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Pharmakonzern : Bestechung kostet Sanofi 28 Millionen Euro

Dunkle Kanäle, illegale Rabatte: In der Pharmaindustrie geht es nicht immer sauber zu Bild: dpa

Der Pharmakonzern Sanofi hat für eine eigene Korruptionsaffäre ein Bußgeld von 28 Millionen Euro  gezahlt. Das kam jetzt nach fast einem Jahr ans Licht.

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          Große Lieferungen von Medikamenten an Hilfsorganisationen in Nordkorea und zum Verkauf auf Kreuzfahrtschiffen ließen Staatsanwälte misstrauisch werden. Flossen die Pillen und Tropfen etwa über dunkle Kanäle zurück nach Deutschland, um illegale Rabatte zu vertuschen? Zunächst glaubten die Fahnder an einen Fall von organisiertem Betrug. Doch dann stellte sich heraus: In Wirklichkeit steckte Korruption hinter den undurchsichtigen Geschäften.

          Sebastian Balzter
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist das Strafverfahren mittlerweile weitgehend abgeschlossen. Schon im Mai vergangenen Jahres musste Sanofi 28 Millionen Euro Geldbuße zahlen, ohne dass dies bekannt geworden war. Zwei Mitarbeiter wurden außerdem entlassen und erhielten Strafbefehle – echte Vorstrafen, die aber diskret verhängt wurden, weil hierbei keine öffentlicher Gerichtsverhandlung stattfindet.

          Ein kleiner Teil der Ermittlungen läuft in einem ähnlichen Fall noch gegen andere Verdächtige. Die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Verden hat die Akten an ihre Kölner Kollegen weitergeleitet. Dabei geht es um fragwürdige Rabatte für das Heilpflanzendestillat „Klosterfrau Melissengeist“.

          Die Branche ist immer wieder in Verruf

          Die Sprecherin der deutschen Landesgesellschaft von Sanofi bestätigte gegenüber dieser Zeitung, dass der Konzern das von der Staatsanwaltschaft festgelegte Bußgeld gezahlt hat. Von den beiden verantwortlichen Mitarbeitern habe sich das Unternehmen schon vor dem Ende des Verfahrens getrennt. Interne Ermittlungen hätten ergeben, dass sie die illegalen Geschäfte bereits vor dem Zusammenschluss der beiden Konzerne Sanofi und Aventis im Jahr 2004 begonnen hätten. Die Strafzahlung, die das Unternehmen selbst leisten musste, beruht auf dem Ordnungswidrigkeitengesetz, auf dessen Grundlage auch etwa der Elektrokonzern Siemens im Zuge seiner Korruptionsaffäre rund 400 Millionen Euro berappen musste.

          Sanofi zählt mit einem Umsatz von zuletzt 27,3 Milliarden Euro im Jahr zu den zehn größten Pharmakonzernen der Welt. Dass der französische Hersteller einen seiner wichtigsten Produktions- und Forschungsstandorte in einem Stadtteil von Frankfurt unterhält, hat historische Gründe: In dem Konzern ist das einst eigenständige deutsche Traditionsunternehmen Höchst aufgegangen.

          Fragwürdige Vertriebsmethoden haben die Arzneimittelbranche in der Vergangenheit immer wieder in Verruf gebracht. Oft ging es dabei um die Beeinflussung von Ärzten und Apothekern durch Geschenke oder um unangemessen hohe Honorare für Vorträge. Schlagzeilen machte beispielsweise das 2005 aufgedeckte System, mit dem es der deutsche Hersteller Ratiopharm für Ärzte besonders attraktiv machte, seine Medikamente und nicht die der Wettbewerber zu verschreiben.

          Die Strafbarkeit soll verschärft werden

          Der Versuch, gegen solche Methoden stärker mit den Mitteln des Strafrechts vorzugehen, ist vor anderthalb Jahren am Bundesgerichtshof gescheitert: Die Richter entschieden trotz erheblicher Zweifel in den eigenen Reihen, dass der Korruptionsparagraph auf niedergelassene Ärzte prinzipiell nicht angewendet werden kann. Denn sie seien weder als „Beauftragte“ der Krankenkassen noch als „Amtsträger“ einzustufen, sondern übten einen freien Beruf aus. Damit seien sie nicht verpflichtet, die Interessen der Versicherer zu wahren und sich nicht durch Gefälligkeiten der Industrie beeinflussen zu lassen.

          Kurz vor den Bundestagswahlen hatten CDU/CSU und FDP zwar noch versucht, die Strafbarkeit durch eine Neuregelung im Sozialgesetzbuch zu verschärfen. Die SPD ließ das Präventionsgesetz, in dem diese Änderung vorgesehen war, dann aber im Bundesrat scheitern: Sie wollte die Vorschrift stattdessen im Strafgesetzbuch als eigenen Tatbestand verankern, damit sie das gesamte Gesundheitswesen erfasst. Das schwarz-rote Regierungsbündnis hat nun genau dieses Vorhaben im Koalitionsvertrag vereinbart.

          Auf das ramponierte Image haben einige Pharmakonzerne inzwischen selbst reagiert: Sie verzichten auf Werbegeschenke jeder Art. Auch bewertet etwa der britische Anbieter Glaxo-Smith-Kline seine Außendienstmitarbeiter nicht mehr nach der Höhe des erzielten Umsatzes.

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