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Pharmakonzern : Pfizer plant Forschungszentrum in Deutschland

Bild: dpa

Der größte amerikanische Pharmakonzern bastelt an einem Konzept für ein Forschungszentrum in Deutschland. Pfizers Deutschlandchef hat gegenüber der F.A.Z. angedeutet, wo ein geeigneter Standort wäre.

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          Pfizer plant einen bedeutenden strategischen Schritt in Deutschland: ein erstes Forschungszentrum hierzulande. Der größte amerikanische Pharmakonzern arbeitet an einem entsprechenden Konzept, wie Deutschlandchef Peter Albiez der F.A.Z. bei einer Pharmatagung in Frankfurt sagte. „Es geht dabei nicht nur um Grundlagenforschung, sondern auch um die Umsetzung von Forschung in klinische Entwicklung“, sagte er. „Wir wollen am Standort aktiv sein, wir wollen den Standort weiterentwickeln.“

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Pläne sind noch in früher Phase. „Wir sind am Beginn, Konzepte zu entwickeln“, sagte Albiez und fügte auf die Frage nach dem Zeitplan hinzu: „Zwei Jahre werden wir brauchen.“ Das Zentrum wäre eine wesentliche strategische Neuerung: Bisher betreibt Pfizer in Deutschland nur den zweiten Teil von Forschung und Entwicklung (FuE): die Entwicklung, also die klinischen Tests, die Studienreihen am Menschen. Das Unternehmen arbeitet hier vor allem mit der Berliner Charité zusammen. 30 klinische Projekte laufen, überwiegend in der Krebsbehandlung. Das neue Zentrum würde hingegen zum einen das „F“ in FuE erschließen, also die Arbeiten vor den Tests am Menschen, zum anderen an der Schnittstelle zwischen F und E arbeiten. „Das ist das Ziel“, sagte Albiez.

          Als Motiv nennt Pfizer, man wolle das hiesige Forschungswissen, die intellektuellen Kapazitäten nutzen. Deutschlands Pharmaindustrie, die einst die führenden Weltkonzerne stellte, ist zwar in die zweite Liga abgestiegen. Doch die Infrastruktur – Universitäten, medizinische Forschungseinrichtungen – gelten weiterhin als erstklassig. Das neue Pfizer-Zentrum soll denn auch ein „kollaboratives Element“ haben, wie Albiez sagte, also mit Forschungsinstituten zusammenarbeiten.

          Viele internationale Unternehmen errichten Forschungseinheiten als politisches Signal in Auslandsmärkten, um den Verkauf ihrer Produkte dort zu fördern. Pfizer will sein geplantes Zentrum ausdrücklich nicht als ein solches Werkzeug verstanden wissen: „Das ist kein Tool zur Vermarktung“, sagte Peter-Andreas Löschmann, Geschäftsführer und Medizinischer Direktor. Er gab auch eine Vorstellung davon, wie viele Mitarbeiter die neue Einheit mindestens haben wird. „Die kritische Masse wären 50“, sagte er. Das müssten nicht oder nicht alles neue Arbeitsplätze sein. „Man kann sich auch vorstellen, dass amerikanische Forscher von Pfizer herüber kommen.“

          Vermutlich in Berlin

          Albiez deutete an, dass Pfizers Deutschlandsitz Berlin ein gut geeigneter Standort für das Zentrum wäre. Die Amerikaner hatten die Zentrale der Landesgesellschaft 2008 von Karlsruhe nach Berlin verlegt. Außerdem steuert Pfizer von Berlin aus die Krebssparte für Europa, Afrika, Nahost, China und Asien-Pazifik.

          Karlsruhe muss sich heute mit einem Verteilungszentrum begnügen, in Freiburg werden Arzneimittel für den Weltmarkt produziert und verpackt. Pfizer beschäftigt an den drei Standorten mehr als 2000 Mitarbeiter.

          Albiez steht seit März an der Spitze von Pfizer Deutschland. Er folgte auf Andreas Penk, der nun die Onkologie in Europa/Afrika/Nahost/China/Asien-Pazifik leitet. Pfizer hat in der deutschen Pharmaindustrie zuletzt vor allem durch eine Kooperation mit dem Darmstädter Konkurrenten Merck KGaA Aufsehen erregt. Beide Unternehmen arbeiten gemeinsam an Präparaten gegen verschiedene Krebsformen. Zentrales Produkt ist ein Wirkstoff mit dem Namen Avelumab. Im Zuge der Onkologie-Allianz überwies Pfizer an Merck vorab 850 Millionen Dollar für Kooperationsrechte an Avelumab. In der weiteren Entwicklung können sich Merck und Pfizer die Kosten nun teilen. Wenn es das Präparat auf den Markt schaffen sollte, könnte Merck bis zu weitere zwei Milliarden Dollar Prämie von den Amerikanern bekommen.

          Ende September wollen Pfizer und Merck auf dem Europäischen Krebskongress in Wien neue Erkenntnisse aus ihren Studien zu Avelumab vorstellen. Wie Merck vorige Woche mitteilte, sind bislang in einem Testprojekt namens „Javelin Solid Tumor“ mehr als 1000 Patienten behandelt worden. Die Tests umfassten mehr als 15 verschiedene Tumorarten. Der Darmstädter Dax-Konzern hat außer gemeinsamen historischen Wurzeln nichts mit dem größten amerikanischen Konkurrenten von Pfizer, der Merck&Co., zu tun.

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