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Neue Philip-Morris-Strategie : Marlboro-Hersteller kauft Spezialisten für Lungenkrankheiten

Der Marlboro-Mann auf dem Dach eines Philip-Morrs-Gebäudes in Berlin Bild: Matthias Luedecke

Philip Morris will ein Unternehmen für „Gesundheit und Wellness“ werden, weil man ein „starkes Verständnis von Atemwegs-Technologie“ habe. Jetzt übernimmt der Tabakkonzern ein Pharmaunternehmen. Politiker sind wütend.

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          Der Marlboro-Hersteller Philip Morris International (PMI) will für gut eine Milliarde Pfund (fast 1,2 Milliarden Euro) das britische Pharmaunternehmen Vectura übernehmen, das auf Inhalationstherapien für Lungenkrankheiten spezialisiert ist. 1050 Millionen Pfund bietet PMI für das 1999 gegründete Unternehmen aus Südwestengland; der Aufsichtsrat hat die Annahme der Kaufofferte empfohlen.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die geplante Übernahme hat in Großbritannien aber auch scharfe Kritik von Politikern an der angeblichen „Heuchelei“ des amerikanischen Tabakkonzerns ausgelöst. Die Opposition forderte am Wochenende die Johnson-Regierung auf einzuschreiten.

          Die Vectura Group wurde 1999 gegründet und beschäftigt heute 400 Mitarbeiter. Das im Mittelwerteindex FTSE250 an der Londoner Börse gelistete Unternehmen stellt Inhalationsgeräte und Medikamente für Menschen mit Asthma und anderen Lungenerkrankungen her. Vor Kurzem hatte Vectura noch mit der Private-Equity-Gruppe Carlyle eine Übernahme für 958 Millionen Pfund vereinbart, doch Philip Morris bietet nun mehr. Nach der PMI-Offerte sprang der Aktienkurs von Vectura um 14 Prozent in die Höhe.

          Liberale und Labour üben Kritik

          Für Philip Morris ist der Vectura-Kauf Teil der vor Kurzen verkündeten Strategie, ein Unternehmen für „Gesundheit und Wellness“ zu werden. Bislang macht PMI allerdings mit Abstand den meisten Umsatz und Gewinn mit Verkauf von Zigaretten (Marken: Marlboro, Benson&Hedges, L&M).

          Obwohl der Aktienkurs in den vergangenen fünf Jahren stagnierte, ist PMI weiterhin eines der wertvollsten Unternehmen an der New Yorker Börse. Der Börsenwert liegt bei mehr als 150 Milliarden Dollar. Der Umsatz fiel im vergangenen Jahr von 78 auf 76 Milliarden Dollar.

          PMI hat angekündigt, bis 2025 mindestens eine Milliarde Umsatz mit Produkten „jenseits von Tabak und Nikotin“ zu erzielen. Diesem Ziel dient nun auch der Kauf von Vectura. Die größte Investition von PMI jenseits von Zigaretten ist bislang der Tabakerhitzer IQOS („I quit ordinary smoking“). Diese Tabakerhitzer machten im jüngsten Quartal schon bis zu einem Drittel der Umsätze aus.

          PMI schrieb, das Ziel, auch jenseits von Tabak und Nikotin Geld zu verdienen, basiere auf dem „starken Verständnis von Aerosolisation und Atemwegs-Technologie“. Man kombiniere „Expertise in Biowissenschaften und Inhalationstechnologie, natürliche Zutaten und Erfahrungen, wie man das Konsumentenverhalten ändert“.

          Vectura soll weiterhin ein eigenständiges Unternehmen bleiben. In Großbritannien sagte der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Philip Morris habe „absolut nichts für die Gesundheit der Menschen getan“ und es wäre „absolut falsch“, wenn der Konzern nun von Geschäften mit Lungenerkrankungen profitieren wolle. Der gesundheitspolitische Sprecher der Labour-Partei forderte Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng auf, die Übernahme zu blockieren.

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