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Übernahme erlaubt : Die BHF-Bank wird französisch

Dabei gibt es für Fosun auch gute Nachrichten. Nach Informationen von FAZ.NET hat die europäische Bankenaufsicht Fosun Ende dieser Woche erlaubt, den seit langem angemeldeten Kauf von weiteren 9,1 Prozent der BHF-Aktien zu vollziehen. Damit halten die Chinesen  nun 28,6 Prozent der BHF-Gruppe und besitzen eine Sperrminorität, mit der Fosun  auf  Aktionärsversammlungen wichtige Anliegen Oddos  blockieren könnte. Doch Guo, einer der reichsten Männer Chinas und wegen der vielen von Fosun erworbenen Unternehmensbeteiligungen „Warren Buffet von China“ genannt, ist seit Donnerstag wie vom Erdboden verschwunden. Sein Unternehmen Fosun scheint nicht zu wissen, wo Guo steckt. Es wird spekuliert, dass Guo wegen Bestechungsvorwürfen von chinesischen Behörden inhaftiert worden sein könnte.

Was das Schicksal von Guo für die in den vergangenen Monaten getätigten Unternehmenskäufe Fosuns bedeutet, ist unklar. Fosun hatte unter anderem die französischen Unternehmen Cirque du Soleil und Club Med erworben und war in Deutschland Beteiligungen an dem Modeunternehmen Tom Tailor und dem Agrarunternehmen KTG eingegangen. Anders als bei der BHF-Bank gelang auch der Kauf des Bankhauses Hauck & Aufhäuser. Ob Fosun nun die Kraft aufbringt, Oddo als Aktionär der BHF-Gruppe lästig zu fallen, scheint ungewisser als zuvor.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Oddo will nicht nur die BHF-Gruppe zerschlagen und die BHF-Bank herauslösen. Der 56 Jahre alte Franzose will auch die Frankfurter Wertpapierhandelsbank Seydler, die er schon vor einem Jahr gekauft hat, in die BHF-Bank einbringen. Langfristiges Ziel Oddos ist eine deutsch-französische Bankengruppe, zu deren Kernkompetenzen Informationstechnik und Wertpapieranalyse gehören.

In Frankreich betreut Oddo fast alle großen  Unternehmerfamilien wie die Eigner von L‘Oréal, Peugeot und  Dassault bei der Geldanlage. Dieses Profil will er auf die BHF-Bank übertragen. Oddo hatte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung angekündigt, selbst Vorstandsvorsitzender der BHF-Bank werden zu wollen. Als überzeugter Familienunternehmer will Oddo den Mitarbeitern der BHF-Bank bald Anteile an seinem Bankhaus anbieten. Vermutlich will er aber auf Dauer die BHF-Gruppe von der Börse nehmen. Für alle diese Beschlüsse braucht er deutliche Mehrheiten auf Aktionärsversammlungen, und Fosun könnte einige Entscheidungen wenn nicht verhindern so doch zumindest verzögern.

Noch Anfang dieser Woche setzten offenkundig einige neue Aktionäre darauf, dass Oddo sein Angebot von 5,75 Euro  je BHF-Aktie nochmals aufstocken könnte, um den sperrigen Aktionär Fosun zum Verkauf zu bewegen. Nach Angaben aus Aktienhänderkreisen haben die amerikanischen Vermögensverwalter Blackrock und Invesco zuletzt nennenswerte Aktienpakte erworben und den BHF-Kurs auf in der Spitze 5,92 Euro je Aktie getrieben. Zum Ende der Woche aber ist der BHF-Kurs deutlich auf 5,73 Euro und damit sogar unter das Angebot Oddos gefallen. Aus Sicht der Börse scheinen sich sogar zwei Dinge geklärt zu haben: Oddo darf  die Mehrheit der Aktien an der BHF-Bank übernehmen, er wird also der neue Patron der 160 Jahre alten Frankfurter Bank. Und die Börse rechnet auch nicht mehr mit nennenswertem Widerstand Fosuns bei der Zerschlagung der BHF-Gruppe. In letzterer Sache ist aber das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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