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Pharmakonzern Stada : Ein neues Parkinson-Medikament soll „zum Goldstandard“ werden

Im Labor: Neue Arzneien sollen Stada Schub geben. Bild: Getty

Mit neuen Spezialmedikamenten setzt der Pharmakonzern Stada Akzente. Ein neues Parkinson-Mittel könnte laut dem Vorstandschef „zum Goldstandard“ werden. Auch medizinisches Cannabis kommt in die Apotheken.

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          Allein hierzulande leiden 400.000 Menschen an Parkinson. Nach Alzheimer ist es global die zweithäufigste neuro-degenerative Nervenkrankheit. Waren es global 1990 noch 2,5 Millionen Parkinson-Patienten, wuchs die Zahl 2016 schon auf 6 Millionen. Tendenz steigend. Der Bedarf an Arzneimitteln ist also groß. Zumindest für Patienten im fortgeschrittenen Stadium gibt es nun ein neues Medikament, das nach Meinung von Stada-Vorstandschef Peter Goldschmidt die Chance hat, „zum Goldstandard“ zu werden, wie er im Gespräch mit der F.A.Z. sagte.

          Ilka Kopplin
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das nun in Deutschland und Österreich auf dem Markt eingeführte Parkinson-Mittel Lecigon sieht er als echten Wachstumsbringer für den Bad Vilbeler Hersteller von Generika, Spezialpharmazeutika und rezeptfreien Markenarzneien. Es ist ein Dreifach-Präparat, welches über eine Pumpe in Gelform abgegeben wird. Stada hatte dafür im vergangenen Jahr Vertriebsrechte für eine Arznei von Lobsor Pharmaceuticals übernommen. Diese Kombination gebe es auf dem Markt nicht, sie sei zudem nicht teurer als bisherige Therapien. Darüber hinaus könne die Arznei den Lebensstandard der Patienten erhöhen.

          Ein jährlicher Umsatz im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich sei damit „absolut“ möglich, sagte er. „Ich habe sehr große Hoffnungen, dass es in unserem Portfolio eines, wenn nicht das führende Medikament wird“, ist er überzeugt. Das Produkt soll auf weiteren Märkten eingeführt werden. Länder auch außerhalb Europas, beispielsweise Indien und China, sind gemeinsam mit Partnern das Ziel. Ein weiterer Wachstumsmarkt ist für Stada noch sehr neu. „Wir bieten medizinisches Cannabis an, also Extrakte und Blüten, das vom Arzt verordnet werden muss. Wir haben dafür einen großen Außendienst aufgebaut, über den wir mit Ärzten und Apothekern zusammenarbeiten“, sagte Goldschmidt. Seit einigen Tagen sind die Produkte in hiesigen Apotheken verfügbar. Gerade im Schmerzmittelsegment sei medizinisches Cannabis eine gute Alternative. Stada war dafür im vergangenen Jahr eine Partnerschaft und Liefervereinbarung mit Medipharm Labs eingegangen. Weitere europäische Märkte sollen folgen. Zwar ist der Bereich für Stada noch klein und zudem stark reguliert, dennoch verspricht sich Goldschmidt viel.

          Einstieg in den Vereinigten Staaten

          Das gilt auch für den amerikanischen Markt, in dem man bislang gar nicht aktiv war. Dort steigt man nun ein. „In den Vereinigten Staaten lancieren wir unsere eigenen Marken und haben weitere Zulassungen beantragt. In den nächsten zwei bis drei Jahren ist eine breite Palette an Produkten im verschreibungsfreien Segment geplant“, sagte er. Der Manager nennt Vitamine, diätetische Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel, „mit denen wir in den Markt gehen wollen“, sagte er. Dafür arbeite man mit Auftragsfertigern zusammen.

          Zunehmend setzt das Unternehmen strategisch auf Partnerschaften und Einlizenzierungen. Allein im vergangenen Jahr habe man 80 neue Produkte auf diese Weise hinzugewonnen, sagte Goldschmidt. Neun Biosimilars, nachgeahmte biopharmazeutische Arzneien, zählt er in der Pipeline. Nach einer turbulenten Zeit, in der Stada nach einem Bieterrennen schließlich von den Finanzinvestoren Bain und Cinven übernommen worden war, hat sich der Konzern mit mittlerweile mehr als 12.000 Mitarbeitern wieder stabilisiert und ist zuletzt stark gewachsen. Im vergangenen Jahr steigerte Stada den Umsatz trotz Pandemie um 18 Prozent, organisch um 6 Prozent, auf mehr als 3 Milliarden Euro, der um Währungs- und Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (Ebitda) fiel mit 713 Millionen Euro um 15 Prozent höher aus.

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