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Pharmakonzern : Probleme für Krebsmedikament von Merck

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Das Lungenkrebs-Mittel Erbitux ist eine wichtige Hoffnung für den Darmstädter Pharmakonzern Merck. Doch jetzt zieht er seinen Zulassungsantrag für eine bestimmte Lungenkrebsart in Europa zurück.

          Nächster Rückschlag für den Pharmakonzern Merck: Das Unternehmen hat am Dienstag den Zulassungsantrag für das Mittel Erbitux zur Behandlung einer bestimmten Lungenkrebsart (NSCLC) in Europa zurückgezogen. Die europäische Gesundheitsbehörde EMA hatte von Merck weitere Studiendaten gefordert, um die Wirksamkeit von Erbitux bei dieser Krankheit nachzuweisen - der zusätzliche Aufwand lohnt sich aus Sicht des Unternehmens jedoch nicht. „Wir sind enttäuscht, dass wir unser Zulassungsvorhaben in der Indikation NSCLC nicht voranbringen konnten“, sagte die zuständige Merck-Managerin Annalisa Jenkins.

          Für Merck setzt sich damit die Serie aus Pleiten, Pech und Pannen bei der Erforschung neuer Medikamente fort. Als größter Flopp erwies sich die Tablette Cladribin zur Behandlung von Multiple Sklerose, die bei den Zulassungsbehörden in Amerika und Europa durchfiel.

          Erbitux ist bereits zur Behandlung von Darmkrebs und Kopf- und Halskrebs auf dem Markt und war mit einem Umsatz von 855 Millionen Euro im vergangen Jahr zweitwichtigste Präparat von Merck. Zahlreiche Versuche, Erbitux auch zur Behandlung anderer Krebsarten einzusetzen, scheiterten jedoch - die Abfuhr der EMA in der Indikation NSCLC ist bereits der dritte Rückschlag bei dem Mittel in diesem Jahr.

          Die EMA hatte bereits 2009 den Antrag abgelehnt, Erbitux zur Behandlung von Lungenkrebs zuzulassen. Im vergangenen Jahr unternahm Merck in dieser Indikation einen neuen Anlauf, konzentrierte sich dabei jedoch auf eine kleinere Patientengruppe (NSCLC), deren Tumor eine besondere genetische Eigenschaft besitzt. Der Darmstädter Konzern hatte zuletzt jedoch bereits angedeutet, dass die Chancen auf grünes Licht von den Aufsehern auch für diese Krebsart schlecht stehen.

          Enttäuschung an der Börse hält sich in Grenzen

          Die Enttäuschung an der Börse hielt sich deshalb in Grenzen. Merck-Aktien verloren 1,7 Prozent und damit nur etwas mehr als der Gesamtmarkt. „Die Entscheidung ist keine große Überraschung“, erklärte Equinet-Analyst Edouard Aubery. Er hatte dem Medikament in der Indikation NSCLC Spitzenumsätze von 300 Millionen Euro zugetraut, die Chancen auf eine Zulassung jedoch lediglich auf 30 Prozent beziffert.

          Merck hat angesichts der Pannen-Serie ein Umbauprogramm auf den Weg gebracht und streicht dabei in Deutschland jede zehnte Stelle. Damit will der Konzern die Ertragskraft des Pharmageschäfts stärken und die Entwicklung neuer Medikamente vorantreiben. Der Chef der Pharmasparte wurde ausgetauscht und die Weiterentwicklung von wenig erfolgsversprechenden Mitteln wie dem Parkinson-Medikament Safinamid eingstellt. Parallel geht das Unternehmen Vereinbarungen mit kleineren Biotechfirmen ein, um sich hoffnungsvolle Wirkstoffe zu sichern und den dünnen Nachschub an neuen Medikamenten aufzustocken.

          Kürzlich hat Merck von der US-Biotechfirma Threshold Pharmaceuticals beispielsweise die Rechte zur gemeinsamen Entwicklung der Substanz TH-302 erworben. In einer Phase-III-Studie will Merck nun die Wirksamkeit von TH-302 zur Behandlung von Patienten mit Bauspeicheldrüsenkrebs testen. Medikamente müssen vor einem Zulassungsantrag drei Phasen der Erprobung am Menschen erfolgreich absolvieren. „Wir werden unsere Onkologie-Pipeline weiterentwickeln“, betonte Merck-Managerin Jenkins. Der Konzern setzt nach positiven Phase-II-Daten große Hoffnung auf TH-302 - in der Pressemitteilung am Dienstag nahmen die Ausführungen über das Mittel deutlich mehr Platz ein als der zurückgezogene Zulassungsantrag für Erbitux.

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