denen er weniger interessiert ist als an der BHF-Bank, der französischen Großbank Société Générale zu verkaufen. Damit sollte Oddo den Kauf der BHF-Gruppe stemmen können. Als zweite Auflage hat die EZB verhängt, dass der Einlagensicherungsfonds der privaten deutschen Banken der Übernahme zustimmt. Das gilt als Formsache.

          Keine Formalie ist dagegen, wie sich der im Übernahmekampf unterlegene Aktionär Fosun in den nächsten Monaten verhalten wird. Der Gründer der größten privaten chinesischen Beteiligungsgesellschaft Guo Guangchang gilt in Frankfurt und London  als schlechter Verlierer. Anstatt sich auf die ebenfalls in diesem Sommer gekaufte deutsche Privatbank Hauck & Aufhäuser zu konzentrieren, wolle Fosun mit seinem Anteil von 19,5 Prozent Oddo das Leben schwer machen, hieß es bis vor wenigen Tagen unter Wertpapierhändlern. Nun aber steckt Guo vermutlich in anderen Schwierigkeiten.

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