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Alzheimer-Medikament : Pharmakonzern Merz spürt Patentausfall

Von Falten bis zu Alzheimer: Merz forscht weiter Bild: dpa

Der Umbau des Pharmakonzerns Merz nimmt zusehends Gestalt an – die hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre sind damit aber erst einmal passé. Der Konzernchef erwartet eine Delle von ein paar Jahren.

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          Der Umbau des Pharmakonzerns Merz nimmt zusehends Gestalt an – die hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre sind damit aber erst einmal passé. Wie Unternehmenschef Philip Burchard im Gespräch mit dieser Zeitung sagte, erzielte das Frankfurter Familienunternehmen im Geschäftsjahr 2013/14 (zu Ende Juni) 994 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von gut einem Prozent. Der Gewinn ging sogar deutlich zurück: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) habe bei 247 Millionen Euro gelegen, nach 332 Millionen Euro im Geschäftsjahr zuvor, sagte der Unternehmensleiter. Details will er bei der Bilanzvorlage Anfang Oktober erläutern.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Merz spürt damit den Patentauslauf des Umsatzrenners Memantine gegen Alzheimer, der viele Jahre lang einen Rekord nach dem nächsten brachte. In Deutschland und anderen Ländern Europas hat Memantine den Monopolschutz schon verloren, in Amerika steht das im kommenden Jahr bevor, in Japan 2019.

          Zwar verbinden viele Deutsche mit Merz vor allem die Spezial-Dragees. Die Werbung für diese Pillen, die Frauen zu schönerem Haar und festeren Fingernägeln verhelfen sollen, hat das Image lange geformt. Doch das weitaus wichtigste Produkt ist seit vielen Jahren Memantine, auch unter dem Namen Axura bekannt. Hierzulande verkauft Merz das Mittel selbst, in anderen Ländern übernehmen das Partnerfirmen, die dafür Lizenzgebühren nach Frankfurt überweisen.

          Merz kratzt an der Umsatz-Milliarde

          Memantine steuerte lange mehr als die Hälfte zum Konzernumsatz bei. Jetzt ist es nur noch rund ein Drittel, wie Burchard sagte. Dafür baut Merz ein anderes Feld systematisch aus: die „Ästhetische Medizin“, eine Palette von Produkten, die Falten füllen oder die Haut anderweitig auffrischen. Das Minus im einen Feld, das Plus im anderen – das spiegelt sich in den Umsatzzahlen des Geschäftsjahrs, wie Burchard erläutert: „Dahinter verbirgt sich einerseits ein Rückgang des Lizenzgeschäfts, gleichzeitig ein Wachstum unseres sonstigen Geschäfts, besonders des Ästhetik-Geschäfts. Dadurch hält sich der Umsatz mehr oder weniger flach.“

          Das deutliche Minus beim Ebitda begründet er mit einer Investitions-Offensive: „Der Rückgang erklärt sich nicht nur aus dem Rückgang der Lizenzeinnahmen, sondern auch dadurch, dass wir sehr viel mehr in Forschung und Entwicklung gesteckt haben.“ 15 Prozent des Umsatzes machen die FuE-Ausgaben nach seinen Worten aus. Auch ins „Lifecycle-Management“ fließe viel Geld, also im Kern die umfassendere Vermarktung bestehende Produkte.

          Genau genommen hat die Merz-Gruppe die Umsatzmilliarde geknackt, denn das Arzneiunternehmen betreibt als kurioses Anhängsel noch eine Kugelschreibersparte, Marke „Senator“, von Kunden gerne als Werbegeschenk gekauft. „Wenn wir insgesamt in der Gruppe Senator mit hineinkonsolidieren, dann kommen wir über die Milliarde“, sagte Burchard. Konkret weist Merz seit Jahren nur noch die Zahlen für das Hauptgeschäft Pharma aus, aber als Größenordnung für den Kugelschreiber-Umsatz sei die Zahl aus 2008/09 genannt: 73 Millionen Euro.

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