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Opioid-Krise in Amerika : McKinsey macht Rolle rückwärts

Gerichtssaal in Oklahoma: Das Interesse an der Klage gegen Purdue ist groß. Bild: Reuters

Die Berater gehen immer weiter auf Distanz zum Pharmaunternehmen Purdue, das im Zentrum der amerikanischen Opioid-Krise steht. Doch was hat McKinsey dort getan?

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          Es war nur eine kleine Meldung: McKinsey berate das amerikanische Pharmaunternehmen Purdue nicht länger. Aber auf der Internetseite von McKinseys Presseabteilung findet man dazu nichts. Das Beratungsunternehmen geht leise. Berichte darüber, was McKinsey dort genau gemacht hat, könnten dem Ruf des Beratungsunternehmens nicht gerade dienlich sein. McKinsey selbst gibt sich auf Anfrage zurückhaltend. Aus rechtlichen Gründen will man zu Einzelheiten nicht Stellung nehmen. Schriftlich teilt McKinsey mit: „Opioidmissbrauch und -abhängigkeit haben tragische und verheerende Auswirkungen auf unsere Gemeinschaften.“ Und weiter: „Wir beraten Kunden nicht mehr in Bezug auf opioidspezifische Geschäfte und unterstützen weiterhin wichtige Akteure bei der Bekämpfung der Krise.“

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dem Schmerzmittelhersteller Purdue wird in Amerika vorgeworfen, zumindest mitverantwortlich für die Opioid-Tragödie zu sein, wegen der Donald Trump 2017 den Gesundheitsnotstand ausrief. Täglich sterben in den Vereinigten Staaten mehr als 100 Menschen an einer Überdosis opioidhaltiger Mittel. Viele Opfer sind in die Sucht geraten, nachdem ihnen opioidhaltige Schmerzmittel verschrieben worden sind. Purdue wird vorgeworfen, die Suchtgefahr seines Mittels Oxycontin – einer Substanz derselben Wirkstoffklasse wie das Rauschgift Heroin – verharmlost zu haben.

          Aufschlussreich ist ein Blick in die Klageschrift der Generalstaatsanwältin von Massachusetts gegen Purdue und 17 Einzelpersonen. McKinsey selbst findet sich nicht unter den Beklagten, auch keine McKinsey-Mitarbeiter. In der 277 Seiten umfassenden Schrift taucht der Name McKinsey aber mehrere Dutzend Mal auf. Das Pharmaunternehmen habe McKinsey angeheuert, um herauszufinden, wie man Ärzte dazu bringt, noch mehr Oxycontin zu verschreiben, heißt es in der Klageschrift. Das ist wichtig, weil in der Debatte nicht das Medikament am Pranger steht, sondern die veränderte Verschreibungskultur, also der Einsatz stärkster Schmerzmittel zur Behandlung von Rückenschmerzen oder Gelenkschmerzen. Laut Schätzungen sind 4 von 5 amerikanischen Heroin-Konsumenten über ärztlich verschriebene Schmerzmittel in die Sucht geraten.

          McKinsey-Berater sollen laut der Klageschrift gegen Purdue auch an einem Treffen mit Spitzenmanagern teilgenommen haben, auf dem diskutiert wurde, wie man den „emotionalen Botschaften von Müttern mit Teenagern, die Oxycontin überdosiert haben“ begegnen sollte. McKinsey sollte für Purdue angeblich auch herausfinden, welche finanziellen Anreize für die Vertriebsmannschaft von Purdue Erfolg versprächen, um den Absatz anzukurbeln. Über die Arbeit von McKinsey für Purdue berichteten Anfang des Jahres schon Propublica und die „New York Times“. Purdue sagte damals, die Generalstaatsanwaltschaft habe wenig Beweise für ihre Behauptungen. Die Zusammenarbeit mit McKinsey werde in der Klageschrift nicht richtig dargestellt.

          Auf Nachfrage von FAZ.NET sagte ein McKinsey-Sprecher jetzt mit Blick auf die Klageschrift: McKinsey sei „mit der Charakterisierung der Arbeit unserer Berater nicht einverstanden“, McKinsey wolle sich auf die Zukunft konzentrieren und helfen, die Probleme zu lösen: „Wir verstehen den natürlichen Instinkt, opioidbezogene Fragen durch die Linse der heutigen Krise zu betrachten“, teilte der Sprecher mit: „Diese Ansicht hat zu unserer Entscheidung beigetragen, diese Art von Arbeit einzustellen.“

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