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Pharmakonzern : Boehringer muss sparen

Firmengelände des Pharmakonzerns Bild: dpa

Weil Patente auslaufen, will das Unternehmen seine Kosten um 15 Prozent senken. Ob auch Stellen gestrichen werden, ist noch unklar.

          4 Min.

          Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim legt nach Informationen der F.A.Z. ein Sparprogramm auf und hat einen qualifizierten Einstellungsstopp in Deutschland verhängt. Der zweitgrößte deutsche Medikamentenhersteller will die Kosten um bis zu 15 Prozent senken - auch in Deutschland und dabei auch in der Unternehmenszentrale in Ingelheim nahe Mainz. Darüber informierte das Unternehmen in der Mitarbeiterzeitung. Dort ist auch die Rede davon, dass die Mitarbeiterzahl sinken soll - was das Unternehmen am Wochenende nicht bestätigen wollte.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine Sprecherin bestätigte auf Anfrage indes die Kostensenkungen. „Wir haben uns selbst das Ziel gesetzt, insgesamt 15 Prozent einzusparen in Deutschland“, teilte sie mit. „Boehringer Ingelheim reagiert mit einem Maßnahmenpaket auf die großen Veränderungen auf dem Pharmamarkt: Der Preisdruck steigt, der Zugang zu Märkten wird schwieriger, die Konkurrenzsituation verschärft sich weltweit.“ Ziel sei es, Mittel zu schaffen, um neue Produkte einzuführen und weiter zu investieren.

          Boehringer informierte seine Mitarbeiter schon vor geraumer Zeit über das Sparpaket, dazu führte die hauseigene Zeitung ein Gespräch mit dem Landesleiter Deutschland, Stefan Rinn. In vielen Märkten der Welt werde es immer schwieriger, für neue Medikamente einen angemessenen Preis zu bekommen. Zugleich wüchsen die Anforderungen der Behörden, hieß es.

          Patent für Medikament Spiriva läuft aus

          Das sind die Schwierigkeiten, denen die ganze Branche ausgesetzt ist. Hinzu kommen bei Boehringer aber individuelle Aspekte: Dazu zählt der Patentauslauf von Spiriva, das gegen die Atemwegskrankheit COPD (Raucherlunge) eingesetzt wird und mit einem Jahresumsatz von zuletzt 3,6 Milliarden Euro das mit Abstand wichtigste Produkt des Konzerns ist. „Deutlich zurückgehende Umsätze mit dem COPD-Medikament werden Folge dieses Exklusivverlusts sein“, so die Hauszeitschrift.

          Wenn ein bisher patentgeschütztes Medikament seinen Monopolschutz verliert, sacken die Umsätze in der Regel kräftig ab, weil dann auch Nachahmerpräparate, sogenannte Generika, zugelassen werden. Mehr noch: Schon jetzt sind laut Hauszeitschrift die Umsätze mit Spiriva global rückläufig, weil es immer mehr Konkurrenten gibt, die andere Mittel gegen COPD auf den Markt bringen. Die Sprecherin betonte indes, das Unternehmen erwarte demnächst, dass die Behörden das Medikament auch als Mittel gegen Asthma zulassen. Dadurch würden neue Umsätze entstehen.

          Wegbrechende Erlöse aufgrund von Patentverlust: Das ist das Schicksal eines jeden Pharmakonzerns. Die Kunst besteht darin, stets einen Vorrat an Nachfolgern in der Entwicklung zu haben, um mit ständig neuen Produkten Umsatz zu generieren, der das nachlassende Geschäft mit den alten kompensiert.

          Einstellungsstopp im Juni beschlossen

          Boehringer hat zwar vielversprechende Neuprodukte; die sind aber noch nicht oder noch nicht lange am Markt und können deswegen den Rückgang der Spiriva-Umsätze nicht ausgleichen. Daher müsse man in die Vermarktung investieren, sagte Deutschland-Chef Rinn. „Das ergibt eine finanzielle Lücke.“ Und mit ihr begründet das Unternehmen den Sparkurs. Die Kosten in den Vereinigten Staaten und in Deutschland inklusive am Standort Ingelheim müssten sinken, ist in der Hauszeitung zu lesen. „Die Verringerung von Personalkosten ist dabei ein notwendiger Bestandteil.“ Und: „Perspektivisch soll sich durch die Maßnahmen die Zahl der Beschäftigten verringern.“ Die Sprecherin wollte diese Aussage zum Wochenende nicht wiederholen. „Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass wir per Ende Juni 2013 insgesamt 13.122 Mitarbeiter hatten und per Ende Juni 2014 14.087, also einen Zuwachs von 950 Mitarbeitern nur in Deutschland in nur zwölf Monaten, werden wir nun in eine Konsolidierungsphase eintreten und den Zuwachs beschränken“, teilte sie stattdessen mit.

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